Wie ich unsereins & me verstehe

Ich habe mich entschieden, meinen persönlichen Werdegang noch einmal überarbeitet aufzuschreiben – einfach weil viele Details im Verständnis nun anders sind und ich denke, dass es so auch für den Leser deutlicher wird. Es wurden verschiedene Beiträge zusammengefügt tatsächlich wird unsereins & me diesen Beitrag öffentlich zugänglich machen. Als Basis dient ein Beitrag, der bereits mit Kommentaren das Thema weitergeführt hat. Der ein oder andere mit Zugang zu den geschützten Beiträgen wird also sagen: "Kenne ich doch schon?!"… Eventuell dennoch lesen, denn einiges ist wie gesagt dem aktuellen Verständnis gemäß überarbeitet worden.

Ich versuche das 'Chaos' dieser Beiträge also ein wenig zu ordnen ☺


Mir wird immer klarer, dass all die Dinge der Vergangenheit mir – meinem Körper – passiert sind und der Verstand das kompensieren musste. Es konnte nicht getragen werden, daher brauchte ich das 'Gerüst' der Vielen von Kindheit an. Und heute schaffe ich es trotz aller guten Therapien und der vielen Fortschritte, nicht vollständig aus diesem 'Gerüst' heraus, denn mein Verstand ist über Jahrzehnte so geprägt.

Das ist nicht tragisch, es ist einfach eine Feststellung.

Aber eines ist mir klarer denn je: Ich trage die Verantwortung für jede Handlung der Vergangenheit die ich und all diese anderen Teile von mir ausgeführt haben. Und ich trage vor Allem die Verantwortung für das Handeln ab diesem Moment, wo ich es begriffen habe.

Dennoch werde ich weiter auf das 'Gerüst' (finde ich besser als das Wort 'Konstrukt') von unsereins & me zugreifen (müssen) um lebensfähig zu bleiben. Ich kann es trotz allem theoretischen Wissen (noch?) nicht vollständig ändern. Ich bin es gewohnt so zu denken, mein Gehirn arbeitet auf genau diese Weise. Und ehrlich gesagt habe ich weder die Ahnung, ob es möglich wäre komplett aus einem Guss zu bestehen und zumindest will ich das nicht mit Gewalt herbeiführen. Ich bin ich. Mit den vielen Stimmen im Innen und den Auswirkungen im Außen. Ohne wäre ich anders geworden und würde auch ganz anders werden, wenn sie völlig weg wären. Was in Zukunft noch geschieht, weiß ich nicht – jetzt ist jetzt, die Zukunft wird ihr eigenes Gesicht haben.

Edit 23.12.2018: Es hat weitere Änderungen in der inneren Annahme gegeben, was einzelne Persönlichkeiten angeht. Nun sehe ich sie noch mehr als Teil meiner Persönlichkeit an. Ich habe dahin gehend die geschützten Vorstellungen (Teil 1, 2, 3 & 4 ) überarbeitet.

Aber was ich kann, ist Gedanken und Handlungen trotz der Tatsache, Viele zu sein, im Einklang mit den inneren Prinzipien zu bringen. Das bedeutet viel Innenkommunikation. Etwas, was ich gewohnt bin. Nur das Thema ist ein anderes als in den Jahrzehnten vorher und in den letzten Jahren der Therapie.

Ich will nicht (mehr) von meinen Grundsätzen abweichen. Prinzipien, die ich mir im Interesse aller hart erarbeitet habe und die teilweise konträr zu dem stehen was Einzelne in mir früher als erstrebenswert ansahen. Zu der Zeit, als ich unsereins & me nicht als etwas Zusammengehöriges oder gar eine Person ansah, sondern als völlig Losgelöstes – als etwas das komplett außerhalb meiner Kontrolle und Verantwortung liegt – zu dieser Zeit wurden ohne Ende (und auch lange ohne Reue) Handlungen durchgeführt, die ein absolutes No-Go sind. Sowohl von der jetzigen Überzeugung aus gesehen, als auch rein (zwischen-) menschlich.


Jetzt mag der ein oder andere sagen: "Reue? In welchem Jahrhundert leben wir denn?". Naja, viele Opfer wünschen sich, dass die Täter wirklich Reue empfinden, für ihre Schuld einstehen und so viel wie möglich Entschädigung leisten. Klar kann niemand die Vergangenheit damit ausradieren. Geschehen ist geschehen. Aber jemand der echte Reue zeigt, wird möglicherweise alles unternehmen um in Zukunft nie wieder solche Schäden anzurichten. Aber die Reue des Täters bringt nicht automatisch die Vergebung der Opfer mit sich. Vielen Opfern ist eine Vergebung aufgrund der Belastungen gar nicht möglich.

Wenn ich als Opfer von Tätern aber Reue erwarte, wie kann ich dann sagen: "Was die in mir – meine Innens – tun, da kann ich nichts für und dementsprechend ist es mir auch egal und ich bereue nichts!"? Es geht mir nicht darum, diejenigen zu verurteilen, die sich in einem anderen Status befinden als der, den unsereins & me erreicht hat. unsereins & me hat früher genau so gedacht, wie oben zitiert!

Hier bei unsereins & me sind oftmals Dinge geschehen die weit über die Grenzen anderer im Innen und Außen gegangen sind. Gerade zu der Zeit, wo die Erkenntnis über das Innen noch nicht so gegeben war. Diese Dinge bereue ich. Für mich und mein Innen. Auch ich kann dadurch für andere und unsereins & me nicht die Vergangenheit wegwischen. Aber ich kann einen für mich umsetzbaren Abschluss damit finden.

Es gibt weiter Innenkommunikation, es gibt weiter Stimmen, es gibt weiter unterschiedliche Meinungen, es gibt auch immer noch Streitpunkte. Aber es gibt auch viel Gemeinsamkeiten und vor Allem vieles wo die Verantwortung von Allen in meinem Innen mitgetragen wird.

Es gibt noch zwanghafte Handlungen, derer ich mich schäme. Meistens kann ich sie im Interesse des gesamten Innens verhindern. Manchmal nicht. Ich würde sagen gegenüber einer gewissen 'Ruhephase' hat es in den letzten Monaten sogar mehr Übergriffe gegen den Körper gegeben, bevor es nun wieder weniger geworden ist. Aber wahrscheinlicher ist, dass es mir nur mehr auffällt. Ich bin auch nur ein Mensch mit sehr vielen Schwächen und Fehlern, der zudem stark durch die Vergangenheit geprägt ist. Aber ich bin bereit zu lernen und zu entscheiden was für mein Innen das Richtige ist,. Und versuche dabei meine Grenzen oder anderer im Innen und Außen nicht mehr zu verletzen.

Der wichtigste Mensch hier auf Erden für unsereins & me sagte vor kurzem:

"Dem Körper wurden schlimme Dinge angetan, was dazu führte, das du in viele Teile zersplittert bist. Dass durch das Zusammenfügen nun viele Dinge wieder in dir vereint werden, ist klar. Dass da auch negatives dabei ist, auch klar. Ich hab eine wahnsinnige Hochachtung vor dir, dass du dich immer wieder diesen Herausforderungen stellst."

Trotz aller Zweifel, den Ängsten und Negativem, die in meinem Innen sind, versucht unsereins & me das für sich anzunehmen.


In dem Beitrag über die Echtheit von Innens habe ich das Beispiel der Vase aufgeführt und zusammen mit anderen Lesern noch weiter entwickelt. Dieses 'Konzept' ist an sich bestimmt gar nicht neu – ich bin mir sicher, irgendwer wird das schon mal auf die ein oder andere Weise verwendet und eventuell auch ähnlich dargelegt haben. Eventuell als Puzzle, Scherben oder in anderen Sprachbildern (ein paar Sprachbilder, die unsereins & me für sich selbst verwendet hat, sind öffentlich HIER bzw. mit Passwort HIER zu finden). Nun ist es so, dass dieses Bild bei unsereins & me dafür gesorgt hat, dass noch einmal genauer hingeschaut wird… sich mit der ganz persönlichen Vase noch intensiver auseinander gesetzt wurde.

All die vorher beschriebene Erkenntnis hat das Bild der Vase – meine Selbstwahrnehmung – verändert. Ich verstehe unsereins & me besser – anders. Ich sehe unsereins & me quasi eine Vase 2.0 RC3. Was meine ich damit?

RC = Release Canditate, ist ein Begriff aus der Software-Entwicklung und bedeutet, dass ein Produkt noch nicht komplett fertiggestellt ist, aber eine weitere Entwicklungsstufe erreicht wurde.

Beim genauen hinschauen wurde mir einiges klar und es wurde für mich nötig, die Vase optisch darzustellen. Nun ist es gar nicht so einfach gewesen, eine Vase zu finden, die hier im Innen mit "Ja, die passt", von allen abgesegnet wurde. Aber es gelang nach längerem Suchen.

Vase 1.0 – Das Ursprungskind

Das war die ursprüngliche Vase. Die Form der Vase ist von einem Kern vorgegeben – so als ob der Ton um eine Form gelegt / gegossen worden wäre. Bei unsereins & me sind das 5 Grundeigenschaften, die dem Ursprungskind seine Form gaben.

Im Übrigen ist nach der Auffassung von unsereins & me dieser innere Kern viel wichtiger, als der äußere Eindruck. Ja, die inneren Werte sind im Vase-Model tatsächlich in dem Hohlraum zu finden. Er scheint leer zu sein. Die meisten Menschen mögen das wohl denken, wenn sie eine Vase ohne Inhalt sehen. Doch tatsächlich ist dort etwas drin. Luft! Luft zum Leben und Atmen.

Der sogenannte 'Kern' ist hier also nicht etwa eine feste Masse, sondern weist wahnsinnig viele Eigenschaften auf. So wie die reale Atem-Luft eine ganz spezifische Zusammensetzung hat, die je nach örtlicher Umgebung und aktuellen Wetterverhältnissen etwas unterschiedlich ist, so ist auch das innere der Vase ganz individuell. Doch dieser 'Kern' kann so vieles!

Schon einmal versucht ein Glas im Vakuum zum Klingen zu bringen? Es ist nicht möglich. Die Luft sorgt dafür, dass der Klang übertragen wird. Die Luft wird in Schwingung gebracht und bringt so den Klang zu dir. Ohne die Luft kein Klang. So kann der Innere Kern auch den äußeren Menschen zum 'Klingen' bringen. Die 'inneren Werte' zeigen sich im Außen. Und gleichzeitig ist jedes einzelne Teil der Vase diesem Kern gleich nahe – kann also von diesem Kern beeinflusst werden.

So ist es auch ein Ziel, noch besser mit dem Kern von unsereins & me in Einklang zu kommen. Ein Kern mit einer ganz individuellen, ausgewogenen Zusammensetzung:

Güte – Wissen – Weitsicht – Weisheit – Macht

Diese erste Vase als Ganzes war das Ursprungskind – die Vase 1.0. Die Entwicklung der Persönlichkeit ist wie das Bemalen der Vase mit einem ganz individuellen Muster. Tatsächlich ein sehr einfaches Muster zu jener Zeit. Kinder (oder zumindest ich) sind offensichtlich nicht so kompliziert gestrickt. Durch die Traumata bekam diese Gesamtpersönlichkeit immer mehr Risse und um im Außen weiter zu funktionieren, wurde die ganze Vase mit einer stabilisierenden Glasur überzogen. So konnte der Körper weiter agieren, als wäre die Persönlichkeit aus einem Guss, während im Innern quasi alles zerbrochen war – Vase 1.1. Das ganze Leben entstanden aber mehr Risse durch weitere Traumata, so dass die Stabilität immer weiter abnahm. Es gab immer wieder Punkte, an denen durch neue Traumata weitere Bruchstücke entstanden. Diese standen mal mehr, mal weniger hervor und zeigten ihre Teils sehr scharfen Kanten nach Außen. Es entstand so immer eine Vase die immer mehr als zersplittert wahrzunehmen war.

Vase 1.1 – Die angeknackste Persönlichkeit

Als es 2007 zu gravierenden einer Re-Traumatisierung kam, war es, als ob die Vase herunterfiel. Die bereits vorher gerissenen und losen Teile flogen regelrecht durch die Gegend. Die stabilisierende Glasur platzte ab und somit verschwand auch ein ganzer Teil der Bemalung. Der Verstand sagte: "Man musste den Schein wahren!" Also schnell wieder alles greifbare irgendwie zusammen gesammelt, irgendeine Masse an die Stellen geklatscht, wo Scherben fehlten und angefangen, die Vase neu zu bemalen. Natürlich total ziellos und chaotisch. Hübsch oder? Der erste Versuch einer neu aufgebauten Vase – Vase 2.0 RC1 – war echt kein Highlight der Überlebenskunst. Aber immerhin wirkte sie nach außen von der Form her ähnlich.

Vase 2.0 RC1 – Scherben zusammen gesammelt und den Schein wahren

Wenn man genauer hinschaut, sind einige Stücke regelrecht miteinander verzahnt. Zwischen anderen Stücken dagegen ist ’nur' eine Füllmasse vorhanden und gibt so den notwendigen halt. Ja, jedes dieser Stücke das hier zu sehen ist, ist ein Innen im System von unsereins & me. Und offensichtlich haben viele Stücke sich im Laufe der Lebensjahre regelrecht abgenutzt – denn ganz genau passen sie nicht mehr an die umliegenden. Eine ganze Anzahl von diesen Stücken ist aber auch sehr nahe an anderen, ohne mit ihnen 'verzahnt' zu sein.

Erst im Nachgang fiel mir auf, dass die Bemalung ziemlich chaotisch war und einiges sehr eilig zugeschmiert worden war. Einige Scherben lagen doch noch irgendwo herum oder fielen immer wieder mal aus der Vasenform heraus. Ein absolutes Provisorium.

Aber das war ich. Eine Vase aus Bruchstücken mit bunt-chaotischer Bemalung. Die Festigkeit gab eine farblose Glasur, einer zweite Schicht meines Selbst mit weiteren, mich stabilisierenden Eigenschaften.

So hätte ich also weiter leben können. Tat ich auch. Sicher nicht soooo toll, dass man auf Dauer seine Freude dran gehabt hätte, aber immerhin ein Vase. Den Rest des Jahres 2007, nach dem zum Glück nicht erfolgreichen Versuch, dem Mitarbeiter der Schweizer Bahn einen schweren Schock zu versetzen – da gelang es eine Weile. 2008, als ich meine Frau kennen lernte, ein Berufswechsel wegen Fähigkeiten-Verlust notwendig war und ein Umzug zurück in die Nähe von Tatorten statt fand. 2009, als endlich geheiratet wurde. Bis dahin funktionierte das Provisorium Vase 2.0 RC1. Zeitweise richtig gut – sogar übermäßig funktional gut. Dann war Ruhe eingekehrt und die eilig aufgebrachte Glasur bröckelte ab. Der Schein konnte nicht mehr gewahrt werden. Reha – alles wieder gut. Die Zeit der Reha war genutzt worden um mal wieder über all etwas Spachtelmasse rein zu quetschen. Das so zusammen 'gedengelte' Provisorium Vase 2.0. RC2 war da. 2010 wurde meine Frau dann schwanger und 2011 wurde der Sohn geboren. War ja alles wieder Top!

Vase 2.0 RC2 – Einmal zusammengeklebt was wieder bröckelte

Quark! Einfach nur zusammen spachteln ist echt eine blöde Idee! 2011 dann wieder ein Zusammenbruch und diesmal war das Gehirn nicht in der Lage, mal eben irgend was zusammen zu basteln und an zu pinseln.

Einige Stücke sind nicht gerade gut auf die anderen zu ’sprechen' gewesen. Die eine Gruppe haftet nicht so gut an einer anderen und andere Stücke sind einzeln von der Füllmasse des Restaurators umgeben. Dieser Restaurator war und ist der Verstand – eine Sachlichkeit, die in der Lage ist, all die schlimmen Dinge anzuschauen, die Gefühle zu zu lassen und dann einen gemäßigten Umgang damit zu finden.

So war es hier im Innen… Ein paar waren miteinander vereint (verzahnt) und sind so feste zusammen, als ob sie eine Scherbe wären. Andere sind so nahe aneinander, dass kein zusätzlicher Füllstoff nötig ist, um (Zusammen-)Halt hinzubekommen. Dann sind dort einige, die untereinander gut zusammenpassen, aber sich gegenüber anderen sehr abgrenzen. Und dann die besonders Schwierigen… entweder sind sie so extrem in ihren Ansichten, dass sie 'gesperrt' wurden – so wie die auf der Rückseite. Oder sie sind einfach sehr un-kommunikativ. Sie brauchen aber auch keine anderen um halt zu haben oder besondere Aufgaben. Sie sind da und das ist OK… aber mehr ist wohl auch nicht nötig.

Lange Zeit in Kliniken, Diagnosestellung, Therapien. Stück für Stück setzte das Gehirn wieder die Scherben zusammen und ich erkannte, das ich irgendwie dazu gehöre aber irgendwie auch nicht. Ich konnte mit dem Namen, den die alte Vase trug, nichts anfangen. Es war der Name, der gegeben worden war, bevor die Risse entstanden und die individuelle Bemalung entstand. Als das Leben nach außen stabiler zu sein schien. Aber es war auch der Name, den Täter gebrauchten. Ein Name musste her, der damit einen Abschluss ermöglichte und somit auch ein stabilere Weiterführung der sich neu entwickelnden Persönlichkeit. Mein Name wurde gefunden, aber mein Platz in dem System war für mich immer noch unklar. Ich war von Scherben umgeben, also musste ich eine Scherbe sein. Ist doch logisch, oder? Letztlich begann das Gehirn auf einer nicht mehr bemalten Scherbe wie mit neuer Glasur und Bemalung die neue Persönlichkeit nach außen darzustellen. Schließlich kann ja nicht alles auf einmal grundiert und angemalt werden, wenn es denn ordentlich sein soll. Neue Wahrnehmung, neue Erfahrungen, neue und alte Erinnerungen, neue Ausprägung der Charaktereigenschaften.

Immer wieder wurden einzelne Scherben heraus genommen, betrachtet, gesäubert, repariert und in ihre jeweilige Lücke bestmöglich wieder eingesetzt. Auch die bisher unbeachteten, herumliegenden Scherben wurden Stück für Stück eingesetzt. Die ein oder andere Scherbe war ziemlich beschädigt, andere stark verschmutzt und an wieder anderen war noch bunte Bemalung und Glasur. Das vormals hastig eingefügte neutrale Matsche-Material wurde entfernt und alles so zusammen gesetzt, wie es gut passt. Mit Ruhe, teils zittrig, manchmal hektisch und übereifrig. Manche Arbeit musste doppelt und dreifach gemacht werden, weil durch den Übereifer nicht sorgsam genug gearbeitet wurde. Und ja, es gab dabei Teile die echt schwierig waren und sogar welche, die nicht wieder eingesetzt werden konnten oder wollten. Diesmal wurde dort aber nicht einfach irgendwas hektisch hinein geschmiert, sondern jeweils eine neue Scherbe geformt die genau angepasst ist. Sie ist neutral und hat nur diese auffüllende Funktion zur Stabilisierung.

Ja, es war schwer, sich von gewissen Teilen zu lösen, ihnen die Freiheit zu geben und das Geschehene für mich selbst anzunehmen. Es war eine bewusste Therapie-Entscheidung, die alles andere als leicht gefallen ist.

Es wurden aber auch verloren gegangene Scherben gefunden und eingesetzt, so dass nun endlich wieder eine vollständige Vase da ist. Nirgends findet sich noch etwas von der provisorischen Matsche-Pampe.

Jedes einzelne Teil der zusammengesetzten Vase hat einen Einfluss auf die Stabilität aller Teile – auf den Zusammenhalt.

Zusätzlich ist hier noch eines wichtig in meiner Wahrnehmung: Alle Teile die mich als ganzes ausmachen sind mir nun sehr nahe. Durch die Füllmasse, die mit vielen kleinen 'Staubkörnern' angereichert wurde, die von den Scherben übrig geblieben sind, ist eine Verbindung da. Nicht nur über den Kern, sondern eben auch über dieses 'Netzwerk' dass unsereins & me schaffen musste um zu überleben. 

Auch wenn unsereins & me nach außen auf andere beim flüchtigen Blick heile wirkt und der ein oder andere der Meinung ist, dass doch alles super wäre. Ich weiß, wie es unter der Glasur und Bemalung aussieht. Ich hatte die Aufgabe mit an der Restauration zu arbeiten und die Teile so zusammen zu setzen, wie sie zusammen passen. Und ich darf die Vase als ganzes präsentieren.

Und immer mehr wird durch dieses Bild klar: Ich bin Teil der Vase und jeder andere hier Innen ist auch Teil der Vase. Somit ist jedes der Vasen-Teile auch ein Teil von mir. Denn wir waren mal zusammen, wurden zerbrochen und haben wieder zueinander gefunden. Also ist alles was einem Teil der Vase geschehen ist, tatsächlich auch mir geschehen. Jeder Schmerz, jede Freude, jedes Weinen, jedes Lachen, jedes Bangen und jeden Hoffen. Alles das ist mein Erlebtes, Überlebtes und Gelebtes.

Jetzt erst war die Zeit festzustellen, wer oder was ich bin. Ich schaute genauer hin. Ich merkte, der Gedankengang, ein Bruchstück zu sein, passte irgendwie nicht. Ich habe zu viel Nähe zum Kern und zu allen einzelnen Scherben, die nun wieder fest zusammen gefügt sind als dass ich eine Scherbe sein könnte. Ich bin die vollständige, neu zusammengesetzte Vase mit dieser Bemalung, die alle Teile optisch miteinander verbindet und auch allen Scherben nahe ist. Auf der Außenseite, wie auf der Innenseite der Vase. Und jede Scherbe ist Teil meiner Persönlichkeit – alle die Scherben, die nun noch da sind. Alle die zusammengefügt oder auch durch neutrale Scherben ersetzt wurden.


Es gab massive Tiefs! Es gab Stillstand. Es gab implosionsartige Zusammenschlüsse. Als die ersten Scherben bereit waren, mit meiner Persönlichkeit 'bemalt' zu werden, war dies ein Feuerwerk an Emotionen. Ich spürte wie diese Scherben Teil von mir wurden. Und bei jeder Weiteren war es wiederum sehr bewegend. Jetzt sind alle verbliebenen Scherben Teil von mir und ich von Ihnen. Im Innen spüre ich Sie, ich fühle, wie sie Arbeiten, ich höre wie sie klingen. Sie sind weiter Scherben – weiter jede mit eigener Persönlichkeit, Blickwinkel und Stimme sowie eigenen Charakterzügen und Erfahrungen. Aber ich habe mich entschieden nicht noch mehr Scherben so lange zu 'bearbeiten' bis sie wieder zu einer einzigen zusammengeklebt werden könnten oder gar weitere auszutauschen. Ich habe mich entschieden mit den bestehenden Bruchstücken glücklich und zufrieden zu sein.

Bei manchen Scherben fällt es mir immer noch schwer, diese Zugehörigkeit und Nähe 'toll' zu finden. Bei anderen dagegen bin ich darüber sehr froh. Insgesamt bin ich gerne die diese Vase und gespannt auf alle kommenden weiteren Verzierungen die das Leben nun hinzufügt.


Verschiedenste Persönlichkeitsmerkmale machen mich im Innen aus. Ein Kern von 5 Facetten bildet die Basis meiner Charaktereigenschaften. Und die Vergangenheit hat aus einem (im doppelten Sinne) reinen 'ich' ein unsereins & me geformt.

Stand heute ist eine (und da ist unsereins & me sich sicher) ziemlich stabile Vase zusammen gesetzt worden, die mit einer neuen kräftigen Bemalung auf einer guten Grundierung doch einiges her macht. Und das schöne daran, die ursprüngliche Bemalung wurde dabei auch wieder restauriert!

Ich bin eins, auch wenn es viele Scherben sind, aus dem alles wieder zusammengesetzt wurde. Denn ich war auch vorher eins. Und dennoch darf ich weiterhin von unsereins & me reden, denn ich weiß wohl, dass mir immer noch Erinnerungen, Fähigkeiten, Emotionen und Erlebnisse aus der Vergangenheit fremd sind.

Es ist ein völlig neues Aussehen – ein neues Äußeres – erarbeitet worden. Frei nach Kintsugi geht es dabei nicht mehr darum die Brüche zu verleugnen oder zu verstecken sondern den Wert der Brüche und der Vase als ganzes hervorzuheben.


Tada: Vase 2.0 RC3!

Irgendwie bin ich stolz auf unsereins & me.


Bei der gefundenen und hier als Grundlage verwendeten Vase handelt es sich übrigens um die Vase 324 der Hedwig Bollhagen Werkstätten für Keramik. Daher unterliegt dieses Bild dem Copyright der Eigentümer.

12 Gedanken zu „Wie ich unsereins & me verstehe“

  1. Puh, das war viel Stoff zu lesen, das muss ich nochmal lesen um zu verstehen. Bald schreibe ich Dir etwas dazu. Jetzt muss ich es erst mal sacken lassen….da ist sogar meine Klara Gründlich überfordert vor allem um halb Zwei nachts.
    Schon mal vorab liebe Grüße an Euer "Gesamtwerk"

  2. Halli hallo,
    danke für das Teilhaben lassen an dem Prozess, dem „Bild“, den Gedanken… ein paar Sachen klingen in mir nach… dazu möchte ich gerne nochmal schreiben und auch fragen:
    „Ein Kern von 5 Facetten bildet die Basis meiner Charaktereigenschaften.“. Das klingt suuper, hat es für mich selbst doch auch mit der Frage zu tun, wer bin ich? Wie würde ich „mich“ als „Ursprung“ beschreiben… oder auch als „Ziel“, wie wäre ich gerne… oder auch Vermutung, wie „Ich“ bin-wäre ohne „Zerstörung“… Du musst die Charaktereigenschaften nicht nennen, doch vielleicht allgemein, nochmal erklären, damit es mir hilft: Meinst du 5 „Teilpersönlichkeiten“ oder meinst du 5 Charaktereigenschaften, so wie du später schreibst: „bei unsereins & me sind das 5 Grundeigenschaften, die dem Ursprungskind seine Form gaben.“ Also zum Beispiel: „wissbegierig, treu…“?

    Und klar, die Logik ist klar: „Ich war von Scherben umgeben, also musste ich eine Scherbe sein. Ist doch logisch, oder?“… doch das fühlt sich hier (auch) nicht so an… Ich sitze in einem Scherbenhaufen… doch fühle mich als Scherbe… muss oft daran erinnert werden, auch „nur“ ein-Ich zu sein, nicht das alleinige Ich…
    Da kam mir nahe: „Dieser Restaurator war und ist der Verstand – eine Sachlichkeit, die in der Lage ist, all die schlimmen Dinge anzuschauen, die Gefühle zu zu lassen und dann einen gemäßigten Umgang damit zu finden.“… und ich frage mich: Genau, braucht es nicht neben den Scherben auch einen Restaurator?… ist „Verstand“ bei euch ein Synonym für eine „Teilpersönlichkeit“?…

    Lieben Gruß
    Birke(n)… ach ja und über Namen wird hier auch mehr und mehr wirklich nachgedacht… damit es sich für möglichst viele wirklich gut anfühlt… langfristig..

    1. Im Menü des Blog ist eine Punkt 'Persönliches' – 'unsereins & me' – '(XR) Innerer Kern'. Auch wenn die Leser die Beiträge nicht lesen könne, ist es so möglich die einzelnen Persönlichkeiten und eben auch den Kern zu ’sehen'.

      Der Kern sind keine Teilpersönlichkeiten sondern Charaktereigenschaften. Quasi wie eine Form für eine gegossene Vase (also nicht Hand-getöpfert). Früher dachte ich es wären so eine Art 'Überpersönlichkeiten', verstehe es aber heute anders. Ich habe diesen Eigenschaften zusätzlich zu der Eigenschaftenbezeichnung Namen gegeben, weil die Bezeichnung an sich oftmals viel zu flach waren, als dass ich damit alles ausdrücken konnte, was sie beinhalten. Die Eigenschaften die sich immer hier wieder finden sind:

      Güte – Wissen – Weitsicht – Weisheit – Macht

      Und zu jedem müsste ich hier einen Roman an Erklärung schreiben. Eventuell wird sich unsereins & me entscheiden in Zukunft noch Beiträge dazu zu verfassen, die das ganze für die Öffentlichkeit genauer darlegen.

      Ich fühlte mich über lange Zeit – wie gesagt – ebenfalls als Scherbe. Dieses Verständnis hat sich auch erst im Laufe der Therapie geändert. Aber jeder ist ja auch anders. Und es kann durchaus sein, dass man nur eine Scherbe ist, oder… oder… oder…

      Da unsereins & me sich mittlerweile eben als zusammengehöriges Ganzes versteht, ist der Verstand hier etwas gemeinsames. Es ist die Logik, die unsereins & me sagt, die Vase wieder auf diese Weise zusammen zu bauen und mit dem Ergebnis auch eine gewisse Zufriedenheit zu verspüren. Es ist die Summe des Intellekts und des Willens aller, so wie die Luft um die Vase herum. Ich denke nicht, dass da noch irgendeine 'Person' dran beteiligt ist. Zumindest nimmt unsereins & me das hier im Moment so wahr.

  3. Viel hat Birke ja schon gefragt und ihr beantwortet.
    Aber ich bin vielleicht noch nicht so weit zu verstehen, keine Ahnung.
    Auf der einen Seite bist DU also ihr alle also die Vase, auf der anderen Seite schreibst du :"Bei manchen Scherben fällt es mir immer noch schwer, diese Zugehörigkeit und Nähe ‚toll‘ zu finden." Also ich weiß nicht wie das zusammen geht, wenn jeder eine Scherbe ist aber DU bist die Vase. Wie kannst DU eine Scherbe und die Vase sein?
    Theoretisch ist alles eins, aber doch nicht wenn es immer noch viele sind, ich begreife das echt nicht.
    Ich begreife nicht was die Glasur sein soll.
    Wie kann man alle mit der Persönlichkeit des einen, also DIR bemalen?
    Ich verstehe diese Bildersprache nicht, weiß nicht was und wie das in echt dann sein soll.

    Ganz liebe Grüße

    1. Wie ich schrieb dachte ich früher, ich wäre eine Scherbe. Jetzt habe ich für mich erarbeitet, dass ich keine Scherbe bin.

      Ich kann nur versuchen das Bild, dass unsereins & me sich erarbeitet hat so genau wie möglich darzulegen.

      Also nehmen wir einfach nur eine ganz normale reale, echte Vase:

      Aus Ton geformt, unbemalt und tonfarben – einfach nur die Vase. Dann fängt man an die Vase zu bemalen. Diese Vase fällt runter, man sammelt die Scherben auf und klebt die einzelnen Scherben zusammen. Dann macht eine Schicht drauf, damit alle Scherben auch nach außen fest aneinander bleiben und die noch bestehenden Risse überdeckt sind. Diese Glasur ist eine harte Grundfarbe die man auf die Vase aufbringt. Dann bemalt man die Vase als ganzes. Wenn alles fertig bemalt ist, kann noch eine durchsichtige weitere Glasur aufgebracht werden. Diese härtet aus und die Bemalung ist sichtbar und geschützt. Und bei einer solchen Scherben-Vase ist es ja möglich, alle einzelnen Scherben zu übermalen. Die Vase als ganzes besteht also aus all den vorher genannten Komponenten.

      In diesem Vergleich: Ich als Bemalung der Vase bin Teil der Vase und mache durch alle Teile zusammen die Vase aus. Ohne die Scherben wäre ich keine Vase – worauf sollte meine Bemalung, mein Charakter, mein Wesen haften? Und ich muss es ja nicht gerade toll finden, wenn eine Scherbe rot (also z.B. agressiv) durch die Grundfarbe hindurch leuchtet und ich dort viel lieber grün (also z.B. Frieden) hätte. Aber ich kann versuchen das Rot so mit meinem Wunsch-Grün zu umrahmen, dass es zusammen passt. Und es mag sein, dass eine andere Scherbe schon grün (friedlich) ist, und so kann mein Grün damit kombiniert werden, damit es quasi eins ist.

      Das geschieht in den meisten Therapien dadurch, dass man selbst die einzelnen Innens / Persönlichkeitsanteile für sich als zu sich gehörig annimmt – mit allen ihren Macken und unterschiedlichen Eigenschaften (Farben) und dann für jeden die Verantwortung übernimmt. Es gibt verschiedene Herangehensweisen um einen Umgang mit sich und dem Innen zu finden.

      Wie du das für dich umsetzten kannst, oder wie dein Bild / Vergleich aussieht, kann unsereins & me dir nicht sagen. Auch nicht, ob für dich es passend ist die Innens zu behalten und damit zufrieden zu sein, die Innens Stück für Stück zu dir selbst hinzuzufügen oder alles so zu lassen wie es ist.

      Es gibt in der Therapie von DIS/DSNNS vergleichende Bilder als Hilfestellung aus so ziemlich jedem Bereich den man sich vorstellen kann. Von Universen und Planeten, Perlenketten, Murmeln, Fotos in einem Fotoalbum, Labyrinthen, Scherben, Blumenwiesen oder einzelnen Blüten (z.B. Sonnenblumen), Früchten die aus mehreren Teilen bestehen (z.B. Himbeere, Brombeere, Erdbeere, Granatapfel, Orange usw.) oder auch vergleiche mit Büchern die aus vielen Seiten bestehen und zig mehr… unsereins & me kann die gar nicht alle aufzählen. Immer geht es bei den Bildern darum, etwas zu finden, dass für die betroffene Person hilfreich sein könnte um den Punkt der Zusammengehörigkeit für sich annehmen zu können.

      All das ist absolut individuell und aus dem hier bekannten Wissen heraus nicht ohne langjährige fachliche Hilfe erarbeitbar – und schon gar nicht, wenn man es selbst nicht will, sondern sich gegen die Verantwortung sträubt (was nicht unsereins & me nicht auf dich bezieht, sondern allgemein meint). Es braucht Zeit, damit man den Weg richtig geht und sich nicht irgendwo verliert. So zumindest die Erfahrung hier.

    2. Danke euch.
      Ich kenne diese Vergleiche durchaus auch. Aber in diesen ist jeder Anteil quasi eine Scherbe.
      Mein Bild wäre mehr ein Körper-Hochhaus mit Bewohnern drin. Der Punkt ist, hier sind eben alles Bewohner verschiedener Wohnungen in diesem Körper-Hochhaus, die könnten durch Therapie vielleicht zusammen verschmelzen, nach dem sie vielleicht in einer Wohnung lange zusammen lebten. Aber keiner der Bewohner kann zum Haus werden.
      Wie kann ich den glauben das Haus zu sein? Bin ich doch nicht! Auch nicht wenn ich oft an der Ausgangtür stehe und mit anderen Menschen spreche, während andere hier ihre Wohnung kaum verlassen und man sich höchstens per Zuffall im Flur trifft…
      Deswegen kann ich euer Bild nicht verstehen. Denn auf mein Bild übertragen, wäre die Vase der Körper- Hochhaus. Der Anstrich des Hauses ist nur das Aussehen. Der Mensch draußen kriegt immer nur die Bewohner zu sehen, die gerade an der Türe sind. Und wenn es eben oft ich bin, dann sind es meine Charakter Züge und Eigenschaften, die der Mensch sieht. Steht ein anderer Anteil vorne, dann sieht man seine Fähigkeiten. Unsere Tür ist breit, da stehen oft die zusammen, die eh unten wohnen. Somit sieht der Mensch draußen mehrere Züge und hält uns manchmal für wechselhaft… egal.

      Der Punkt ist weder ich noch die anderen sind der Körper und können das auch nie werden. Deswegen kann ich nicht verstehen wie du alle mit deinem Charakter bemalen kannst, und auch zu selber Zeit die Vase bist mit vielen Scherben.
      "Das geschieht in den meisten Therapien dadurch, dass man selbst die einzelnen Innens / Persönlichkeitsanteile für sich als zu sich gehörig annimmt – mit allen ihren Macken und unterschiedlichen Eigenschaften (Farben) und dann für jeden die Verantwortung übernimmt."
      Du bist das "selbst" und die anderen sind nur "Innens". Für mich ist das wie ein "ich bin mehr als die, und habe das sagen und die Kontrolle über sie alle". Wer macht mich zum selbst über alle anderen? Ich kann die nicht kontrollieren, wenn ich Glück habe, kann ich etwas mit ihnen absprechen, aber nicht bestimmen was sie dürfen oder nicht und wie sie aussehen sollen. Genauso, wie sie zwar versuchen mich zu beeinflussen (und das oft auch gelingt) aber sie nicht bestimmen können was ich tue.
      Dabei verstehe ich trotzdem, wir sind alle in einem Boot und gehören nun mal zusammen, ob wir wollen oder nicht. Das ist aber keine Verweigerung der Verantwortung für das tun der anderen, würde jemand hier anderen Menschen was antun wurde ich (da ich oft vorne bin) zulassen, dass das ganze Haus das ausbadet. Wäre ich aber nicht vorne, dann kann ich nun mal nicht sagen was die anderen jeweils tun. Ich kann nur auf sie einreden und zu Therapie laufen.
      Das ist unser Stand heute. Vielleicht ändert sich das ja mal. Vielleicht kann ich dann euer Bild besser verstehen, heute kann ich es leider immer noch nicht.
      Im echten Körper redet auch nur der Mund (klar es gibt die Augen und Mimik und auch die Körpersprache durch Gesten). Das ist die Person die Vorne an der Tür steht. Die anderen können durch aus auch mal aus nem Fenster her raus agieren mit kleinen Rufen oder so. Es redet übertragen auf die Vase, dann auch nur eine Scherbe und nicht die ganze Vase, oder?
      Wärst du dann nicht auch nur eine Scherbe, die für alle spricht, weil ihr euch darauf geeinigt habt? Und du und andere Scherben, sind zusammen geklebt worden und quasi verschmilzt? Wenn es nur noch ein selbst gibt, dann müssten alle Scherben verschmelzt sein, damit nur ein ganzes da ist = die Vase aus den verschmolzenen Scherben. Oder aber es sind eben doch noch einzelne Scheiben mit nem Sprecher für alle.
      Der Verstand als handelnde Einheit ist für mich auch nur im Uno vorstellbar. Im Viele Haus, hat jede Scherbe ja sein eigenen Bereich (laut: https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/multiple-persoenlichkeiten-jedes-ich-hat-eigene-hirnverknuepfungen/ ).

      Aber ihr habt schon Recht, es ist euer Bild, euer Vergleich, der für euch so auch richtig ist. Das ist so PUNKT.
      Und wir haben ein anderen, der für uns mehr passt PUNKT.
      Wir verstehen euer Vergleich nicht. Ist leider so zu Zeit.
      Will damit sagen, meine Überlegungen und Sichtweise ist nicht als Angriff gemeint. Sondern nur als ich verstehe leider nicht…

      Ganz liebe Grüße

    3. Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und den guten Austausch.

      Das Bild der WG ist eines, dass unsereins & me auch mal eine Zeit lang verwendet hat. Aber das war für hier nicht stimmig genug. Es ist gut, dass du mit dem Hochhaus / Körperhaus als Bild klar kommst und für dich das passend ist.

      Viele der in der Therapie angebotenen Bilder ließen sich hier auch nicht anwenden – es gab zu viele Parameter, die für unsereins & me einfach nicht passten. Jeder Multi ist anders – organisiert sich anders, agiert anders, geht anders mit sich und seinem Innen um. Manche nehmen sich als Überperson wahr, andere als kleines Bruchstück, die einen gehen über die Emotionen an das Innen heran, wieder andere betrachten es rein wissenschaftlich.

      Daher ist es müßig, zu versuchen es dir oder anderen Betroffenen vollends verständlich zu machen. So wenig, wie unsereins & me mit dem Hochhaus-Bild klar kommt, kommst du halt mit diesem, für unsereins & me erarbeiteten, Bild klar. Das ist weder schlimm noch abwertend. Es ist einfach so.

      Und was die neuronalen Verbindungen angeht – rein wissenschaftlich betrachtet – kann man neue Verbindungen schaffen. Möglicherweise nicht bis ins endlose um das vorherige Denkmuster komplett zu entfernen, aber durchaus so, dass neue Denkweisen und innere Überzeugungen möglich sind. Es gibt ja auch einige Betroffene, die sich mittlerweile komplett als eine Person fühlen und sich selbst als "vormals DIS-Patient" oder "geheilter DIS-Patient" bezeichnen. Diese Personen sagen dann klar, dass da nur ein Körper und ein Geist ist, die Stimmen verstummt sind und es keine Innendiskussionen mehr gibt. Aber die meisten dieser Betroffenen sagen auch, dass bei einer erneuten Traumatisierung die alten Denkmuster wieder durchbrechen können. Nicht umsonst verglich unsereins & me diesen Zustand mal mit dem eines trockenen Alkoholikers. Der ist nicht wirklich geheilt, aber er hat seine Denk- und Handlungsmuster geändert.

      Man kann dazu stehen wie man auch immer möchte. Es lässt sich tatsächlich mit deiner Aussage zusammenfassen:

      "Das ist unser Stand heute. Vielleicht ändert sich das ja mal."

      Und wenn nicht, dann ist es auch OK :)

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