Therapie

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Gestern und heute standen wieder die Arzt- und Therapiestunden an. Gestern ging es zwar in erster Linie um die Abholung eines neuen Rezeptes, aber der Arzt nimmt sich immer sehr viel Zeit und so kommt es dann doch zu Gesprächen von 30 oder mehr Minuten.

Ja, es ist so, dass Gespräche extrem wichtig sind. Auch jetzt in der aktuellen Situation, in der ich zum Einen meine persönliche Wahrnehmung und Grenzsetzung weiter übe und zum Anderen auch mit dem Wust an Papieren und den 'Was passiert als nächstes'-Gedanken jonglieren muss. Gleichzeitig sind diese Gespräche aber auch sehr anstrengend. Es ist pure Konzentration nötig und ein genaues hinfühlen, damit ich wahrheitsgemäß meine Empfindungen und Wahrnehmungen darlegen kann.

Und wenn dann gleich am Folgetag noch Therapie anliegt, vermehrt sich diese Anstrengung exponentiell. Und ich merke, wie es mir an die Substanz geht. Es ist somit klar, dass ich bei der Terminvergabe noch besser darauf achten muss auch bei diesen Terminen genug Tage zum 'regenerieren' dazwischen zu lassen. Dennoch war die heutige Therapiestunde sehr gut und hilfreich – besonders wenn man bedenkt, dass ich mich vorher echt gefragt habe, was ich mit meinem Thera besprechen will/soll.

Ich merke, wie sehr mich diese vielen Fragezeichen bei der finanziellen Situation und dem ganzen damit zusammenhängenden Ämter-Kram belastet. Extremst. Und das nervt mich.

Wenn ich nicht meine Frau an meiner Seite hätte, die mich da emotional auffängt (während ich gleichzeitig Sie in Bezug auf ihre persönlichen 'Baustellchen' versuche zu stärken), würde ich wohl bereits weinend im Bett liegen und nur noch um eine volle gesetzliche Betreuung bitten. Im Übrigen kostet es mich keine Kraft, für meine Frau da zu sein. Im Gegenteil: Es lädt meine Akkus auf, wenn ich für sie da sein kann. Auch wenn ich anderen Helfen kann, gibt mir das extrem viel Kraft und positive Emotionen zurück.

Ja, ich weiß, dass ich nach außen oft sehr stark wirke. Aber ich habe meine Grenzen, meine Schwächen und eine ganze Menge Fehler. Ich bin nicht so stark wie ich wirke. Gute Bekannte und Freunde wissen das. Sie wissen um mein Gefühl, denn ich halte es nicht geheim vor denen, denen ich vertraue, oder die mir besonders viel bedeuten.

Sowohl der Thera als auch der Arzt haben mich (nochmal) darauf hingewiesen, dass ich mir beim Denken nicht dauerhaft eine Blockade aufbauen soll, die ich normalerweise nicht habe. Was meinen sie damit?

Ich habe Zeit meines Lebens im Innen mit Stimmen gesprochen. Zumindest ist es das, woran ich mich erinnern kann. Die letzten Jahrzehnte war es normal 'fremde' Stimmen im Kopf zu haben. Doch wie war es, bevor ich so aufgespalten war, dass ich es nicht mehr als mein eigenes Innen wahrgenommen habe? Ich weiß es nicht wirklich. Aber in den Gesprächen wiesen die verschiedenen Fachleute mich schon oft darauf hin, dass es nicht darum geht, meine Art und Weise wie ich Denke zu ändern. Sie sagten immer wieder, dass es durchaus OK sein kann 'in Stimmen zu denken' – sofern ich dabei mich selbst als die Quelle der Stimme wahrnehme.

Die Fachleute gaben mir erneut zu bedenken, dass es viele Menschen gibt, die bewusst Selbstgespräche laut im Außen oder leise im Innen führen, ohne dass das irgendwie eine Störung wäre. Es ist ihre bevorzugte Art zu denken und dazu noch eine effektive Art, da sie ihre Gedanken so für sich wiederholen.

Ich bin momentan nicht mehr in der Lage diese Selbst-Gespräche zu führen. Ich blockiere mich da selbst… eventuell aus der Vorstellung heraus, ich könnte dadurch wieder auseinander brechen. Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist. Und mir wurde immer wieder in den Therapien gesagt, dass es verständlich ist, dass ich zur Zeit diese Art des Denkens bewusst vermeide. Es wird mir aber auch geraten mein volles Potential auszuschöpfen und mich nicht krampfhaft dagegen zu wehren mit mir selbst zu reden…

Also anstelle von folgendem, aktuellen, Ablauf…

Ich will einen Gedanken tiefer gehend ergründen und spreche wie schon immer gewohnt nach Innen. Ich merke dass keine 'fremde' Stimme aufkommt und zwinge mich augenblicklich nicht zu 'reden' sondern in 'wabernden, nicht greifbaren Blasen' zu denken. Und das kostet mich soviel Konzentration, dass ich im Vergleich zu früher ziemlich 'flach' denke.

…wäre folgender Ablauf wohl eher der, der meinem Naturell und meiner jahrzehntelangen Gewohnheit entspricht:

Ich will einen Gedanken tiefer gehend ergründen und spreche wie schon immer gewohnt nach Innen. Ich antworte im Innen redend zu mir selbst und führe die tiefgehenden Gedanken zu Ende. So kann ich Details mit mir besprechen ohne sie laut auszusprechen und bleibe nicht so ungewohnt 'flach' in meinen Gedanken wie zur Zeit.

Tatsächlich mache ich das in gewissen Situationen genau so. Das wird mir jetzt gerade in diesem Moment bewusst! Wenn ich am Computer tippe oder von Hand schreibe, tue ich genau das!!! Da wehre ich mich nicht gegen, sondern bespreche mit mir selbst das was ich schreiben will. Ich bin mir selbst immer schon zwei drei Sätze vor dem Tippen voraus… Es funktioniert also.

In Gesprächen mit Außenstehenden ist das nicht so machbar im Moment und ich muss immer wieder kurze Pausen machen um einen tiefer gehenden Gedanken greifen und ihn dann aussprechen zu können. Darauf angesprochen habe ich schon mehrfach von Gesprächspartnern gesagt bekommen: 'Ja, stimmt, du machst Pausen an komischen Stellen.'

Ganz für mich alleine ohne eine schriftliche Komponente geht dieses mit mir selber reden auch einfach noch nicht.

Oh man… so viele Baustellen. Manchmal kommt es mir vor, als ob ich eine Schaufel in der Hand habe und den Graben, den ich vor mir als Weg aushebe hinter mir wieder mit der ausgebuddelten Erde zuschütte…

Therapiestunden… so anstrengend und soooo wertvoll

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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  1. M

    Melinas

    Hast Du schon mal einen Daumen runter gekriegt? Das würde mich interessieren.
    Nicht nur Therapiestunden sind anstrengend – das Leben auch….

    • u

      Keine Ahnung. Müsste ich mich durch wühlen, da ich keine Statistiken darüber führe.

      Therapiestunden gehören in meinem Fall zum Leben dazu. Ich habe vor der Therapiestunde nicht das Leben auf Pause gestellt Also ja, das Leben hat anstrengende Elemente.

  2. I

    Ionovia

    Du wirst deinen eigenen Weg finden, es braucht Zeit und die solltest du dir geben.
    Ich rede immer laut mit mir selbst, zwar vermeide ich das in Gegenwart anderer, aber das habe ich als Kind schon gemacht. Das hilft mir, meine Gedanken zu sortieren, mir über Gefühle klar zu werden und sie zu bearbeiten.
    Und ich bin sicher, dass du das ein oder andere Mal schon meine Selbstgespräche mitbekommen hast, wenn du zu Hause bist aber in einem anderen Zimmer.

    • u

      Ach DAS ist dieses seltsame Hintergrundgeräusch! Ich dachte die ganze Zeit, du möchtest was von mir. Gut zu wissen, dann kann ich in Zukunft bei der Frage: "Hast du mir zugehört?" sagen, dass ich gedacht habe du wärst mit dir selbst am reden. ;D

      Nun aber Ernst: Danke dir für diesen Einblick. Ja, ich weiß, dass du das ein oder andere Mal vor dir hinquatschst und es ist echt hilfreich, zu lesen, dass es "hilft […] Gedanken zu sortieren, […] über Gefühle klar zu werden und sie zu bearbeiten."

      Daaaanke

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