Therapie

Programmierung / Konditionierung

Therapie

therapie

unsereins & me ist ja nun kein Spezialist auf dem Gebiet der Programmierung, aber das Thema inwieweit Täter Konditionierungen vornehmen oder Automatismen einrichten können und welche 'Varianten' es da gibt, kommt immer wieder mal auf. Sowohl bei anderen Systemen als auch bei unsereins & me. Eventuell liegt unsereins & me mit den unten angeführten Vergleichen richtig, vielleicht auch total daneben. Ich hoffe daher, dass sich an dem folgenden Beitrag einige beteiligen werden um ein klareres Bild zu bekommen.

Beim Wort 'Programmierung' kommt unsereins & me sofort der Vergleich mit einem PC in den Sinn (Kein Wunder bei dem technischen Wissen, was hier existiert).


Ein absoluter Computer-Laie der unbedingt einen Film illegal downloaden will, wird hauptsächlich mit seinem eigenen Schutz beschäftigt sein. Er denkt nicht wirklich an den Schaden den er anrichtet oder an die Auswirkungen für andere. Er wird also versuchen dafür zu sorgen, dass er nicht entdeckt wird. Er wird eventuell eine Software nutzen um seine Identität zu verschleiern, also unerkannt zu bleiben. Der Schaden den er anrichtet ist dabei dennoch dauerhaft. Im Beispiel des Filmes schädigt er die Produktionsfirma, Schauspieler, Kinos, Verleihe und er übertritt Gesetze. Doch daran verschwendet er keinen Gedanken. Ihm geht es nur um seinen einen kurzen Moment. Und wenn es ihm gelingt und er nicht erwischt wird, wird er es möglicherweise wieder und wieder tun, sofern es weiterhin so leicht ist. Dennoch kann dies beim Geschädigten entsprechende Abwehrmaßnahmen in Gang setzen, so wie die Filmindustrie immer weitere Kopierschutzmaßnahmen entwickelt und damit eigentlich allen ehrlichen Nutzern unterstellt, sie müssten kontrolliert und reglementiert werden. Mit Hilfe eines guten Kopierprogrammes können solche Schutzmaßnahmen z.B. für eine legale Sicherheitskopie aber umgangen werden.

So kann es auch bei einem Sexual-Straftäter sein, der als Einzeltäter die Gesetze überschreitet und einen großen Schaden bei seinem Opfer (oder den Opfern) anrichtet. Er wird sich keine Gedanken darüber machen, wie er das Opfer an sich binden kann. Für ihn zählt möglicherweise nur seinen Willen ausgelebt zu haben und er wird das immer wieder tun, wenn es denn keine große Anstrengung erfordert. Ein bekannter Spruch auf den zur Verschleierung der Täteridentität und der Tat genutzt wird ist dabei wohl: "Wenn du das jemandem erzählst, dann…". Der Täter versucht sich so zu schützen und einer Strafverfolgung zu entziehen. Das das Opfer danach sein Leben lang eventuell allen anderen Menschen 'unterstellt' eben so schlecht zu sein und aufgrund dessen (sogar von sich selbst aus) Mechanismen zum Schutz aufbaut, ist ihm dabei wahrscheinlich nicht bewusst und interessiert ihn wohl auch nicht. Ein guter Fachtherapeut kann dem Opfer im Regelfall helfen, diese Schutzmechnismen zu erkennen und neue Wege zu gehen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Täter eine Programmierung bewusst und gezielt erschafft um das Opfer an sich zu binden, ist gering, da diese Täter oftmals dieses Ziel gar nicht haben. Ihnen geht es nur um ihren momentanen (sexuellen) Trieb. So wie ein Computer-Laie der sich einen Film illegal herunter lädt sehr wahrscheinlich nicht all zu viel Aufwand betreiben wird um den gewünschten Film zu erhalten und sich deswegen nicht automatisch zum Hacker weiter bildet. Dennoch ist der Schaden angerichtet und erfordert viel um die Folgen zu reduzieren.

Es kann aber durchaus sein, dass ein solcher Täter sich irgendwann nicht mehr mit dem Schutz seiner Identität zufrieden gibt und dazu übergeht auf sein Opfer so einzuwirken, dass er immer wieder Zugriff hat.

Edit 19.12.2018: Einzeltäter bedeutet übrigens nicht dass das Opfer nur einen Übergriff erlebt. Mehrere Übergriffe durch verschiedene Personen können dabei genau so zu komplexen Traumatisierungen und Automatismen führen. Zusätzlich gibt es auch Opfer, die eine Kombination von Übergriffen aus verschiedenen Tätergruppen erlebt haben. (Danke an Vergissmeinnicht für eine Rückmeldung in dieser Hinsicht.)


Ein Computernutzer, der schlechtes im Sinn hat, aber kaum Kenntnisse, wird wahrscheinlich auf vorgefertigte Hilfsmittel zurückgreifen und damit herumprobieren. Fast jeder computeraffine Nutzer kann heutzutage am PC mit fertigen Programmen einen Schadcode/Virus erstellen, wenn er denn genug kriminelle Energie hat. Damit kann er bewusst einfache Abläufe aktivieren und damit sein Ziel auch erreichen. Hier ist es oft eine Kombination auf krimineller 'Neugier' und herumprobieren um irgendwie eine höhere Wertigkeit für sich selbst zu erzielen. Dieser Nutzer ist kein Hacker oder Programmierer, sondern ein 'Mitläufer', 'Einzeltäter' – was ihn aber nicht weniger gefährlich macht. Je nachdem wie dieser Computernutzer tickt, kann es durchaus sein, dass sein 'Erfolg' ihn dazu bringt, zu versuchen seine Können zu verbessern. Der Schaden, den er anrichten kann ist ebenfalls immens. Nur ist es im Regelfall etwas einfacher, den Schadcode zu blockieren oder zu entfernen – manchmal reichen da recht einfache kostenfreie Tools für aus.

Ein Einzeltäter, der sein Opfer auch an sich binden will, wird möglicherweise auch auf 'vorgefertigte', allgemein bekannte Druckmittel zurückgreifen und damit das Opfer gefangen halten. Das können durchaus Aussagen sein wie: "Du bist dafür da, dass du…" oder "Wenn du nicht wieder machst was ich will, dann…" Es handelt sich also z.B. um wiederkehrende Gewaltandrohungen mit denen er seine eigene körperliche Überlegenheit ausspielt oder Manipulieren dadurch, dass der Täter die Abhängigkeit des Opfers ausnutzt. Dieser Täter wird aber von seinem Wissen her nicht in der Lage sein komplexe, verschachtelte Programmierungen bewusst zu erstellen, die mit allen möglichen Raffinessen ausgestattet sind. Vielmehr ist es im Vergleich zu den Programmen auf organisierten Täterkreisen ein recht einfach gehaltener Ablauf der aber zu einer wirksamen Konditionierung führt. Der Täter ist sich aber im Nachgang möglicherweise bewusst, dass es irgendwie funktioniert hat, da das Opfer ihm weiter 'gefügig' ist und wird dann möglicherweise versuchen seine Fähigkeiten weiter auszubauen. Dieser Ablauf kann dementsprechend von gut geschulten Therapeuten erkannt und wahrscheinlich mit verschiedenen angepassten 'Standard'-Techniken unterbrochen oder entfernt werden.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass ein solcher Täter eine tiefer gehende Programmierung erschaffen kann, ist es wohl nicht unmöglich und von verschiedensten Faktoren abhändig, wie schwierig es letztendlich sein wird, diese Automatismen zu blocken. So wie es auch bei einem privaten Computernutzer mit gewisser krimineller Energie durchaus gelingen kann massiven Schaden anzurichten der nur schwer wieder auszubügeln ist.

Aber kann es natürlich dennoch sein, dass ein solcher Täter alles daran setzt seine Fähigkeiten zu verbessern und sich zu einem Profi weiterbildet und sich einer organisierten Bande anschließt.


Ein professioneller Programmierer auf der dunklen Seite der Macht (auch gerne als Hacker bezeichnet) erstellt ganz bewusst mit seinem technischen Können einen Schadcode/Virus und pflanzt ihn in eine vorher harmlose Datei ein. Er weiß genau was er tut und manipuliert die Datei so, dass der normale Aufruf zwangsläufig bestimmte Folge-Prozesse in Gang setzt. Damit kann er z.B. dafür sorgen, dass der Computer automatisch Kontakt zu ihm aufnimmt und persönliche Informationen an den Programmierer übermittelt. Er verfolgt damit ein bestimmtes Ziel: Oftmals ist es Ruhm, Macht oder Geld was dahinter steckt. Diese Programmierer lassen sich dabei sehr komplexe Strukturen einfallen um eine Entdeckung zu vermeiden und im Notfall auch über Umwege an die gewünschten Informationen zu kommen. Der eigentliche Nutzer bemerkt dabei meistens gar nicht, dass er sich in den Fängen des Hackers befindet. Wenn er es merkt, ist der Schaden aber schon angerichtet und meist nur mit Hilfe von anderen Fachleuten ist es möglich, den Schadcode/Virus zu entfernen oder aber die Kommunikationsschnittstelle zu blockieren um weiteren Schaden abzuwenden. Und selbst diese Fachleute haben da dann ganz schön zu kämpfen.

Vergleichbar ist es wenn organisierte Banden (welcher Art auch immer) ihre Opfer langfristig an sich binden wollen. Sie installieren quasi unter Verwendung unterschiedlichster Methoden im Opfer einen Code, der dafür sorgt, dass diese Hörigkeit aufrecht erhalten bleibt. Dieser Code bringt bei Aktivierung quasi den gesamten Ablauf in Gang, den diese Täter geplant haben. Die inneren Abläufe sind dabei oftmals sehr komplex ineinander verschachtelt um auch im Falle der Entdeckung das gewünschte Ziel zu erreichen. Das Opfer ist sich auch hier erstmal nicht dieser Mechanismen bewusst, sondern versteht dies meist erst in Therapien durch die Hilfe von Außen. Der Schaden an sich ist dann schon lange angerichtet und es kann nur versucht werden in Zukunft entweder die Automatismen an der Ausführung zu hindern oder aber in einen ungefährlichen Bereich umzuleiten. Und auch hier ist es nicht einfach für die therapeutischen Fachleute, diese Arbeit abzuschließen.

Natürlich hat nicht jede organisierte Bande solche 'Fachleute' in ihren Reihen – genauso, wie nicht jede Computerfirma automatisch auch einen Hacker beschäftigen muss. Doch je professioneller, organisierter die Täter sind, umso eher greifen sie wohl auch auf solche Techniken zurück.

Edit 19.12.2018: Weitere Begriffe, die in diesem Zusammenhang genannt werden sind 'verschachtelte Programmstrukturen' oder Inszenierungen bei denen sich verschiedene Programme selbständig gegenseitig aufrufen und dabei sehr flexibel in ihren Abläufen sind. (Auch hier dank an Vergissmeinnicht.)


Kann der Betroffene nun unterscheiden, ob es sich bei seinen Abläufen um um einen 'zufällig' entstandenen Automatismus, eine (gewollte) Konditionierung oder eine komplexe Programmierung handelt?

Auf den ersten Blick wird es für das Opfer wohl immer extrem schwer sein, gegen die Abläufe anzugehen und genauer hin zu schauen ist noch eine Stufe schwieriger. Ich weiß nicht, wie es bei echten Programmierungen aussieht – das ist an unsereins & me zum Glück vorbei gegangen. Gezielte Konditionierungen und 'zufällige' Automatismen dagegen sind hier sehr gut bekannt.

Für unsereins & me war es wesentlich schwerer gegen die Konditionierungen anzugehen – verglichen mit den Automatismen.

Die Automatismen machten sich hier immer wieder mal bemerkbar, d.h. ich merkte, dass da 'etwas im Busch war' und fühlte, dass ich dagegen etwas unternehmen kann. Es dauerte aber einige Zeit, bis ich durch die Therapien gelernt hatte, was ich tun kann. Letztlich führte es dazu, dass diese Automatismen wesentlich seltener starten.

Bei den Konditionierungen war es anders. Sie überfielen unsereins & me regelrecht. Ich bekam es nicht mit – nur die Auswirkungen im Nachgang waren hier offensichtlich. Umso schwerer war es, eine Aufmerksamkeit zu entwickeln, die vor dem Ablauf der Konditionierung als Alarmsignal funktionieren konnte. Und erst nachdem das erreicht war, konnte daran gearbeitet werden, einen Weg zu finden eine gestartete Konditionierung zu unterbrechen, bevor ein Schaden angerichtet wird. Ja, die Konditionierung startet immer noch und ich muss dann gezielt gegen steuern um aus der Konditionierung heraus zu kommen.

Bei unsereins & me ist es also so:

  • Automatismen können vor dem Start erkannt und gestoppt werden.
  • Konditionierungen können (mittlerweile) vor dem Start erkannt werden, starten dennoch und können erst dann unterbrochen werden.

Wenn unsereins & me diesen Gedanken weiter führt, nimmt unsereins & me an, dass eine Programmierung wesentlich schwieriger zu handeln ist.

Möglicherweise ist es bei Programmierungen dann so, dass man in der Therapie lernen kann, diese vor (oder erst nach) dem Start zu erkennen, eine Umleitung vorzunehmen, aus der das Programm aber selbstständig versucht weiter Richtung seines eigentlichen Ziels heraus zu finden, man als Betroffener eine weitere Umleitung vornehmen muss und sich diese Abläufe mehrfach abwechseln, bis man das Programm entweder ganz umleiten oder auch vollständig unterbrechen kann.

Wenn unsereins & me es aber richtig verstanden hat, ist es so, dass bei allen drei 'Varianten' – Automatismus, Konditionierung und Programmierung – sogar eine Abschaltung der 'Startmechanismen' (Trigger) möglich ist. Da dies aber hier bisher nur bei einigen Automatismen erreicht wurde, kann unsereins & me nichts dazu aussagen ob wirklich alle Trigger 'deaktiviert' werden können. Ich glaube aber, dass die wirklich von der Anzahl sowie Stärke der Trigger (und bei Programmen von deren Komplexität) abhändig ist.


Egal was für eine 'Sorte' Täter die Übergriffe begeht. Und ob es nun eine absichtliche Programmierung ist, eine Konditionierung oder ein 'in Kauf genommener' Automatismus: Es ist immer zum Schaden für das Opfer und es ist für jedes dieser Opfer unsäglich schwer, damit einen Umgang zu finden oder gar aus den daraus entstehenden Abläufen heraus zu kommen. Es ist also niemand besser dran, weil er ’nur' einen einmaligen Übergriff eines unorganisierten Einzeltäter überlebt hat. Jeder einzelne Betroffene hat einen harten Kampf zu führen. Dabei ist es auch in erster Linie nicht entscheidend, ob die Übergriffe emotionaler/psychischer oder körperlich/sexueller Art waren. Niemand steht hier in einem Wettstreit, wer nun das schlimmere oder leichtere 'Los' gezogen hat.

Jedes Opfer ist ein Opfer!


Wie ich schon oben schrieb, würde sich unsereins & me freuen, wenn es zu diesem Beitrag viele Rückmeldung über das eigene Verständnis und/oder Informationen aus Fachliteratur dazu gibt.

Weitere Beiträge aus der Kategorie

Therapie

«

»

  1. D

    Drachenkinder

    Uff…. danke für den Artikel.
    Wir würden euch mal versuchen ne Mail zu schreiben… grade kriegen wir das noch nicht in Worte.

    Alles Liebe
    Drachenkinder

  2. A

    Danke für diesen Beitrag…. Hier kommt in letzter Zeit auch immer wieder dieses Wort auf den Tisch… PROGRAMMIERUNG…. Und da das alles ziemlich neu ist, haben wir vieles nicht verstanden. Aber mit eurem Vergleich, ergibt es sogar für uns einen Sinn. Nicht das es dadurch besser ist aber verständlicher. Vielen Dank

    • u

      Das freut unsereins & me, dass der Beitrag hilfreich ist. Aber du hast absolut recht: Es ist nicht besser, nur weil es verständlicher ist. Manchmal kann es sogar sein, dass einem besseres Verständnis mehr Sorge bereitet.

  3. M

    Melinas

    Auch danke für diesen Beitrag. Bei uns schwirrt ja auch schon lange so ein Unterscheidungsversuch statt bezügl. unserer Automatismen oder AutomatenInnens.
    Nach Deiner Beschreibung bin ich wohl sowas wie konditioniert, denn genauso geht es mir – nur dass das mit dem stoppen nicht so geht, aber immerhin bemerken wir es nachträglich.

    • u

      Naja, das Stoppen/Abbrechen/Umleiten ist ja egal bei welcher der 'Variationen' etwas, dass man erstmal lernen muss. Und dieses lernen braucht halt Zeit und auch Mut…

  4. V

    Also ich finde die Vergleiche echt gut und verständlich und danke euch für diesen guten Beitrag.

    Ich mag hier etwas aus unserer Sicht und Wissen beisteuern.

    Als erstes aber zu dem letzten Punkt. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zu viel und jeder kämpft üble Kämpfe. Mir geht es auch nicht um Vergleiche des Leids, denn es grundsätzlich schlimm und überwältigend, sonst wäre es nicht traumatisierend. Es ist jedes Mal eine extreme Grenzerfahrung.

    Also, bei uns, aus der jetzigen Sicht und den Infos, ist die Programmierung nicht mit mehreren "Szenen" gleicher Art erledigt, wie es bei der Konditionierung der Fall ist. Die Szenen sind völlig unterschiedlicher Art aber tragen alle dazu bei, dass bestimmte Programme überhaupt angelegt werden können. Sie bauen quasi aufeinander auf. Zuerst muss zum Beispiel erreicht werden, dass man weiß, was sterben ist, um einen dazu zu bringen in dem nächsten Programmschritt um jeden Preis überleben zu wollen… Es ist ne Kette an Ereignissen nötig für ein Programm.

    Nicht jede Gruppe hat richtig gute Spezialisten. Manche machen Fehler. Und diese Fehler sind dann die Stellen wo Therapie überhaupt ne Chance hat und ansetzen kann. Aber ich glaube kaum, dass ne Gruppe ohne richtiges Wissen so etwas erreichen kann… Wobei vielleicht ist das Wissen in manchen Gruppen, die nicht so weltweit agieren, auch nicht ganz so vollkommen wie die Quelle selbst. Sie haben zwar professionelles Wissen, jedoch nicht die Spezialisten mit großer Erfahrung…

    Bei Konditionierung der Einzeltäter ist es im Grunde mehr die Wiederholung bestimmter Szenen, wo das Leid aufhört wenn das Ziel des Täters erreicht ist. Es ist wie das Lernen dieses Hundes aus dem Experiment (weiß den Namen gerade nicht). Und das Gelernte bleibt, auch wenn die Situation ne andere wird…

    Echte Programme gehen eben nicht so einfach. Es ist nicht allein das Training.

    Klar kann auch ein Einzeltäter an Wissen gelangen, doch wird er es ohne der Gruppen Unterstützung nie so umsetzen können. Und zum Zweiten wäre der Aufwand echt heftig und lohnt nicht annähernd für den 'Eigengebrauch'. Richtige Programmierung beginnt bereits im Babyalter und geht weiter mit jeder Entwicklungsstufe des Kindes. Das ist bei Einzeltätern meist nur im Familien-Kontext in dem Umfang machbar, weil man ständig Zugriff auf das Kind braucht und das auch über längere Zeit durch. Auch müssen Eltern entsprechendes Verhalten an den Tag legen, sonst funktionieren viele Dinge am Ende nicht wie gewollt…

    Wer so viel Energie und Zeit da einsetzt, der will da in der Regel richtigen Profit draus machen. Und die Täter brauchen ja nicht nur selber Sicherheit, sondern auch die 'Kunden'. Es geht ja auch bei solchen Programmierungen nicht nur um sexuelle Gewalt. Da geht es noch weiter. Die Opfer müssen als Zeugen völlig unbrauchbar gemacht werden. Sogar als Gehilfen fungieren. Man entmenschlicht sie, lässt sie Dinge machen, die sie niemals tun könnten… So Manches braucht ein Einzeltäter nicht und auch nicht jede Gruppe die sich Profit erhofft. Der Einsatz und die Komplexität ist ja in der Regel am Bedarf orientiert…

    Und da passen eure Beispiele perfekt, um das zu verdeutlichen.

    Ganz liebe Grüße

    • u

      Wie besprochen hat unsereins & me einen Teil direkt mit in den Beitrag eingebaut um Dinge heraus zu stellen, die du mitgeteilt hast und in deinem Kommentar dementsprechend entfernt. Danke dir für deinen Mut und diesen sehr wertvollen Kommentar!

  5. B

    Birke E. von ZEiTENMOSAiK

    Auf Grund meiner Erfahrung in den letzten Tagen, habe ich heute zu diesem Thema nochmal andere Gedanken oder einen weiteren Aspekt… ich versuche mal zu formulieren: Muster, Automatismen, vielleicht auch Konditionierungen sind im Gehirn vorstellbar als Autobahnen oder?!?… erkenne ich sie, dann kann ich beginnen, meine eigene „Fahrt“ auf ihnen zu stoppen und nebenher einen Trampelpfad anzulegen, der mich durchs Grüne durch andere Gegenden bringt… Autobahnen sind „ERLERNTES“ Verhalten, ich kann mit Entschlusskraft, Willen und Motivation, wenn ich die Auffahrten erkannt habe, sie wieder „verlernen“ (so ganz klassisch gedacht). Kann mich entscheiden, einen neuen Weg zu fahren… (einfacher gesagt, als gedacht…)

    Welche Rolle spielen bei der Entstehung einer Autobahn als traumatisch erlebte Ereignisse?, frage ich mich heute. DAS ist ja ein Unterschied zu „Mustern“ wie sie alle Menschen in irgendwelchen Bereichen irgendwie haben, weil es Prägung ist… Und so gibt es ja auch Konditionierung ohne ein Trauma als Ursprung: Klingelt die Schulglocke, laufen alle Schüler zur Tür und in die Klassenräume. Die Pause ist beendet. Dem kann man sich auch entziehen als Schüler, das wird auch Konsequenzen haben… doch es ist möglich. Oder: Habe ich als Kind immer gebadet, wenn es neue Bettwäsche gab, damit ich sauber war, so ist auch dies möglich zu ändern als Erwachsene…

    Während, wenn neben der Autobahn das Erleben der Todesangst „wohnt“, dann wird sich der Autobahn nicht freiwillig entzogen, weil… da wäre Angst, Angst, Angst. Todesangst… anders als beim Ignorieren der Schulglocke oder „dreckig“ ins frisch bezogene Bett zu steigen…

    Bleibt also die Frage, braucht es „nur“ ein Umlernen, auch wenn der Ausgangspunkt eine traumatisch erlebte Erfahrung war…??? Spielt das beim Umgang mit einem Automatismus bzw. einer Konditionierung eine Rolle, ob es so war oder nicht?… Darüber jedenfalls dachte ich heute nach, bzw. fragte mich das… weil „Muster“ hat jeder Mensch… inwiefern spielt also beim Anlegen neuer Trampelpfade das Damals eine Rolle. Oder nicht? Und oder spielt der Grund für das Bauen der Autobahn auch eine Rolle in den Begriffen, die gewählt werden?

    • u

      Erst einmal DANKE für diese gute Auseinandersetzung mit diesem Thema!

      Ja, das Bild der Autobahnen wird recht häufig verwendet und ist gut übertragbar. Bei einem Punkt ist unsereins & me gerade erst mal gestolpert: "[…]wenn neben der Autobahn das Erleben der Todesangst „wohnt“, dann wird sich der Autobahn nicht freiwillig entzogen, weil… da wäre Angst, Angst, Angst. Todesangst…[…]"

      Die Autobahnen sind quasi die oft genutzten Denk- und daraus resultierenden Verhaltensmuster. Es gibt im Gehirn also nicht nur eine Autobahn sondern viele. Die Ziele der einzelnen Autobahnen sind dabei ganz unterschiedlich. Und es gibt wie in einem Autobahn-Netz viele Abzweigungen auf andere Autobahnen sowie Abfahrten zu kleineren (seltener genutzten) Straßen. Einzelne Autobahnen können dabei sogar ganz direkt zu einem Angsterlebnis hinführen – also beim 'befahren' quasi dafür sorgen, dass man immer wieder die gleichen Handlungen nochmal durchlebt.

      Je öfter eine Straße benutzt wird um so besser wird sie ausgebaut – so kann also aus einem kleinen Trampelpfad im Laufe von Jahren auch eine Autobahn werden. Wir Menschen sind 'gehetzte Gewohnheitstiere'. Alles soll schnell, einfach und auf die selbe Weise ablaufen. Und da Autobahnen a) schnell sind und b) man die Strecke gewöhnt ist werden gewisse Denkmuster also immer mehr gefestigt.

      Generell 'rein sachlich & theoretisch' gesprochen braucht es tatsächlich ’nur' ein Umlernen – egal, ob es nun der Trampelpfad nun durch (freiwillige) Gewöhnung, installierte Automatismen oder festgefahrene Programmierungen zu einer Autobahn ausgebaut wurde.

      Für das Grundprinzip 'Bemerken das was geändert werden muss – einen neuen Weg suchen – den neuen Weg gehen', ist es 'unwichtig' was der eigentliche Grund war.

      Aber tatsächlich wirkt sich die Art der 'Entstehung' der Autobahn darauf aus, wie 'leicht' es ist, einen anderen Weg einzuschlagen – also ein neues Denkmuster zu entwickeln und umzusetzen.

      Eine Autobahn, bei der man von sich aus aus der Gewohnheit heraus fährt, kann man verlassen mit dem Gedanken: 'Oh, jetzt mache ich mal etwas langsamer, ich muss mich nicht hetzen. Da ist eine Abfahrt und dann fahre ich mal über Land an eine ganz andere Stelle…'. Es ist also ’nur' eine bewusste Entscheidung nötig.

      Ein Automatismus ist da wohl eher wie das nervende Navi, dass dir immer wieder sagt: 'Noch 200 km auf der Autobahn bleiben und dem Straßenverlauf folgen.' Jeder Versuch über andere Autobahn zu fahren oder sogar eine Abfahrt zu nehmen wird wieder Kommentiert: "Bitte wenden. Wenden Sie jetzt." Es ist nervig und schwieriger, sich dagegen durch zu setzten und wenn man sich dann noch nicht einmal in der Gegend auskennt, wird man sehr wahrscheinlich dem Navi folge leisten.

      Eine Programmierung wäre dann wie ein Spurassistent, der zusätzlich zum Navi auch noch 'gegensteuert' wenn man die Linie überfahren will. Eine heftige Programmierung wird es wohl nicht bei der Anweisung durch das Navi lassen, sondern zudem noch Straßen als gesperrt oder nicht geeignet markieren. Straßenschilder, die sonst als Orientierung dienen könnten, werden zusätzlich noch verkehrt aufgestellt. Eventuell geht es sogar so weit, dass man in einem (scheinbar) autonomen Fahrzeug sitzt und nicht beeinflussen kann, überhaupt von der Autobahn herunter zu fahren. Tatsächlich gibt es aber bei jedem autonomen Fahrzeug Möglichkeiten in die Steuerung einzugreifen. Nur sind die halt bei jedem Automodell anders und müssen herausgefunden werden…

      Egal was nun der Grund war… es ist Stress und Arbeit… und ganz viel Umgewöhnung ist nötig…

    • V

      @Birke ich will mal kurz auf diese Frage eingehen: "Welche Rolle spielen bei der Entstehung einer Autobahn als traumatisch erlebte Ereignisse?"

      Normal gelerntes bzw konditioniertes befindet sich im Bewusstsein. Traumatisches hingegen ist im Unterbewusstsein und damit nicht direkt steuerbar. Es wird als unverarbeitete Daten fragmentiert 1zu1 abgelegt, so dass es in erneuter Gefahr automatisch benutzt wird um zu überleben. Es ist als pure Information ohne Bewertung gespeichert, um ohne überlegen zu müssen abgerufen zu werden ähnlich wie bei Instinkt man unbewusst und unverzüglich die Augen verschließt oder die Hand vors Gesicht schnellt, wenn man unbewusst gemerkt hat, dass ein Ast einen entgegen schießt.
      Klar könnt man das verhindern bewußt, wenn man schnell genug wäre, aber wer ist denn so schnell? Gedanken, die handeln zu Folge haben, sind da langsamer.
      Und Trauma wird so ähnlich gespeichert, dissotziert im unbewussten. Und durch viele Wiederholungen verselbständigt und personalisiert sich dieses Unbewusste sogar. Deswegen reagiert man sofort auf Trigger und kann im ersten Moment so gar nichts gegen Gedanken, Gefühle und Verhalten tun. Aber man kann es ja therapeutisch angehen und abschwächen.

      Ob das im Gehirn trotzdem als Autobahnen angelegt ist weiß ich nicht. In echt ist damit ja die Verbindung zwischen Neuronen gemeint. Und da kann ich nicht sagen ob dies im Amygdala auch so läuft wie im Hippocampus wo die Verbindungsketten normalerweise entstehen.
      Na ja, Theorie halt und Wissenschaft… Bla bla…
      Wollte nur sagen es ist ein wesentlicher Unterschied zu normal gelernten un im bewussten Zustand konditionierten.

    • u

      Dein Kommentar ist laut dem Verständnis hier auch absolut richtig, Vergissmeinnicht. Es sind sich die meisten Wissenschaftler wohl einig, dass die Verbindungen in jedem Gehirnbereich ähnlich funktionieren. Aber je nachdem wo sie gespeichert sind, sind die Verbindungen wesentlich stabiler…oder im Sinn der Autobahn noch eingefahrener.

    • B

      @unsereins&me. Falls die Irritation war, dass ich nur von EINER Autobahn sprach: Ich meinte eine Autobahn pro Thema… stimme also voll zu, wenn ihr schreibt: "Es gibt im Gehirn also nicht nur eine Autobahn sondern viele. "…
      Und eure Vergleiche mit dem nervenden Navi "bitte wenden" finde ich suuuper… so scheint es doch oft. Man WEIẞ um einen neuen Weg, man hat Kenntnisse und doch ruft es: "Bitte wenden"… Danke für diese Ausführungen…

    • B

      Birke E. von ZEiTENMOSAiK

      @vergissmeinnicht. Danke für deine Ausführungen… Stimme dem voll zu, nur bei "Aber man kann es ja therapeutisch angehen und abschwächen." habe ich bisschen Widerstand. Ja, sicherlich kann man das in der Therapie angehen und sollte man auch, doch ich glaube nicht nur in der Therapie. Das will ich nicht glauben. Es macht mich so abhängig von einer Therapeutin. So dass ich zwar glaube, dass man Trigger nicht verhindern kann und das sich anschließende "Losfahren", doch ich hoffe, dass ich immer schneller wahrnehme, wenn das Auto losgerollt ist, nicht erst, wenn es auf der Autobahn schon 100km gefahren ist. Sondern vielleicht schon nach 20km, und irgendwann auch nach 300Metern und dann SOFORT reagieren kann, Zugang habe zu meinem "Auto"-matismus, den Innens, die am Steuer sitzen… Stelle es mir grad so vor, als ob ich in der Therapie das Bedienen lernen, Anfahren am Berg, an der Ampel, aus der Garage… jedes Innen hat so seine "Umgebung"… doch hineinsetzen und mich schon mal vertraut machen, wenn das Auto grad nicht fährt… also wie ich es grad nenne: "Reden ins Blaue hinein" zu Innens, von denen ich annehme, dass sie da sind, das kann ich auch außerhalb der Therapie… sozusagen aus dem stehenden Auto hinausschauen in deren Umgebung: Garage, an der Ampel, am Berg… tja… was erhoffe ich mir dann eigentlich von Therapie?… dass ich dort erstmal die Begriffe lerne: Garage, Ampel, Berg… den Kontext wahrnehmen kann, wo das Auto grad steht?!?… macht Spaß hier bisschen metaphorisch zu denken :-) sorry fürs bisschen lange Denken.

      • L

        Lily

        Hallo Birke,

        ja ich bin auch davon überzeugt, das man das auch ohne Therapeuten schaffen kann!

        Das ist ja genau das, was Täter wollen.
        Man soll sich ohnmächtig und unfähig fühlen, nicht Empowerment (Selbstermächtigung, sich selbst als Profi sehen) an sich selbst betreiben.

        Es gibt ein gutes Buch, ich finde es macht da viel Mut:

        Allison Miller: Werde, wer du wirklich bist

        Ich WEIß auch sicher, das es geht, das man im Kopf gegen an gehen kann, widerspenstig werden kann.

        Das man anfängt da raus zu kommen, ,,auszusteigen“ ist eigentlich immer erst mal die ganz persönliche eigene Entscheidung innen.

        Irgendwo tief in einem drin fängt es an.

        Und dann fängt man an gegen an zu kämpfen.

        Und die Täter wollen möglichst perfekt wirken aber sie sind es nicht.

        A. von Lily und Co

  6. M

    Melinas

    Ihr alle: find ich alles sehr einleuchtend! Und bei mir ist das so, dass ich auch hoffe, dass ich die "Auto-Bahnen" immer schneller merke und nicht erst wenn alles unaufhaltsam rollt.

  7. M

    Ich finde gerade komisch, dass wir bei dem Absatz geswitcht sind:
    "Ein Einzeltäter, der sein Opfer auch an sich binden will, wird möglicherweise auch auf 'vorgefertigte', allgemein bekannte Druckmittel zurückgreifen und damit das Opfer gefangen halten. Das können durchaus Aussagen sein wie: "Du bist dafür da, dass du…" oder "Wenn du nicht wieder machst was ich will, dann…" Es handelt sich also z.B. um wiederkehrende Gewaltandrohungen mit denen er seine eigene körperliche Überlegenheit ausspielt oder Manipulieren dadurch, dass der Täter die Abhängigkeit des Opfers ausnutzt. "

    … während wir das Gelesen haben, kam plötzlich eine Erinnerung an die Geschichte von Bucay und dem angeketteten Elefanten, der eigentlich nur an einem kleinen Holzpflock in der Erde angekettet ist und er ja eigentlich groß und stark genug wäre, mit einem einfachen Schritt diesen Pflock aus dem Boden zu lösen und sich zu befreien, aber weil er als Baby da angekettet war und noch zu schwach war und es 1000x versucht hat und gescheitert ist, hat er es nie wieder versucht und glaubt heute noch als ausgewachsener Elefant, dass er nie von diesem Pflock loskommen wird.

    Und dann sind wir geswitcht und ich sehe eigentlich NULL Zusammenhang zu dem Absatz und der Geschichte von Bucay… (und kann den Eintrag nochmal von vorne anfangen zu lesen, weil ich nicht mehr weiß, was wir vorher gelesen haben… ^^)… nervig…

    • u

      Die Geschichte mit dem Elefanten ist mir bekannt und in einer gewissen Weise ist sie wohl auch auf Opfer übertragbar, die sich nicht aus den Fängen der Täter befreien, obwohl sie selbst mittlerweile erwachsen und körperlich überlegen wären.

  8. H

    Ein super Beitrag und auch tolle Kommentare! Ich finde es immer total hilfreich in Bilder zu sprechen und damit Dinge, die so schwer in Worte zu fassen sind, zu beschreiben. Mache ich selbst auch sehr gerne. Bilder reichen irgendwie tiefer als Worte und das Schöne ist, dass sie manchmal auch schon Lösungen anbieten. Also, vielen Dank für eure Kreativität!

    • u

      Das ist so wahr, Himmelsstürmer! (Sinn-)Bilder oder Vergleiche sind so hilfreich. Ich bin auch sehr froh, dass die Leser sich hier immer wieder so gut einbringen. Ganz oft haben die Kommentare dazu geführt, dass ich auch für mich neues erarbeiten konnte.

Schreibe eine Antwort

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung gemäß DSGVO (Pflichtfeld)

Theme von Anders Norén