Therapie

Lohnt sich Therapie?

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In den Kommentaren zu dem Beitrag Leben mit Punkten stellte Vergissmeinnicht einige wirklich gute Fragen. Ich möchte da gerne drauf eingehen und die Fragen hier in einem eigenen Beitrag herausstellen. Ich finde nämlich, dass sie nicht untergehen dürfen ☺

unsereins & me hat nun viele Jahre Therapie hinter sich (und ist weiter dabei) und es hat sich einiges massiv verändert in der Wahrnehmung meines Selbst. Ja, Therapie ist extrem harte, kräftezehrende Arbeit und daher ist die Frage danach, ob der Aufwand sich lohnt wirklich berechtigt. Ich bin so frei und sortiere die Fragen von Vergissmeinnicht ein wenig.

Kannst du bitte sagen, wie viel durch dieses Zusammenwachsen für dich besser wurde?

Oh, das ist Einiges! In der Anfangsphase, bevor es zu Fusionen kam, aber schon besser kommuniziert wurde, da wurde es einfacher Dinge im Außen realistischer einzuordnen. Es wurde weniger in Panik geraten und das Vertrauen zueinander wurde größer. Dadurch wurden die Stimmen ruhiger und geordneter. Danach kam irgendwann der Punkt, wo Einzelne sich nicht mehr unbedingt in den Vordergrund drängen wollten. Stück für Stück gingen Selbstverletzungen und Übergriffe gegen den Körper zurück. Die Zeitlücken wurden gefühlt aber erst einmal mehr, bevor sie nach einiger Zeit abnahmen. Alles was besser wurde aufzuführen ist kaum möglich – zumindest im Moment noch nicht – dafür werde ich eine noch längere Zeit mit dieser für mich neuen Art zu Denken und zu Leben Erfahrungen sammeln müssen.

Auch wenn ich weiß, dass ich wohl irgendwann vor den Traumata schon einmal in etwa so eine Art zu Denken und zu Leben hatte, ist daran keine Erinnerung vorhanden. Also muss ich neue Erfahrungen damit sammeln ☺

Gibt es keine weiteren Stimmen mehr, keine Zeitverluste und herrscht Einigkeit?

UPDATE 23.01.2019: Die Antwort auf diese Frage wurde komplett überarbeitet, da ich nun auch emotional verstanden habe, dass Ich mit allen Facetten und Fähigkeiten ich bin.

Manche Persönlichkeitsmerkmale hatte ich tatsächlich eine Zeit lang wie aus mir entfernt und so wurde überhaupt die Nähe möglich. Mittlerweile habe ich verstanden, dass all diese Bestandteile von mir sind. Ich bin ich mit all den kleinen und großen Teilen, die mich ausmachen. Viele verschiedene Fusionen, die zu einem neuen, gefühlten Ganzen führten. So viel Nähe, so viel Annehmen und dennoch entscheiden, gewisse Persönlichkeitsmerkmale nicht mehr zu verwenden. Vieles ist in meinem Innen, dass nicht mehr nach Außen scheint. Zwei mir sehr wichtige Fähigkeiten, die aus ehemals abgespaltene Persönlichkeiten stammen, konnte ich mir im Besonderen zu Eigen gemacht um Gefahren schnell erkennen und bei Bedarf sachlich reagieren zu können.

Es sind keine Stimmen mehr da. Aber ich bin mir nicht immer mit mir selbst einig. Es kann sein, dass ich mir mit meiner hoffenden Art und Weise, meiner inneren Alarmanlage (als vormals abgespaltene Persönlichkeit von mir Kribalg genannt) und meinem sachlich-analytischen Datenbankfuzzi (als vormals abgespaltene Persönlichkeit von mir bugi genannt) bei der Beurteilung einer Sache oder Situation uneinig bin.

Kribalg war niemand der groß im Innen was sagte und im Außen war er auch nur selten aktiv. Kribalg brüllte im Innen kurz und laut, wenn etwas eine Gefahr darstellte. Dabei war er im Regelfall sehr genau in seiner Wahrnehmung. Diese Fähigkeit konnte ich mir sehr gut zu Eigen machen, nachdem ich bereit war zuerst seine Persönlichkeitsmerkmale als meine anzunehmen. Ich habe nun eine gute, funktionierende Alarmanlage!

bugi hatte immer wieder im Innen Informationen beizutragen – diese Stimme in mir war lange sehr klar erhalten. Und wenn ich jetzt auf die Sachlichkeit, die ich von bugi übernommen habe umschalte, dann bekomme ich in diesem Moment nicht alles mit. Es ist dann eben meine Sachlichkeit ganz präsent. Die Hoffnung, die Alarmanlage und andere im Emotionen und Fähigkeiten sind dann sehr weit herunter gefahren. Ich kann jetzt selbst unter starken Belastungen sehr sachlich sein!

Ich dissoziiere durchaus noch. Ich würde sagen 90% des Alltags bekomme mittlerweile mit, in 5% erlebe ich mich beobachtend, wie ich z.B. am PC programmiere oder andere Dinge unbewusst bzw. wie automatisiert durchführe. Und in 5% bekomme ich nichts mit. Es gibt Punkte, wo die letztgenannten 5% das besonders schnell auftreten. Z.B. als Beifahrer oder bei anderen schnellen Augenreizen. Wenn ich dieses Dissoziieren verhindern will, muss ich mich wirklich anstrengen. Es ist ein fokussieren und eine sehr hohe Achtsamkeit notwendig.

Wenn ich diese Achtsamkeit nicht aufrecht erhalten kann – ich versuche das aber nicht krampfhaft in den erwähnten Situationen – kann ich mir die Informationen über das, was in der Zwischenzeit geschehen ist, im Nachgang abrufen oder herleiten. Es entsteht also keine echte Zeitlücke mehr. Ich nenne es verschobene Zeitwahrnehmung.

Und Vergesslichkeit in einem wie ich finden großen Rahmen ist dennoch gegeben. Bin also kein alles wissender Klugscheißer geworden, als ich bereit war bugi als Persönlichkeit als meine anzunehmen. Auch sind mir nicht alle Fähigkeiten des PC-Bereiches abhanden gekommen. Obwohl ich das im Vorfeld befürchtet hatte. Wenn ich es richtig sehe, sind nur jetzt nicht mehr benötigte Fähigkeiten nicht im Zugriff. Bitteschön, wozu brauche ich die Kenntnis, wie die automatisierte Datenbank zur Erfassung und Aufbereitung von technischen Produktdetails für Vergleiche im Internet funktioniert? Gar nicht mehr, denn ich bin aus diesem Beruf seit Jahren heraus. also alles gut ☺.

Meine sachlich-analytischen Fähigkeiten sind wie auch meine Alarmanlage immer autark aktiv… ich muss nicht daran denken, sie zu aktivieren, auch habe ich da nur einen gewissen Einfluss drauf es zu 'unterbinden'. Dennoch sind sie Teil von mir. So wie ich auch mein Herz nur in einem gewissen Maße beeinflussen kann, was die Geschwindigkeit des Herzschlages angeht. Es arbeitet autark ohne mein dazutun und dennoch empfinde ich es deswegen ja nicht als fremd oder schlimm. Und auch wenn ich nicht jeden Herzschlag mitzähle, kann ich mir ziemlich sicher sein, dass es, wenn ich dann mal mitzählen sollte, in der Zwischenzeit trotzdem geschlagen hat ☺ (Danke an Ionovia für dieses Sprachbild).

Und ein Sprachbild von mir hinterher: Der PC ist eingeschaltet und ich habe einen großen Download gestartet. Der Bildschirm wird schwarz weil ich zu lange inaktiv war. Während dessen läuft der Download weiter. Und wenn ich wieder aktiv werde, die Maus bewege, und sich augenblicklich der Bildschirm anschaltet, dann wird wie erwartet der Download schon weiter fortgeschritten sein. So bin auch ich als 'PC' nicht ausgeschaltet, wenn die Sachlichkeit aktiv ist oder wenn ich dissoziiere. Ich kann meinen 'Download' nicht plötzlich beschleunigen und sehe nicht unbedingt alles, weil der Bildschirm gerade aus ist. Aber wenn der Download abgeschlossen ist, bemerke ich dass durch ein Signal, bewege die Maus wieder aktiv und sehe das Ergebnis. Das alles läuft autark.

Kann ich weniger dissoziieren? Will ich weniger dissoziieren? Keine Ahnung. Ich kenne es nicht anders und ich vermute – da Dissoziationen an sich nichts unnormales sind – dass es in einem gewissen Umfang auch so bleibt.

Gibt es weniger Schmerzen?

Ich habe ja auch einige physische Körperschäden. Ein kaputter Wirbel bereitet nach wie vor die gleichen Schmerzen und hat weiter die gleichen körperlichen Auswirkungen. Leider bedeutet 'Integriert' nicht, dass körperliche Erkrankungen verschwinden. Was sich aber geändert hat, ist der Umgang mit diesen Schmerzen. Früher waren die körperlichen Schmerzen ein starker Trigger, so dass immer wieder mit den erinnerten Schmerzen der Vergangenheit assoziiert wurde und dadurch im Innen Panik ausbrach. "Hilfe, man tut mir wieder was an!" Nun aber ist es klar, dass diese Schmerzen heute nichts mit der Vergangenheit zu tun haben. Sie sind nervend und tun halt weh… aber sie sind nichts was heute traumatisch ist.

Was definitiv weniger geworden ist, sind die Verkrampfungen und Beweglichkeitsausfälle in den Händen und Beinen. Ja, ein Teil davon ist ebenfalls auf den Wirbel zurück zu führen, aber es wurde durch die Dissoziationen immer sehr verstärkt. Diese Verstärkung ist nun nicht mehr so stark gegeben.

Gibt es noch Körper-Erinnerungen oder irgendwelche Flashbacks bzw. Intrusionen?

Nach den ersten Fusionen gab es noch massig Flashbacks und Intrusionen. Ich habe sie sogar viel stärker erlebt – nicht weil sie stärker waren, sondern weil ich sie mehr mitbekommen habe. Und ja, das ein oder andere Mal hätte ich da fast aufgegeben. Im gesamten letzten Jahr haben die Flashbacks und Intrusionen mit jedem weiteren Zusammenschluss immer weiter abgenommen. In den letzten Monaten hatte ich nun keine Flashbacks mehr, Intrusionen gab es letztes Jahr noch weniger stark ausgeprägte. Wenn man Intrusionen als unkontrollierbar wiederkehrende, quälend ins Bewusstsein drängendes Wiedererinnern und Wiedererleben von traumatischen Ereignisse definiert, dann würde ich sagen, hat es auch diese in den letzten Monaten nicht mehr gegeben. Weil die aufkommenden Erinnerungen hier nicht mehr als aktuelle Qual wahrgenommen werden.

Körper-Erinnerungen gibt es im gewissen Grad noch. Wenn ich einen bisherigen Trigger wieder abbekomme, löst es durchaus noch eine Erinnerung aus. Früher ging z.B. sofort der folgende Film los: Uringeruch = es erfolgt ein Übergriff = ich habe körperliche Schmerzen an bestimmten Stellen = ich dissoziiere und bekomme nichts mehr mit. Heute rieche ich z.B. Urin, es löst ein unangenehmes Gefühl aus und ich erkenne dass es aus der Vergangenheit kommt. Daher kann mich im hier und jetzt halten. Ich kann dann entscheiden mich aus der Geruchs-Zone zu bewegen oder sogar dort zu bleiben, wenn es dafür einen relevanten Grund gibt. All das bewirkt im Moment kein Dissoziieren mehr. Es ist ein beobachtendes Wahrnehmen.

Gibt es noch Suizidgedanken?

Suizidgedanken sind schon 'längere' Zeit passee – seit unsereins & me einen Vertrag mit sich selbst abgeschlossen hat, dass ein Suizid für niemanden eine Option ist. Das war zu Zeiten, wo gerade erst die Vernetzung aufgebaut war.

Gibt es noch Depressionen?

Es kommt vor, dass ich mich mit einer Situation eine gewisse Zeit lang überfordert fühle. Hier gibt es durchaus heftige Depressionen, wenn ich mir z.B. Sorgen mache, ob ich das Erreichte aufrecht erhalten kann.

Ich denke sich Sorgen zu machen ist absolut OK. Völlig sorglos durch die Gegend zu laufen wäre auch nicht sinnvoll und würde zu Gefahren und Überlastungen führen.

Allerdings mache ich mich deswegen nicht endlos im Vorfeld verrückt. Ich weiß, dass die dunklen Gedanken nach einer gewissen Zeit vergehen. Dennoch sind diese depressiven Phasen 'unschön' (Ich denke es ist klar, wie ich dieses Wort meine).

Gibt es jetzt keine Probleme mehr?

Hehe, das Thema hatten wir gerade im Shiatsu. 'Problem' – ein Wort, dass ich immer weniger verwende. Wahrscheinlich, weil die Definition von 'Problem' mittlerweile immer mehr in meinem Wissen und Gefühl ankommt.

Ein Problem ist ein Hindernis, das überwunden oder umgangen werden muss, um von einer unbefriedigenden Ausgangssituation in eine zufriedenstellende Zielsituation zu gelangen.

Nach Wikipedia

Und da unsereins & me mittlerweile zu der Ansicht gekommen ist: 'Es ist gut so wie es ist', sind Dinge zwar für einen Moment stressend, belastend und nervend, eine Herausforderung und vielleicht sogar sehr schwierig oder gar nicht durch mich zu lösen. Aber ich empfinde sie nicht mehr als Problem, da ich diese Dinge nicht lösen oder umgehen muss, um zufrieden zu sein.

Die Frage der Thera war: "Ist es ein Problem für dich, dass da noch zwei andere so 'erhalten' sind?" Diese Frage hatte sie schon in der Woche zuvor gestellt und war ein Anreiz um weiter zu Forschen und so das 'Punktebild' zu erarbeiten. In dieser Sitzung war ich nun in der Lage mit einem "Nein" zu antworten. "Tatsächlich ist es so wie es vor einem Jahr war, gut gewesen. Es war so wie es vor einem halben Jahr war auch gut. Und auch jetzt im Moment ist es gut. Und es wird weiterhin gut sein – selbst wenn es sich im Innen in irgendeine andere Richtung entwickelt. Egal ob da sich alles mehr vermischt, ob es 'festgehalten' wird oder irgendwann neues entstehen sollte. Emotional möchte ich das noch besser annehmen können als ich es schon vom Wissen her kann. Aber auch dieser Zustand mit hauptsächlich Wissen ist gut."

Es ist wesentlich mehr Gelassenheit da, die Dinge, die ich nicht ändern kann, für den Moment als gut oder zumindest mit einem gelassenen 'mal sehen wie es sich entwickelt' anzunehmen.

Auch 'forsche' ich weiter, welche Dinge eventuell noch erreichbar sein könnten. Ich glaube, dass jeder Mensch sein 'persönliches Maximum', sein persönliches Maß an 'Vollkommenheit' anstrebt. Nicht im Sinne von 'in verbissener Perfektion darauf hinarbeiten'. Sondern es zu erforschen und voller Freude von all den Varianten und Möglichkeiten im positiven Sinne überwältigt zu sein.

Selbst wenn der jetzige Zustand dabei mein Maß an 'Vollkommenheit' sein sollte, dass ich momentan erreichen kann, heißt es nicht, dass alles starr bleibt. Das Leben und ich persönlich werden kontinuierlich Veränderungen erfahren. Der Gedanke an die ein oder andere Änderung macht zur Zeit noch unsicher – auch wenn das Wissen da ist, dass es 'gut sein wird'. Aber diese Unsicherheit hält mich nicht mehr von Veränderungen ab.

Als Beispiel kann ich hier das Shiatsu anführen. Die Shiatsu-Tante fragte ja Ende letzten Jahres schon einmal, ob ich die Therapie bei ihr noch benötige. In diesem Moment antwortete ich ihr, dass ich sie noch benötige. Ich erklärte im Nachgang nicht wirklich das wieso. Es war nur sehr eindeutig eine: "Brauche ich noch!" mit dem Zusatz, dass ich mir in Zukunft aber andere Konstellationen vorstellen kann. Dieses Thema kam in dieser Woche noch einmal zur Sprache. Nun konnte ich erklären, warum ich noch Schwierigkeiten mit diesem Gedanken habe.

Ich habe zwei Menschen, mit denen ich mich auf dieser besonderen ’spirituellen' Ebene anreichern kann. Den Doktor und die Shiatsu-Tante. Durch die Kommunikation auf dieser Ebene werden z.B. die Sprachbilder für unsereins & me erarbeitet. Diese beiden Personen schauen mit ihrer medizinischen Bildung weit über den normalen Horizont hinaus und haben so quasi meine ganz individuellen Denkweisen gefördert. Mit meiner lieben Frau Ionovia kann ich diese Kommunikation auch führen – oft mals aber erst ab dem Moment, wo so etwas bei mir angestoßen ist. Sie hat nicht den speziellen fach-medizinischen Hintergrund um diese Gedankengänge generell anzustoßen, ist aber voll auf der gleichen spirituellen und emotionalen Ebene wie ich. Manchmal – so wie heute, schafft sie es aber zu meiner Freude mich zu neuen Sprachbildern zu bringen, die mir in der Erforschung meines Selbst helfen.

Ich erklärte der Shiatsu-Tante, dass mir klar ist, dass ich die Fähigkeit zu dieser ’spirituellen Anreicherung' habe, sonst könnte ich nicht solche Gespräche mit ihr führen. Noch ist es aber so, dass das theoretische Wissen und das Emotionale hier nicht verbunden sind. Das führt dazu, dass ich mir diese Sorgen mache. Ich bin für unsereins & me aber offen für Veränderungen – auch für diese. Ich möchte nur gerne meine emotionale Annahme dieses Weges vorbereiten. Sie meinte darauf, dass sie bereits eine Idee habe, wie ich das erreichen kann und da wollen wir dann nächste Woche genauer hinschauen.

Was vermisst du und was freut dich?

Tatsächlich ist es extrem ungewohnt und schwierig mit so viel akustischer Ruhe im Kopf klar zu kommen. Ich vermisse die ein oder andere Kommunikation mit Unterstützern im Innen und es ist mehr als nur ungewohnt, Dinge nun mit mir selbst 'auszudiskutieren' – also eigentlich keine Diskussionen, sondern Monologe führen, ist nun angesagt (und Monologe sind a. extrem ungewohnt und b. langweilig).

Auch ist es sehr 'bizarr', dass gewisse Emotionen und Verhaltensweisen in mir so stark ausgeprägt sind. Früher habe ich viele dieser Emotionen nicht als Teil von mir wahrgenommen und jede Emotion, die ich dazu lernte war zwar eine Bereicherung aber auch erstmal eine Belastung. Gerade die kindlichen Emotionen und Verhaltensweisen sind da zu nennen.

Ich 'vermisse' gewisse Fähigkeiten, die ich (noch) nicht wieder integrieren konnte (bei der ein oder anderen Fähigkeit ist es nicht so tragisch, dass sie nicht verfügbar ist, bei anderen ist es schon schade). Da ist die Kunst, Sprachen, Musikalität… da ist sehr viel Distanz zu den früheren Fertigkeiten und den emotionalen Aspekten gegeben. Das ist aber nun nicht ein Vermissen, dass mich in Verzweifelung stürzt. Eher so, wie wenn ich einen guten Freund längere Zeit nicht gesehen habe, aber weiß, dass ich ihn in der Zukunft wieder sehen werde. Ich vermisse ihn, freue mich daran, dass wir in der Vergangenheit eine schöne Zeit haben und freue mich darauf ich möglicherweise in der nächsten Zeit wieder zu sehen.

Da ich mittlerweile verstanden habe, dass die Fähigkeiten nicht weg sind, sondern ich nur gerade keinen Zugriff darauf habe, ist mir klar, dass diese Fähigkeiten ebenso wie die abgespaltenen Persönlichkeiten wieder integriert werden könnten, wenn es denn dann hier so erarbeitet werden möchte. Damit ist auch dieser Punkt nun in dem Bereich: "Es ist gut wie es ist und es ist gut wie es kommen wird."

Ich freue mich darüber, dass ich mich in ungeahnt freier Form im Außen bewegen kann ohne von Ängsten gefangen zu sein. Und auch dass sowohl die sexuellen Horrorszenarien in den Flashbacks als auch die Selbstverletzungen vergangen sind. Und ich freue mich öfter einfach an der Freude – genauer gesagt an meinen Emotionen im Allgemeinen.

Hat der Kampf sich gelohnt?

Ja. Ganz klar. Mein persönliches Resümee ist da eindeutig. Und das ist absolut unabhängig davon, dass ich noch weiter Therapie nutze, wie ich mich weiter entwickele oder welche Dinge in Zukunft geschehen könnten. Ich brauche keine 'Glaskugel' die mir alles ganz gewiss anzeigt um zufrieden zu sein.

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  1. B

    Hallo unsereins & me, würdet ihr sagen, dass mehr Integration auch mehr Kraft bedeutet? Also, dass die Trennungen/Spaltungen Kraft ziehen? Oder sparen sie auch in gewissen Zeiten Kraft, in denen Erinnerungen/Gefühle sonst unaushaltbar wären? LG, Bettina

    • u

      Danke dir für diese Nachfragen!

      Es ist tatsächlich beides. Eine gewisse Zeit lang sind Dissoziationen und das Abspalten eine Möglichkeit auf Kraftreserven zurück zu greifen. Aber sie schaffen dabei keine neue Kraft. Aber wenn die Dissoziationen am laufenden Band statt finden und man kaum noch etwas im Alltag machen kann ohne das letzte Quentchen Kraft aus den Akkus zu saugen, dann merkt man diesen Raubbau deutlich. Zumindest ging mir das so. unsereins & me hat jetzt eine bessere Krafteinteilung, so dass der Akku auch mal wieder aufgeladen und dann sinnvoll geleert werden kann.

  2. V

    Vielen lieben Dank für die Antworten.

    Jemand drin sagt, die sind aber so sachlich und wenig emotional. Weshalb sie es nicht als überzeugend empfindet… Nun ja, keine Ahnung ob sie recht hat oder dies nur wieder eine Art Gegenargument darstellen soll, um diesen schweren Weg auszuweichen. Hier will man gerade gern Pause einlegen in der Therapie – mal wieder, wäre also das Naheliegendste…

    Vielleicht muss ich das noch einmal zu nem anderen Zeitpunkt lesen, damit das richtig bei mir/uns ankommt. Theoretisch sehe ich ja, es hat sich gelohnt für dich /euch. Praktisch will es nicht ankommen, fühlt sich leer an. Was sicher nicht an dem liegt was du geschrieben hast, sondern an uns, denke ich.

    Aber vielleicht magst du ja auch noch kurz auf Gefühle eingehen. Glücklich? Zufrieden? Frei? Das Leben genießend? Sinnvoll? Kannst du zum Beispiel dich so wirklich freuen, ohne dass es sich wie ne Maske anfühlt oder ein "Theater Spiel" und auch bei dir ankommt und bleibt? Oder wie ist das mit dem Gefühl von anderen Menschen abgeschnitten zu sein, hattest du es früher und ist das jetzt anders? Also solche Sachen halt. Und danke dir hier für im Voraus. ❤️

    Ganz liebe Grüße

    • u

      Ja, bis zu einem gewissen Grad ist es natürlich wesentlich sachlicher, als zu der Zeit wo die Emotionen der Traumata das Leben bestimmt haben. Aber ehrlich gesagt sind diese extremen Emotionen wie 'unkontrollierbare' Angst, Wut, Hass, Selbstzweifel usw. nichts, was unsereins & me als erstrebenswert empfindet. Ein Text kann leider nur bis zu einem gewissen Grad Emotionen vermitteln – nämlich nur in dem Maße, wie der Leser das für sich annehmen möchte.

      Wenn zwei Leute einen Liebesromane lesen, wird die eine möglicherweise vor Rührung und Liebe regelrecht dahin schmelzen und der Andere wird sagen, dass es sich um kitschige Literatur handelt. Dafür wird derjenige eventuell von einem Thriller emotional wesentlich mehr berührt. Oder bei religiöser Literatur, die bei dem Einen Hoffnung und Wärme aufkommen lässt, die andere aber völlig kalt und zweifelnd zurück lässt.

      Auf deine Fragen gehe ich gerne ein :)

      Bin ich Glücklich und Zufrieden?

      Klar gibt es auch Momente wo das nicht der Fall ist. Aber ich glaube, es gibt niemanden, der immer wie ein Strahlemännchen dauerglücklich durch die Gegend rennt. Wenn ich Schmerzen habe, macht mich das nicht glücklich. Aber in einem wesentlich größeren Maße als früher bin ich glücklich und vor Allem sehr viel häufiger zufrieden mit dem Sein.
      ___________

      Bin ich frei?

      Kommt drauf an was du mit Frei meinst. Frei von Fehlern oder Problemen? Nein! Frei von Belastungen des Alltags? Nein! Frei von Flashbacks? Ja! Frei von den Einschränkungen mich wo auch immer hin begeben zu können ohne durch die Trigger umgeworfen zu werden? Ja! Ob das so bleibt? Keine Ahnung ☺
      ___________

      Genieße ich das Leben?

      Wann immer es möglich ist. Wenn ich gerade massive Schmerzen habe, genieße ich es weniger, als wenn ich schmerzfrei bin. Ich genieße es mehr wenn ich in der wärmenden Sonne sitze, als wenn ich frierend im nass-kalten Regen stehe…
      ___________

      Sinnvoll?

      Was meinst du mit Sinnvoll? Ob ich mich sinnvoll verhalte? In meinen Augen tut unsereins & me das wann immer nötig und wann möglich wird sich auch albern, witzig, emotional oder anders verhalten – das was gerade die gefühlte Emotion ist. Und ich tue sicher noch genug sinnlose Dinge ☺
      ___________

      Kannst du zum Beispiel dich so wirklich freuen, ohne dass es sich wie ne Maske anfühlt oder ein "Theater Spiel" und auch bei dir ankommt und bleibt?

      Ja, Freude ist hier nichts aufgesetztes mehr. Wenn ich mich freue, freue ich mich. Wenn ich mich nicht freue, dann nicht…
      ___________

      Oder wie ist das mit dem Gefühl von anderen Menschen abgeschnitten zu sein, hattest du es früher und ist das jetzt anders?

      Ich weiß nicht genau, was du mit abgeschnitten meinst. Eventuell habe ich dafür ein anderes Wort. Ich kann mich sehr wohl von andere getrennt halten oder distanzieren. Aber ich kann auch die empatische Nähe zulassen. Oder aber sachliche Distanz. Oder aber emotionale Nähe. Oder, oder, oder… Noch lerne ich all diese Dinge, denn früher habe ich diese nie kontrolliert ’nutzen' können.

      • M

        Melinas

        Mir geht es da ähnlich wie Vergißmeinnicht – irgendwie erscheint mir alles Beschriebene ein wenig "nüchtern". Und ich finde nicht, dass man "Emotionale Inhalte" nicht auch im Text rüberbringen kann. Nun, ich kann das glaube ich schon und bei vielen in den Blogs von Betroffenen begegnet mir das auch oft, dass ich die Texte sehr gut "fühlen" kann. Aber nicht jeder kann das vielleicht. Du weißt, wir hatten schon öfter mal das Thema…;)

  3. I

    Ich bin wirklich mehr als stolz auf dich, auf das was du geleistet hast in den letzten Jahren, besonders im letzten Jahr. Und ich merke auch sehr deutlich die Veränderungen, die es mit sich gebracht hat.

    Auch wenn du weiter sehr viel 'Arbeit' hast, bist du mehr im Alltag angekommen als noch vor einem Jahr. Auch ist es für mich einfacher, da ich nun nicht mehr raten muss, wer denn gerade da ist, das war schon manchmal nicht so ganz leicht herauszufinden. Da half dann nur, ganz gezielt nach 'dir' zu fragen. Das fällt jetzt weg.

    Ich liebe dich so wie du bist, das habe ich immer getan.

  4. B

    Birke E. von ZEiTENMOSAiK

    Ich hoffe erst einmal, dass durch Therapie die Flashbacks/Intrusionen weniger werden… ein "Wir"-Leben ist das eine… ständig "geflutet" und emotional im Damals "hängen", empfinde ich nochmal kraftaufwendiger und sehr einschränkend im Alltag

  5. B

    Birke E. von ZEiTENMOSAiK

    Kannst du, darf auch allgemein sein, oder beispielhaft, nochmal was schreiben zu: "Früher waren die körperlichen Schmerzen ein starker Trigger, so dass immer wieder mit den erinnerten Schmerzen der Vergangenheit assoziiert wurde und dadurch im Innen Panik ausbrach. "Hilfe, man tut mir wieder was an!" … Hier in diesen Tagen auch Mal wieder seeeeehr deutlich, dass körperliche Schmerzen Ängste auslösen… Danke dass du es "Trigger" nennst… Konntest du für dich eine damalige Situation ausmachen, die getriggert wurde? Also hast du zu dem Thema "körperliche Schmerzen als Trigger" irgendwann sehr bewusst gearbeitet oder ist es immer "nur" eine Vermutung gewesen bis heute, dass körperliche Schmerzen eine Erinnerung an: "Hilfe, man tut mir gleich wieder etwas an" sind?? Ich frage mich halt auch wieso körperliche Sachen sooo schnell soooo instabil machen…

    • u

      Ich konnte die Situation(en) im Laufe der Therapien genau angehen.

      Wieso körperliche Trigger so extrem instabil machen? Naja, ich denke, dass das ganz logisch ist. Es ist dann ja nicht nur der Erinnerung und die damit verbundene Emotion wieder ganz aktiv da, sondern zeitgleich auch noch der körperliche, tatsächlich vorhandene Schmerz (oder andere Körper-Symptome wie Atemnot o.a.).

      Beispiel eines Triggers:

      In einem Raum ist es dunkel – Dunkelheit ist bei einer Tat vorhanden gewesen – die aktuelle Dunkelheit erinnert an die Tat – die entsprechenden Emotionen laufen Amok.

      Ich habe Schmerzen im Bauch – es gab Schmerzen im Bauch bei einer Tat – die aktuellen Schmerzen sind wie in der Tat und lassen nicht nur die Emotionen Amok laufen, sondern bestätigen die Emotionen ja darin, dass gerade das gleiche wie damals geschieht – eine Verstärkung der emotionalen Reaktion ist die Folge.

      • B

        Birke E. von ZEiTENMOSAiK

        Danke… ja, im Moment ja Schmerzen in den Oberschenkeln und wackelige Beine, überanstrengt… das ist die HÖLLE… und doch einem Damals wahrscheinlich sehr nah, auch wenn ich das Damals nicht kenne…

      • u

        Wenn du magst, fühle dich verständnisvoll in die Arme genommen.

  6. M

    Mii

    Aaalso, als erstes, bevor ich die Frage vergesse, gleich notiert: Was sind Fusionen?

    Auch hier, bevor ich weiterlese: *Da ich mittlerweile verstanden habe, dass die Fähigkeiten nicht weg sind, sondern ich nur gerade keinen Zugriff darauf habe, ist mir klar, dass diese Fähigkeiten ebenso wie die abgespaltenen Persönlichkeiten wieder integriert werden könnten, wenn es denn dann hier so erarbeitet werden möchte. Damit ist auch dieser Punkt nun in dem Bereich: "Es ist gut wie es ist und es ist gut wie es kommen wird."*
    Da kam mir plötzlich ein gaaaanz komischer Gedanke.

    Also rein physisch gesehen hat man ja nur ein Gehirn. Aber es ist ja wiederlegt, dass ein DIS-Gehirn je nach Anteil ganz anders arbeitet oder entwickelt ist … Wenn es also so zum Integrieren kommt (habe ich jetzt im Laufe des Textes verstanden, dass Fusion = Integrieren??), kann es dann nicht passieren, dass das körperliche EINS-Gehirn zu so einer Art "Systemabsturz" kommt, weil ein EIN Gehirn diese ganzen unterschiedlichen Entwicklungen, Fähigkeiten, Verknüpfungen – wie auch immer – von den "richtig" abgespaltenen Anteilen nicht ertragen kann? Also weil es einfach zu viel wird? Verstehst du, wie ich meine? Kann es dann nicht sein, dass das Gehirn einfach auch überlastet wäre und deshalb gewisse Fähigkeiten nie wieder integriert werden können? Ich weiß z.b., dass ein Anteil Klavierspielen. Und ich habe mal irgendwo gehört dass das ja eigentlich etwas Anstrengendes fürs Gehirn ist, weil es viele Sachen mit unterschiedlichen Körperteilen gleichzeitig aber unterschiedlich bewegt machen muss. Wäre das nicht auch z.b. dann etwas, was wir vielleicht nie wieder könnten? Die Vorstellung macht mich richtig, richtig traurig. Also nicht nur beim Klavierspielen, sondern allgemein bei vielen Dingen, die viele von uns können, andere viele aber nicht – die aber wieder was anderes. Verstehst du?

    Ich finde gut, dass zum Schluss die Frage noch kam, weil die stellte ich mir die ganze Zeit beim Lesen. Ich habe jetzt irgendwie verstanden, dass bei dir Anteile mittlerweile zu einem ganzen Ich integriert sind (so in der Art) – ich finde, das hast du suuuuuuuuuuuuuuuper gut beschrieben mit bugi und Kribalg. Also, ich habe auf jeden Fall verstanden, was du meinst, kann sein, dass ich es jetzt bloß nicht mit meinen Worten wiedergeben kann.

    Jedenfalls ist das u.a. auch eine Angst von uns… ich glaube, viele von uns würden einige von uns schrecklich vermissen und gefühlt "sterben" vor Kummer, wenn ein Anteil mit einem anderen Anteil integriert (oder mit einer Alltagsperson integriert? – Integrieren Anteile eigentlich untereinander oder bloß in die Alltagspersonen?………..)…. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es die Möglichkeit gibt, dass man nicht integrieren muss, sondern auch mit einem funktionierenden oder stabilen Co-Bewusstsein leben kann.

    Aber wie ist das eigentlich bei DIS Menschen, die über hunderte von Anteilen und einem dutzend Systemen sind? … das schafft man doch nie in einem einzigen Leben… O.o

    Danke für dein Eintrag, den fand ich super!!!

    • u

      Hallo Mi, da sind ja nun einige Themen drin… ich werde versuchen sie Stück für Stück zu beantworten.

      "Was sind Fusionen?"
      –> Eine Fusion ist die Verschmelzung von Innens miteinander oder mit der Alltagsperson. Es entsteht aus zwei Komponenten eine neue Komponente, die um die Eigenschaften der anderen angereichert ist.

      "Fusion = Integrieren?"
      –> Eigentlich nicht. Das Wort Integration wird ja z.B. auch auf Flüchtlinge bezogen, die sich in eine Gesellschaft einbringen und in ihrem gemeinschaftlichen Interesse handeln. Eine solche Person gibt sich ja nicht selbst auf, sondern ist ’nur' zu guter Zusammenarbeit bereit und stellt sein Wissen und seine Fähigkeiten zur Verfügung. Die Fusion ist ein Schritt der da weiter geht. Eine reine Fähigkeit oder Fertigkeit kann nicht Fusioniert werden, sondern nur integriert genutzt werden.

      "Kann es dann […] passieren, dass [es] zu so einer Art "Systemabsturz" kommt? […] Also weil es einfach zu viel wird? […] Kann es dann nicht sein, dass […] deshalb gewisse Fähigkeiten nie wieder integriert werden können?"
      –> Generell ist es durchaus möglich, dass gewisse Fertigkeiten nicht wieder integriert werden können. Die Gründe dafür mögen z.B. darin liegen, dass die Fähigkeit nicht mehr wichtig ist. Und ich glaube auch, dass eine solche Überlastung auch durchaus möglich wäre. Daher sollte die Therapie in der nach-integrativen Phase / als vollständig Fusionierter auch weiter und über langen Zeitraum stattfinden. Damit es eben nicht dazu kommt, dass sich selbst 'ausbrennt'.

      "Integrieren Anteile eigentlich untereinander oder bloß in die Alltagspersonen? […] Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es die Möglichkeit gibt, dass man nicht integrieren muss, sondern auch mit einem funktionierenden oder stabilen Co-Bewusstsein leben kann.
      –> Integrieren ist ja die Zusammenarbeit. Das ist das, was ich aus aller Fachliteratur und den Therapien verstanden habe. Zusammenarbeit und ein stabiles Co-Bewusstsein ist eine Form der Integration. Die anderen integrieren sich (bringen sich also ein) mit ihren Erinnerungen, Fähigkeiten und Emotionen in das System ein. Dann sind sie aber weiter als abgetrennte Innens vorhanden. Wer da mit wem im Detail zusammenarbeitet ist dabei erstmal zweitrangig. Es kann sein, dass mehrere Innenkinder gut zusammenarbeiten oder aber auch ein oder mehrere Innens mit der 'Alltagsperson'.

      In der Expertenempfehlung wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass es quasi vier Stati gibt:

      1. Jeder Innen macht sein Ding für sich (DIS untherapiert) [Evtl. sind Stimmen zu hören, viele Zeitlücken vorhanden, Persönlichkeiten wechseln häufig]
      2. Innens kommunizieren miteinander und arbeiten zusammen (Integration) [Evtl. sind Stimmen zu hören, Zeitlücken vorhanden, Persönlichkeiten wechseln]
      3. Innens entscheiden sich nicht mehr als eigenständige Innens da sein zu müssen und werden Teil eines anderen / geben sich selbst auf (Fusion) [Evtl. sind Stimmen zu hören, weniger Zeitlücken vorhanden, Persönlichkeiten wechseln seltener]
      4. Die 'Alltagsperson' und alle Innens Fusionieren zu einer zusammengehörigen Einheit (vollständige oder finale Fusion) [Keine Stimmen zu hören, sehr wenig Zeitlücken vorhanden – im Rahmen stressbedingter Dissoziation aber nicht weil Persönlichkeiten wechseln, da es nur noch eine 'Mischpersönlichkeit' gibt.]

      Wie man Integration oder gar Fusion bei großen, verschachtelten Systemen schafft ist eine gute Frage. Ich kann nur von mir sprechen und sagen, dass von 85 Persönlichkeiten der Weg alles andere als leicht war. Es gab hier auch mehrere Systeme die z.T. ineinander verschachtelt waren. Ja, ich weiß, dass ich bei der Konstellation der Fachpersonen und des Helfernetzwerkes wirklich das goldene Los gezogen habe und ich sicher diesem Umstand einen Großteil der erfolgreichen Therapien zu verdanken habe.

      • M

        Mii

        Danke für deine ausführliche Antwort!!! Leider kann ich jetzt nicht mehr gut drauf eingehen, weil ich in zwei Minuten weg muss, aber trotzdem schon einmal dickes fettes Danke!!!
        LG "Kritzel"

  7. m

    mii

    Hallo nochmal von uns. Bei uns ist grad irgendwie viel durcheinander, aber ich versuch trotzdem mal was vernünftiges zusammen zu kriegen. Danke nochmal für deine antwort. Das hat uns irgendwie sehr aufgeklärt und klingt alles logisch, wobei uns einiges davon auch irgendwie bisschen angst macht, muss ich sagen. darf ich fragen, wie viele jahre Therapie ihr benötigt habtet? und was heißt da mit dem goldenen los? wart ihr bei einer sehr guten Therapie und ausstiegsbegleitung und Beratung oder was für Helfer hattet ihr so?

    wir haben übrigens ein kleines Problem… wir wissen nicht mehr, welche einträge von euch wir gelesen oder kommentiert haben, wo können wir das finden, wo wir kommentiert haben?

    liebe grüße

    • u

      Angefangen mit Therapie habe ich 2009 – aber tatsächlich die ersten zwei Jahre so verdisst, dass ich lange der Meinung war, ich hätte erst 2011 angefangen. Ja, als goldenes Los bezeichne ich die Konstellation mit mehreren Therapeuten und Betreuern, die sehr gut zusammengearbeitet haben. Ambulant gleichzeitig und mehrfach wöchentlich: 1 Dipl.-Psych, 3 Ärzte, 1 Shiatsu-Therapeutin, 2 Betreuer des Psychsozialen Dienstes. Stationär in Kombination / abwechselnd: 5 Dipl.-Psych, 1 Shiatsu-Therapeutin, 3 Kunsttherapeut, 1 Musiktherapeutin, 6 Ergo-Therapeuten, 1 Krankenpfleger, 1 Krankenschwester. Und dazu die Krankenkasse sowie der Pflegedienst. Und alle haben hier in den Jahren an einem Strang gezogen und einer auf die Arbeit des anderen aufgebaut. So war es quasi eine durchgehende Therapie, die alle möglichen Aspekte abgedeckt hat und ich hatte für alles mögliche spezielle Ansprechpartner. Und auch jetzt ist es weiter das genannte ambulante Setting.

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      • M

        Melinas

        Glückwunsch – bei soviel Engagement – wäre ich sogar heile geworden….

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