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Linkes Nasenloch zuhalten…

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…so lautet der Rat der Shiatsu-Tante auf die Aussage, dass morgens früh nach dem Aufstehen das Gehirn offensichtlich noch im Bett liegt, der Körper aber schon durch die Gegend bewegt wird. Das geht manchmal mit unangenehmen Folgen einher.

Dieses Schwierigkeit hatte ich schon so lange ich zurück erinnern kann. Immer der gleiche Ablauf: Wach werden, innerhalb weniger Sekunden auf der Bettkante sitzen, aufstehen nach ein oder zwei Wimpernschlägen und dann torkelnd durch die Gegend und nicht wirklich mitbekommen, was in den nächsten 15-30 Minuten so passiert.

Ich sagte, dass ich dann einen starken Rechtsdrall habe beim gehen, aber leider erstmal eine Linkskurve bewältigen muss. Das kollidiert. Genauer gesagt ich kollidiere mit der Fensterbank, streife den an der Wand am Bettende stehenden Schrank, bevor ich halbwegs geradeaus auf die Schlafzimmertür zu steuer. Rechts aus der Tür raus klappt super – danach folgen nur noch Linkskurven bis zur Küche. Also kollidiere ich im Regelfall noch mal mit ein bis zwei Türrahmen, bis ich dort ankomme.

In der Shiatsu-Therapie hielt sie mir das linke Nasenloch zu – langsam und tief einatmen, langsam ausatmen und kurz vor Ende des Ausatmens einen kurzen Atemstoß aus der Nase 'drücken' *Pff*. Drei mal wiederholen. Dann dann gleiche mit dem rechten Nasenloch… Danach auf der Behandlungsliege hatte ich das Gefühl, ich könne nun endlos einatmen. Eeeeendlooooos. Für iiiiimmmeeeeer. Ach ausatmen auch noch? Warte mal, wie geht ausatmen? Üben… Ich sagte nur noch: "Na toll… wenn das so weitergeht muss ich mir wohl immer laut sagen 'Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen…'." Sie lachte sich halb kaputt und erzählte, dass es ihr beim ersten mal mit dieser Übung ähnlich ging. Dies Übung soll nun also dem Gehirn den Input geben, dass nicht mehr geschlafen wird. Es sei wohl so, dass bei meiner bisherigen Art aufzustehen die Atmung noch zu sehr auf Schlaf getrimmt sei.

Und da ich aus Erfahrung weiß, dass die Shiatsu-Tante echt auf Zack ist, habe ich das gestern und heute morgen direkt umgesetzt. Heute war es etwas schwieriger, da ein Nasenloch der Meinung war, es müsste eh komplett geschlossen sein. Aber beide Tage hatten eines gemeinsam: Ich bin nirgendwo gegen gelaufen und habe mitbekommen was ich getan habe. Und meine Ein-Atem-Fähigkeit (was für ein Wort) scheint eine Superkraft zu sein … Sachen gibt’s… ☺

Neben dieser 'Kleinigkeit' habe ich natürlich die Arbeit an der Balance zwischen Aktivitäten und Auszeiten zu arbeiten und bin dabei meine 'Gedanken-Denk-Fähigkeit' zu trainieren.

Auch hier war ein Sprachbild wieder sehr hilfreich. Wenn ich am PC tippe und den Text dabei lese, (leise oder manchmal lauter) vor mich hin rede ist es so, als ob die Gedanken wie Tropfen gleichmäßig und schnell aus einem aus einem leicht geöffneten Wasserhahn kommen. Bei dem Versuch lautlos zu denken, ist es eher so, als ob sich langsam ein ganz großer Tropfen an diesem Wasserhahn bildet und dann plötzlich platzt und sich ein regelrechter Wasserschwall ergießt. Dieses Bild hilft mir in der Konzentration ganz gut. Ich visualisiere den Gedanken nun und versuche zu beeinflussen, wie stark ich den Wasserhahn aufdrehe und so letztendlich dafür zu sorgen, dass auch beim lautlosen Denken die Gedanken gleichmäßig kommen und verarbeitet werden können. Ist noch nicht ganz rund und nicht automatisch der Fall, aber ich merke, dass sich die 'Startschwierigkeiten' beim lautlosen Denken etwas minimieren.

Der Psycho-Doc sagte: "Mit sich selbst reden ist eine Ressource – egal ob im Innen leise oder laut im Außen. Diese Fähigkeit haben Sie ihr Leben lang intensiv genutzt und es gibt keinen Grund diese Fähigkeit nun plötzlich zu meiden. Klar haben Sie es früher auf verschiedene Persönlichkeiten aufgeteilt, das war oftmals ineffektiv und brachte ganz andere Probleme mit sich. Aber es ist sinnvoll, diese Fähigkeit auf die richtige Weise einzusetzen und diese Stärke für sich zu nutzen. Sie müssen Ihre Gedanken nicht als ’stille Gedanken' denken. Sie dürfen sie auch im Innen 'laut' aussprechen. Reden Sie ruhig mit sich selbst. Führen sie einen Dialog mit sich selbst. Es muss kein Monolog sein. Wenn Sie sich bewusst sind, dass es Ihre Gedanken im Innen sind, die sie 'hören' beziehungsweise wahrnehmen, ist das absolut in Ordnung."

Als Übung führe ich nun also bewusst 'Selbstgespräche' im Innen. Dazu nehme ich mir ein Thema, schreibe die Punkte, die ich dafür als wichtig ansehe auf und teile sie in 'Für' und 'Wider' ein. So ergeben sich zwei Positionen, die ich mit mir danach erst leise und dann nochmal lautlos bespreche. Dabei trage ich mir erst die 'Für'-Punkte vor und danach die 'Wider'-Punkte. So versuche ich zu umgehen, dass es ein Monolog entsteht, der einfach ungehört im Nichts verhallt und den ich dann als unangenehm empfinde. Ich habe das nun schon mehrfach geübt und bin erstaunt, dass sich das gut anfühlt – zwar völlig anders als ich es bisher kannte, aber es ist gut.

Ich empfinde das als guten Kompromiss um die Fähigkeit der inneren Erörterung von verschiedenen Meinungen und Standpunkten nicht zu verlieren obwohl ich mich als nur eine Person wahrnehme. Ich weiß, dass es alles meine eigenen Gedanken zu diesem Thema sind, fühle mich aber nicht 'allein' damit.

Meine Frau ist übrigens so lieb und lässt mich in aller Ruhe diese Übungen hinter geschlossener Tür machen. Danke dir dafür ♥

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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  1. I

    Was immer für dich gut ist. Du lässt mir ja auch alle Freiräume die ich brauche

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