Therapie

Ich habe 'Fertig'

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Heute war ein wichtiger Tag. Es standen zwei Termine an. Als erstes zum Dr. med. für Psychiatrie & Psychotherapie, der sich wie gewohnt viel Zeit nahm und danach zur Fachärztin und Psychotherapeutin um das vor fast drei Monaten begonnene Gespräch weiter zu führen.

Vor fast drei Monaten warf sie die Frage auf, ob es nötig sei den letzten Tatort wieder mit einem solchen 'Gewaltmarsch' anzugehen wie es bei den letzten Tatorten gemacht wurde.

Dieser 'Gewaltmarsch' bedeutete Tatort-Begehungen, Konfrontation, Aushalten. Und jedes mal auch wieder ein 'vorübergehendes Zusammenklappen' des Innen-Systems. Bisher wurde dies dann immer in der Klinik wieder in Aufenthalten von 12 Wochen stabilisiert, bevor uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ wieder in der Lage war, einen Schritt weiter zu gehen. Dann ging es ambulant stabilisierend weiter, nach einigen Monaten wieder in die Klinik. So wechselten sich die Intervalle ab. Mit Verhaltenstherapie, Shiatsu-Therapie, Trauma-Therapie, Trauer-Arbeit, Achtsamkeit-Übungen, EMDR, PITT, und anderen ähnlichen Therapie-Hilfen, Bewegungstherapie, Kunsttherapie, Gartenarbeit, Konfrontations-Übungen mit Fotos, im Wald, im Nebel, im Schnee, in der Dunkelheit, in Menschenmengen, Leise und Laut.

Es sind nun weit über 600 reine Therapiestunden in all den Therapieformen zusammengekommen – zusätzlich zu den 'Hausarbeiten', wie uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ sie nennt: Das alltägliche Anwenden des Erlernten. Stunden um Stunden für die Übungen zuhause, unterwegs, in schriftlicher Form, gezeichnet, am Computer erarbeitet. Die Familie hat oft zurück gesteckt um die Therapie zu ermöglichen.

Nun sollte 2018 der 'finale Trauma-Block' starten. Und dann kommt diese Aussage: "Ich weiß nicht, ob wir noch weiter das Setting bieten können, dass Sie bisher brauchen. Ich kann Sie nicht abfangen, wenn die innere Unruhe nach einer Therapiesitzung dann so lange dauert wie bisher. Das gibt das Klinik-System einfach nicht mehr her. Ist es wirklich notwendig, so wie bisher weiter zu machen?"

Das saß! Und es brodelte regelrecht im Innen: "Wie soll es weiter gehen? Wenn das nicht geht, soll ich mich dann noch Jahre damit rumplagen?" Wut und Verzweifelung machten sich breit. Weiteres sollte in einem zusätzlichen Termin besprochen werden. Sie wolle schauen, ob sie sich irgend ein Setting einfallen lassen könne, von dem uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ profitieren könne. Und als Hausaufgabe: "Erstellen Sie eine Trauma-Landkarte."

In der Zeit bis zu dem heutigen Gespräch war es also Innen wie Außen ein wichtiges Thema. So auch beim Verhaltenstherapeuten, der unsereins & me mit der Frage: "Müssen Sie dringend nach Grönland? Und haben Sie schon einen Schneeanzug gekauft?", völlig aus dem Konzept brachte. Aber dieser Vergleich war irgendwie passend. Warum meint uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ so dringend an den Tatort zu müssen? Was zwingt uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ dazu? Warum kann das nicht einfach warten oder da hinten irgendwo rum stehen, jetzt wo ich weiß, was passiert ist und wer die Täter waren. Auch die Shiatsu-Tante argumentierte ähnlich, so dass in den letzten Monaten ganz viel im Innen in Bewegung geriet. Und der Entschluss reifte, dass dieser 'Gewaltmarsch' nicht mehr nötig ist. Aber uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ wollte sich noch den finalen 'Segen' dazu holen.

Heute war es also soweit. Das Gespräch mit dem Dr. med. ist immer ein besonderes. Er ist sehr offen was Diagnosen, eigene Wahrnehmungen, Theorien und Fachmeinungen angeht. Bei ihm ist unsereins in einer Gesprächsform, die zwischen 'Arzt <-> Patient' und 'Arzt <-> Fachperson' hin und her pendelt. Und so kommt es dann vor, das 1,5 Stunden wie im Flug vergehen und die gesamte Therapie-Arbeit der letzten Jahre nochmals Revue passieren gelassen wurde. Und mit dem Satz zum Abschluss kam: "Lassen Sie den Tatort wie einen Leuchtturm da hinten in der Ferne stehen. Sie müssen da nicht hin, denn Sie wissen alles über diesen Leuchtturm. Er ist da. Er hat Geschichte. Aber es reicht, wenn Sie ihn von dort aus sehen."

Bestärkt ging es in das Gespräch mit der Fachärztin. Und sie bestätigte uns ebenfalls darin, dass der Weg nicht auf diese bisher übliche Weise gegangen werden muss. Sie fragte: "Warum meinen Sie, dass Sie das dort auch so machen müssen? Denken Sie, Sie hätten sich sonst nicht genug gekümmert? Oder Sie hätten dann einen Fehler gemacht? Oder würden damit diesem Tatort nicht die Stellung geben, die er haben müsste?" Das traf es ziemlich genau.

Es fühlt sich nun gut an, diesem Tatort nun Zeit zu lassen. Egal wie lange es dauert 1,2,3…5 Jahre oder auch gar nicht. Es ist kein Ort wo ich andauernd vorbei oder hin muss. Vielmehr ist es recht abgelegen und es ist in den letzten Jahren nur 2x vorgekommen, dass ich in die 'Nähe' kam. Dann hat unsereins & me aber auch Übungen gemacht und 'ausgehalten'.

Ja, uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ hat sehr viel erreicht in den letzten 7 Jahren. Trotz schlechter Prognosen. Trotz herber Rückschläge. Trotz Enttäuschungen. Und ja, ich weiß, dass es immer wieder zu Rückschlägen kommen kann. Aber dann ist das halt so.

Ich lebe mein gesamtes Leben bereits auf diese Art und Weise. Mit diesem Innenleben, das anderen oftmals völlig fremd ist und ihnen Angst macht. Aber mir macht es keine Angst mehr. Ich habe viele Fortschritte gemacht und kann diese für mich annehmen. Und ich kann die Dinge, die die anderen durchgemacht haben als etwas annehmen, dass auch ich durchgemacht habe. Und ja, ich spüre ihren Schmerz als meinen ganz persönlichen.

Was also geplante Klinikaufenthalte angeht, hat uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ heute den Stempel 'Fertig' erhalten. Auch wenn weiterhin jeden Tag Arbeit und Anstrengungen nötig sind, die ambulante Therapie weiter geführt wird, die Shiatsu-Therapie, die Ergo-Therapie und die Gespräche mit dem Dr. med. fortgeführt werden, so ist doch die stationäre Traumatherapie-Arbeit in der Klinik nun 'Fertig'.

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ bedankt sich bei den Begleitern in der Klinik und auf den Stationen die unsereins & me so gut aufgenommen haben für Ihren Einsatz, Ihren Mut, Ihre Geduld, Ihre Ratschläge, Ihre bewussten Provokationen, die vielen neuen Ansätze für den Alltag und im speziellen auch dafür, dass uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ sich weiterhin melden soll um diese Personen auf dem Laufenden zu halten, damit sie schnell reagieren können, wenn etwas aus dem Ruder laufen sollte.

Ich habe 'Fertig' und es fühlt sich sehr gut an für uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ.

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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  1. I

    Ich bin stolz auf dich und auf das, was ihr in den letzten fast 6 Jahren, seit die Diagnose gestellt wurde, erreicht habt.Ja, die Kinder und ich, wir haben oft zurück gesteckt in diesen Jahren, aber wir haben es gern getan.Und es wird auch weiter Zeiten geben, in denen du vermehrt „arbeiten“ musst und weniger Zeit für mich und uns hast. Aber das ist gut, denn ich weiß, welche Auswirkungen es haben kann, wenn du es nicht tust.Ich liebe dich

  2. M

    Melina

    Ich finde auch, dass sich das gut anhört. ;-)

  3. I

    Ilka

    Ich habe ganz viel Worte und keine.
    ✌️

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