Hausmeister

Ich bin es gewohnt, dass einige Mieter offensichtlich nicht anwesend waren, als aktives Mitdenken und Rücksichtsnahme für die Menschheit zur Verfügung gestellt wurden. Da habe ich mittlerweile nicht einfach ein dickes Fell, sondern es ist nur noch ein Schulterzucken vorhanden.

Wenn ich die Müllcontainer in der Siedlung heraus stelle, dabei feststelle, dass (wie jede Woche) einige die gelbe nicht von der schwarzen Tonne unterscheiden können und nach deren Meinung offensichtlich Damenbinden, Windeln sowie Essenreste in die Wertstofftonne gehören, räume ich die entsprechenden Beutel um. Wenn gewisse Mieter nur den rechten Container verwenden können und diesen soweit füllen, dass die Abholung nicht stattfinden würde, räume ich die Säcke in den linken Container um. Es sind gigantische 30 cm Wegstrecke zwischen den Containern zurück zu legen, da ist es absolut nachvollziehbar, dass bestimmte Mieter diesen langen Weg nicht schaffen würden.

Ich kenne es, innerhalb der Siedlung von einem Haus zum anderen zu müssen, war faktisch schon mehrfach in jeder Wohnung, kenne die Häuser mit allen Bewohnern – sowie deren Eigenarten – ziemlich genau. Bei Schäden jeder Art werde ich gerufen, schaue, was ich selbst reparieren kann oder was durch andere Firmen erledigt werden muss. Ich koordiniere die Termine und bin bei den meisten Terminen mit dabei, kläre ab, welche Arbeiten durchgeführt werden – ich bin die Schnittstelle zwischen Hausverwaltung, Mietern, Handwerkern und Versicherungen. Ich kontrolliere die Ölstände, entstöre die Heizungsanlagen, entlüfte die Heizkörper und fülle das Wasser in den Anlagen wieder auf. Ich prüfe die Dachböden, die Treppenabgänge, die Spielgeräte, die Zaun-Anlagen und die Beleuchtungen.

Und wenn ein Wasserschaden vorliegt – wie z.B. zur Zeit in der Wohnung unter uns – dann ist auch die Entscheidung zu treffen, das Wasser abzusperren und die Mieter zu informieren, dass momentan die Waschmaschinen nicht genutzt werden können. Nervig ist der Schaden für diese Mieterin nun tatsächlich, denn schon seit Ende Dezember herrschen in Ihrer Wohnung Zustände wie auf einer Baustelle. Da ist dann zusätzlich Verständnis zeigen und Beruhigen notwendig.

Es sind Telefonate zu führen, es ist zu organisieren und es ist eine Bereitschaft auch in späteren Abendstunden. Diese ganzen Aufgaben sind dann teilweise schon herausfordernd und kräftezehrend.

Und trotz all dieser Dinge gibt es Mieter, die mich beschimpfen, beleidigen, verbal angreifen und mir drohen. Ich reagiere in Ruhe. Sie können mich nicht mehr reizen. Schon lange nicht mehr. Ich habe eher Mitleid mit Ihnen, weil sie so unsinnig reagieren.

All das in offiziell 5 Stunden im Monat. Für nicht einmal 60 €, die bei mir ankommen.

Warum ich das mache? Zum Einen kann ich so dafür sorgen, dass wir zu meiner Rente Wohngeld sowie Kindergeldzuschlag erhalten können und nicht ins Hartz IV fallen. Zum Anderen helfe ich anderen gerne – sowohl den Mietern in der Siedlung als auch meiner Frau, die dadurch nicht in irgendwelche Maßnahmen gesteckt wird. Denn dass würde sie bei ihrer eigenen angeschlagenen Gesundheit nicht leisten können. Außerdem möchte ich meinem Sohn ein gutes Vorbild sein.

Ich arbeite gerne in dem Rahmen, der mich nicht überfordert. Und da ist einfach nicht mehr drin. Von meiner Leistungsfähigkeit her und somit auch verdienst-mäßig.

3 Gedanken zu „Hausmeister“

  1. Ich wünsche mir, dass Bens Vater auch so denken und handeln würde wie du. Er sieht, dass ich wegen eines Bandscheibenvorfalls meinen Job bei der Post auf Eis gelegt habe und ist nun der Ansicht, dass ich ihm nicht zu sagen habe, dass er sich doch bitte um eine Stelle bemühen soll. Ich darf aber laut meinem Chef sehr gerne zurück kommen, wenn es mir besser geht.

    Da packt mich manchmal echt die Wut.

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