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Die Vorboten des Tsunamis

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Im letzten Post beschäftigte sich uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ ja mit dem Tsunami-Frühwarn-System das für die Gutachterin 'installiert wurde. Tatsächlich ist das auch ein Punkt, der sich 'richtig' anfühlt. Es ist nötig, dieses System zu haben. Doch die Vorboten des Tsunamis sind im Moment auch klar und deutlich hier zu spüren.

So war es am Samstag nötig 50mg Melperon als Notfall-Medikation zu nehmen, da die Anspannung so groß, das Verletzungsrisiko massiv und die Stimmen zu extrem laut und durcheinander auf mich einprasselten. Klar hätte ich sagen können: "Was solls, soll sich jemand damit auseinander setzen, der damit besser klar kommt.", aber das wäre gegen die Innen-Absprachen gewesen. Aber da es vom System als OK angesehen wird, die medikamentöse Hilfe zu nutzen, anstelle die Verantwortung jemand anderem aufs Auge zu drücken, wählte ich diesen Weg. Ein Weg, den ich am 28.08. zur Begutachtung auch einschlagen werde.

Melperon wirkt hier auf drei Weisen:

a) Nach ca. 30 Minuten für ca. 4 Stunden extrem einschläfernd
b) nach dem wach werden sind die Sorgen weg
c) die Fähigkeit der Innenkommunikation ist für ca. 8-12 Stunden nicht gegeben

Die Stimmen sind noch da. Ich höre sie. Aber ich bin dann 'zu blöd' um mit ihnen zu reden. Deswegen muss ich das vorher erklären – gut erklären und auch begründen, warum die Notfallmedikamente genommen werden. Mache ich das nicht, drehen alles völlig hohl. Die dann entstehende Unruhe schmeißt uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ um gefühlte Ewigkeiten zurück. Und ja, ich habe das schon mehrfach miterlebt.

Mittlerweile weiß ich um diesen Balanceakt. Es macht ihn nicht leichter, aber dadurch, dass ich bewusst 'hindurch' gehe, kann ich die Nachwirkungen minimieren oder sogar fast ausschalten. Diese vorher notwendige Kommunikation bedeutet aber auch, dass ich länger brauche um die Medikamente nehmen zu können. Wenn ich jetzt merke, dass ich die Grenze erreicht habe und es nicht mehr ohne Medikamente geht, muss ich erst noch den anderen erklären, dass dem so ist. Das schaffe ich dann aber nicht mehr. Also musste ich lernen schon kurz vor erreichen der absoluten Grenze zu erkennen, dass die Medikamente nötig sein werden. Blöderweise kommt es dann in der Kommunikation doch immer wieder vor, dass der ein oder andere meint, es ginge doch bestimmt noch ohne – schließlich sei ja die Grenze noch nicht erreicht, was daran zu merken sei, dass ich noch kommuniziere… Jedesmal ein nervenaufreibendes Vorgehen.

Doch im Nachhinein betrachtet, hat es sich immer gelohnt so vorzugehen. Auch diesmal. Die Ruhe nun ist fast auf dem Niveau wie vor ca. 4 Wochen… und da war die Begutachtung noch weit, weit entfernt.

Während die Medikamente noch wirkten, war es mir dann auch möglich, die Vorbereitungen weiter zu führen, so dass die Vignette für die Schweiz bereits bei der Post bestellt wurde und heute auf dem Weg zu uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ ist. Morgen muss ich noch schauen zur Bank zu kommen und ein paar Schweizer Franken umgetauscht zu bekommen. Das Parkhaus in der Nähe der Begutachtungspraxis kostet 4,40 CHF die angefangene Stunde. Ein knackiger Preis, wenn man bedenkt, dass die Begutachtung ca. 3 Stunden dauern soll.

Heute habe ich dann meinen Mut zusammengenommen und bei der Gutachterin angerufen. Grund? Auf der Webseite steht, dass man den Termin telefonisch bestätigen muss. Lustig – in dem Anschreiben der ZAS steht davon mal so rein gar nichts. In dem Schreiben stand nur, dass uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ sich bei der Sachbearbeiterin der ZAS zu melden hat, wenn das Schreiben da ist.

So hörte uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ also zum ersten Mal die Dame, die die Begutachtung durchführen wird. Es war tierisch anstrengend – Chaos im Innen! Was für Kommentare im Innen kamen ist wahrscheinlich den meisten klar. Einfach zusammengefasst: "Hilfe, wir werden alle sterben!" Aufgrund des Chaos bekam ich nur stotternde Sätze heraus und die Gutachterin reagierte mit der für Berner typischen Langsamkeit (Nein, ich will hier gar keine Klischees bedienen, aber wenn ihr andere Schweizer kennt und denkt, die wären langsam und ruhig… Ein ’normaler' Schweizer ist im Vergleich zum Berner wie auf Ecstasy. Der Berner wie uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ ihn aus der Zeit in der Schweiz kennt, ist eine Art Duracell-Hase ohne jegliche Batterie. Ein ruhiger Schweizer aus Zürich – und uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ schätzt diese Ruhe – kann zwischen zwei von einem Berner normal gesprochenen Wörtern den Text der Schweizer Nationalhymne buchstabieren – rückwärts – in allen vier Amtssprachen der Schweiz!).

Spätestens jetzt ist uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ klar, warum die Begutachtung drei Stunden dauern soll. Und es ist auch klar, dass uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ viel Geduld aufbringen muss – gut das die Melperon uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ massiv entschleunigen werden. Mehr als der Grenzwechsel. Und folgenden Satz wird uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ dort sicher nicht sagen: "Könnd Sie bitte langsamer reda?"

Nun ist die Frage, ob der Tsunami ebenso langsam losrollen wird und ob die Berner Gutachterin im Verhältnis dazu so langsam ist, dass es sie doch wieder mit voller Wucht trifft… also ob sie quasi in Ultra-Zeitlupe von einem Zeitlupen-Tsunami überrollt wird.

Manchmal hat uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ schon seltsame Gedankengänge… aber auch nur manchmal…

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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  1. V

    Das Problem bei soo langsamen Rednern ist: wir können uns das zuletzt gesagte Wort nicht so lange merken! Kein Scherz! Es Switcht und am Ende weiß ich gar nicht mehr worüber geredet wurde…
    Ach uns würde dieses Gutachten auch kiere machen.
    Aber mit den Tabletten hätte ich Angst nicht alles sagen/zeigen zu können was bei uns so los ist. Aber wir sind auch nicht da wo ihr seid…
    Ihr werdet es sicher trotzdem packen, ganz bestimmt. Ihr seid nämlich nicht allein! Mit euch sind mehr als mit denen

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