Erlebtes, Ionovias Alltagswahnsinn

Depressionen sind…

Ionovias Alltagswahnsinn


hier darf sich jeder das Wort einfügen, dass ihm am besten gefällt.
Für mich sind sie gerade mal wieder zum kot….

Ja, sie haben wieder zugeschlagen – und auch so heftig, dass ich nicht drum herum komme, meine Medikamente wieder zu nehmen. Aber, mir war bewusst, dass es mich wieder einholen wird, dass ich nicht auf Dauer ohne Medikamente sein kann. Daher war der Moment des Gefühls "ich habe versagt" auch nur ganz kurz. Sehr schnell kam das Bewusstsein "hey, du hast es 7 Monate und 2 Tage ohne Medikamente geschafft" wieder nach vorne und macht es leichter.

Es hat sich über die letzten 6 Wochen schon angekündigt – ich habe den Abwärtstrend auch wahrgenommen. Die Abstände zwischen den Tiefs wurden kürzer und die Tiefs immer tiefer. Die Erschöpfung nahm immer mehr zu und die Möglichkeit wieder raus zu kommen wurde immer geringer. Doch die letzten drei Wochen waren die Ausschlaggebenden. Das größte Warnzeichen für mich ist immer die Tatsache, dass ich meine Nähmaschine komplett links liegen lasse. Wenn ich überhaupt nicht mehr ans Nähen komme, sich in mir alles sträubt, dann weiß ich, es ist mehr als nur eine simple Erschöpfung. Daher habe ich das auch ganz bewusst wahrgenommen. Und vor einer Woche war ich auch schon mal bei dem Gedanken, meine Medikamente wieder zu nehmen. Doch der Gedanke, es noch ohne zu versuchen, war stärker.

Gestern allerdings ging dann auf einmal gar nichts mehr. Ich kam von der Waschküche wieder nach oben, hab mich auf meinen Stuhl gesetzt und bin in Tränen ausgebrochen. Und da hat sich dann auch endlich die vorhandene Blockade gelöst, mit meinem Liebling darüber zu reden, was mit mir los ist. Klar hat er auch schon gemerkt, dass was hinten und vorne nicht passt. Aber, wie es nun mal ist, wenn ich selbst nicht in der Lage bin zu reden, dann nutzt es auch nix, wenn er versucht mich zum Reden zu bringen. Dabei weiß ich ja mittlerweile, dass es mir gut tut, wenn ich rede, aber wenn die Blockade da ist, dann hab ich keine Chance.

Ich habe dann auch die letzten Monate nochmal Revue passieren lassen, um für mich selbst klar zu bekommen, was eigentlich alles wieder an Belastungen war, sowohl emotional als auch körperlich. Und das war tatsächlich wieder eine ganze Menge.

Ende August stand der Begutachtungstermin meines Liebling in der Schweiz an. Der hatte eine Menge Aufruhr und Unruhe schon im Vorfeld verursacht. Die Tage danach war er ja noch bei seinem Vater in der Pfalz, was für mich aber bedeutete, mit unserem Junior hier allein klar zu kommen. Die Schule hatte gerade wieder begonnen, also morgens wieder früh raus und den kleinen Mann fertig machen und zur Schule bringen. Nachdem mein Liebling dann wieder zu Hause war, war sehr schnell klar, dass er es allein zu Hause nicht schafft, die Folgen des Termins zu bearbeiten. Also ging es für ihn 4 Wochen in die Klinik – und für mich waren es 4 anstrengende Wochen. Nicht nur hier zu Hause alles allein zu meistern sondern auch zweimal die Woche noch in die Klinik fahren, um meinen Liebling zu besuchen. Das heißt nicht, dass ich das nicht gerne gemacht habe – aber es bedeutete zusätzliche Kraftanstrengung.

Doch erstaunlicherweise hab ich das noch gut weg gesteckt, denn ich habe mir nach 2 Wochen Hilfe durch den PST geholt. So wurde unser Junior dann morgens zur Schule gebracht und ich hatte diese Anstrengung wieder gespart. Dann kamen die Herbstferien, die ich gut genutzt habe, um wieder zu Kräften zu kommen.

In der Zwischenzeit hatte unser Großer sein Studium in Bonn angefangen. Doch auch hier blieb es nicht einfach, sondern es kam zu einer Menge Stress, denn er stand von heute auf morgen erstmal ohne finanzielle Mittel da. Und auch sonst lief es nicht so, wie er es sich erhofft hatte. Das führte dann auch dazu, dass ich mir um ihn auch Sorgen gemacht habe, da ihn die Gesamtsituation doch sehr belastete. Und, man ist und bleibt nun mal Mama, egal wie und wo die Kinder leben.

Auch hatte mein Papa zwei Augen-OP´s in den letzten 6 Wochen und ich habe meine Eltern in soweit unterstützt, dass ich meinen Papa zu den OP- Terminen und auch den anschließenden Kontrolluntersuchungen gefahren habe. Auch bin ich mit meiner Mama einkaufen gefahren und da ich das Auto hatte, habe ich auch meinen Liebling entlastet und den kleinen Mann das ein oder andere Mal zur Schule gefahren, so dass mein Liebling sich morgens Ruhe gönnen konnte.

Doch da merkte ich schon, dass es emotional schwierig wurde. Die "Löcher" folgten in kürzeren Abständen aufeinander und die Anstrengung, mich aus den "Löchern" wieder raus zu buddeln wurde immer größer, da sie immer ein Stück tiefer wurden.

Daher war es die richtige Entscheidung, jetzt wieder zu den Medis zu greifen, denn so kann ich mich wieder aus diesem ganz tiefen Loch raus holen. Und ich bin sicher, dass ich es ohne Klinikaufenthalt schaffen kann.

Und – ja, ich habe in den letzten 1 1/2 Jahren große Fortschritte gemacht, denn solange ist das letzte ganz tiefe Loch her. Und da hat es noch Monate gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass es eben nicht nur eine simple Erschöpfung ist, sondern eine depressive Episode. Dieses Mal waren es drei Wochen – das kann ich mir auf jeden Fall als Fortschritt verbuchen.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass ich, wie schon erwähnt, ohne Medikamente war und trotzdem die letzten Monate gut gemeistert habe. Trotz der emotionalen und körperlichen Belastungen, die da waren. Daher zieht mich das auch nicht runter, dass ich jetzt wieder die Unterstützung durch die Medikamente in Anspruch nehmen muss. Sondern ich bin stolz darauf, dass ich in den letzten Monaten meinen Haushalt weitestgehend im Griff hatte, dass ich die Belastungen gut gemeistert habe und dass ich trotz des tiefen Loches, in dem seit 3 Wochen sitze, nicht nur völlig lethargisch in der Ecke gesessen habe sondern weiter für meine Familie gesorgt habe. Inklusive Kekse backen :-)

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  1. u

    Ich bin sehr stolz auf dich! Du hast wirklich so vieles zum Positiven verändert. Du hast es hinbekommen trotz der Depression aktiv zu sein. Du hast es geschafft, dich zu öffnen ohne dass es vorher einen Knall geben musste, der alle massiv belastet. Du bis in die Depression hinein geglitten, hast es erkannt und steuerst nun selbstständig dagegen. Hut ab!

    Ich liebe dich von Herzen und bin immer an deiner Seite. Danke dafür, dass ich das darf und dass du ebenso trotz deiner eigenen Belastungen auch für mich da bist!

    Kämpfe weiter mein Engel!

  2. S

    Sue

    Da hast du wirklich gut an dir gearbeitet, dass du das für dich erkennen kannst und weißt, wie du es meistern kannst. Und wenn jetzt dann doch noch mal Medikamente den Prozess unterstützen, ist das völlig in Ordnung.

    Ich freue mich sehr, dass dein Schatz dich dabei so super unterstützt und dass du dich und deine Bedürfnisse so gut kennst.
    Mach weiter so.

  3. V

    Vergissmeinnicht

    Ja, lecker Kekse. Vielen lieben Dank dafür.
    Ich hoffe die Medis haben angeschlagen und es geht dir in zwischen besser?

    Liebste Grüße und ganz viel Kraft dir

    • I

      Ionovia

      Ja es geht wieder viel besser. Ich muss zwar immer noch aufpassen, aber ich bin zufrieden.

      • V

        Vergissmeinnicht

        Das freut mich sehr. Bei uns haben die Tabletten selten angeschlagen und wenn, dann nicht für lange…

        Alles Liebe dir ❤️

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