Erlebtes, Erlebtes von unsereins me

Beamten-Irrsinn

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Wie der Ein oder Andere weiß, ist uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ zu 100% erwerbsunfähig berentet. Auch wenn früher nicht schlecht verdient wurde, ist der Körper doch einfach zu jung um soviel Rente zu erarbeiten, dass man davon mit Familie einfach so leben könnte. Zum Glück ist es ja so, dass in diesem Land nicht alles schlecht ist und es durchaus einiges an Unterstützung gibt, wenn das eigene Einkommen nicht ausreicht. Über die Sinnhaftigkeit der Höhe möchte ich hier nicht schreiben. Wir kamen in den letzten Jahren damit immer über die Runden, auch wenn Anpassungen / Einschränkungen notwendig waren.

So ist es zwar nötig gewesen den PKW abzustoßen und große Sprünge wie ein Urlaub sind auch nicht mehr drin, aber da wir keine Süchte oder Laster haben (wäre ja auch bekloppt, sich keinen PKW leisten zu können, aber einen Laster zu haben 😉), kommen wir dank des Pflegegeldes, der Hausmeistertätigkeit und der staatlichen Unterstützung über die Runden. In Deutschland hat man ab einem gewissen Einkommen – dass ich durch die Rente + Hausmeistertätigkeit erreiche – die Möglichkeit Wohngeld zu beantragen und wenn Kinder zur Familie gehören, ist es auch möglich unter gewissen Umständen einen Kindergeld-Zuschlag (KiZ) zu erhalten.

Und so war es dann hier auch in den letzten Jahren der Fall. Als dann diesen Monat klar war, dass der letzte volljährige Sohn von Zuhause auszieht, war uns klar, dass das Wohngeld und das KiZ entsprechend gekürzt werden würden. Um nicht hinterher irgendwelche Probleme zu bekommen haben wir sofort die passenden Stellen über seinen (bevorstehenden) informiert. Und wie erwartet kam von der Wohgeldstelle ide Information: "Alles OK, wir berechnen zum 01.05.2018. das Wohngeld neu." Und nur kurze Zeit später war der Bescheid da. Alles so, wie uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ das auch im Vorfeld ausgerechnet hatten.

Nur die Familienkasse ließ sich Zeit – es kam dann irgendwann ein Schreiben, in dem weitere Informationen eingefordert wurden. Man forderte die Einkommensinformationen für den folgenden Monat an – natürlich mit einem Rückantwort-Datum vor dem nächsten Monat :) Außerdem wollten Sie wissen ab wann genau unser Sohn nicht mehr da sei und wie lange er sich schon vorher außerhalb der Wohnung aufgehalten hätte. Das wurde also beantwortet mit dem hinweis, wann der voraussichtliche Auszugstermin ist. Voraussichtlich, weil das Auszugsdatum ja noch nicht vorbei war. Und da ja die Wohngeldstelle schnell war haben wir den Bescheid von denen auch noch dazu gepackt.

Alles easy, oder? Könnte man meinen… Nicht bei unserer Familienkasse. Wiederum einige Tage später flattert uns ein Schreiben ins Haus. "Ihre gemachten Angaben sind nicht ausreichend zur Entscheidungsfindung. Wir benötigen a) Ihre Einkommensinformationen für den aktuellen Monat, b) den Nachweis, dass er ausgezogen ist in Form einer Ummeldebestätigung, c) die genauen An- und Abreisezeiten des Sohnes und d) Wer bitte ist die Frau zu der er hinzieht und welches Verwandschaftsverhältnis besteht?"

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ konnte nicht an sich halten und schrieb folgende E-Mail zurück:

Guten Tag Frau SoUndSo

a) Anbei die EÜR Auflistung für den Monat April sowohl für meine Frau als auch für mich.

b) Die uns bekannten Abwesenheitszeiten wurden Ihnen bereits im letzten Schreiben mitgeteilt. Noch genauer als das Angegebene kann ich es nicht auflisten. Vom 28.04. war er dann, wie im letzten Schreiben als 'voraussichtlich' deklariert, wegen den Umzugsarbeiten bei seiner Freundin und immer wieder mal hier um seine Sachen aus unserer Wohnung zu holen. So wie es bei einem Umzug halt üblich ist – einpacken, hinfahren, auspacken, zurückfahren, einpacken, hinfahren… Wissen Sie, wann genau Sie und jedes Ihrer Familienmitglieder im letzten Monat an jedem Tag das Haus verlassen hat und wann jeder wieder zurück gekommen ist? Wir wissen das weder in Bezug auf unseren volljährigen Sohn, noch in Bezug auf die anderen Familienmitglieder – wir führen da weder Tagebuch, noch haben wir hier eine Stempeluhr. Sollte dies eine gesetzliche Notwendigkeit sein, war dies uns bisher nicht bekannt und wir bitten hiermit um die finanziellen Mittel, damit wir uns eine Zeitreise leisten können um diese Zeiten nachträglich von ihm per Stempelkarte erfassen zu lassen. Nach Rücksprache mit der Servicehotline der Familienkasse wurde uns bestätigt, dass die Daten doch vorhanden sind und wir nur angeben sollen, dass wir es nicht noch genauer sagen können.

c) Ja, er wurde von uns beim Vermieter abgemeldet. Eine entsprechende Bescheinigung des Vermieters liegt uns aber noch nicht vor. Sobald ich die habe schicke ich die Ihnen zu. Eine Ummeldebescheinigung – wie Sie fordern – kann ich Ihnen nicht zukommen lassen. Eine solche wird hier von der Stadt nicht ausgestellt. Vielmehr kann ich mit der Bestätigung des Vermieters eine Abmeldung vornehmen und mir diese Bescheinigen lassen. Die Anmeldung ist Sache meines volljährigen Sohne, der ja nun nicht mehr hier im Haushalt lebt. Ergo Sum kann ich die nicht für ihn vornehmen. Wenn Ihnen die Abmeldung der Stadt ausreicht, sende ich Ihnen diese gerne zu, sobald ich sie vorliegen habe.

d) Frau Sagichnicht (sen.) ist die Mutter der Freundin (Frau Sagichnicht jun.) meines Sohnes und steht in keinem Verwandschaftsverhältnis zu ihm. In den Monaten vorher hat sich mein Sohn nur in einem normalen Umfang bei seiner Freundin Zuhause aufgehalten. Er ist ja zu der Zeit a) noch in der Schule gewesen (also von morgens ca. 07:00 – 14:00 für die normale Schulpflicht nicht bei uns zuhause gewesen) und b) hat hier normal geschlafen und gewohnt. Ansonsten ist er in seiner Freizeit – wie für einen 18-jährigen üblich – auch mal mit Kumpels unterwegs gewesen und hat mal eine Nacht am Wochenende bei dem ein oder anderen Kumpel verbracht. Es gibt dazu keine genauen Anreise- und Abreisezeiten.

Und zu guter Letzt eine ziemlich genervte Bemerkung: Ihnen ist schon klar, dass ich weniger Geld von Ihnen haben möchte? Ich habe keine Erhöhung oder ähnliches einfordert. Das Geld, was sie an KiZ in Zukunft einsparen wird hier gerade offensichtlich fleißig im Beamten-Apparat verbraten. Interessanterweise war es für die Wohngeldstelle keine Schwierigkeit die Zahlungen an uns zu senken ohne dieses Brimborium. Eventuell sind auch Sie in der Lage mit den vorhandenen Informationen zu einem Abschluss zu kommen. Sollte dies nicht der Fall sein, bin ich gerne bereit mit ihrem Dienststellenleiter darüber längere Zeit zu diskutieren, ob es sich lohnt bei Einsparungen Zeit für Bürokratie zu verschwenden. 

Meiner Bitte um Bestätigung des Eingangs sind Sie nachweislich bei der letzten Nachricht an Sie nicht nachgekommen. Ich fordere daher nun nochmals eine Eingangsbestätigung auch für diese E-Mail ein. ​ ​Ansonsten viel Freude und mit freundlichen ​​Grüßen​ obwohl wir ziemlich genervt sind.​ 

​P​.S.:​ Ironie, Sarkasmus und schwarzer Humor werden von mir nicht in Rechnung gestellt. Sie dürfen also über die lustigen Passagen auch gerne lachen und sich frei überlegen, wie sie damit verfahren. Aber wahrscheinlich muss dafür auch irgendein Formular ausgefüllt werden. Sollte dies so sein, bin ich gerne bereit dieses auszufüllen, damit auch Sie mit offizieller Genehmigung einen heiteren Arbeitstag haben. Angriffe auf Sie oder Ihre Person, Ihr ausgeübtes Amt oder Ihre berufliche Tätigkeit wurden hiermit nicht vorgenommen und so sollte die E-Mail dann auch nicht verstanden werden.

P.P.S.: Nein, ich mache Ihnen keine Vorschriften, wie Sie Ihre Arbeit zu erledigen haben. Die Vorgehensweise ist Ihnen freigestellt, uns dagegen ist es gestattet die Herangehensweise nicht zu verstehen.

P.P.P.S: Kennen Sie das Haus das Verrückte macht aus Asterix? Sehr erheiternd das ganze.

P.P.P.P.S: Mir gehen leider die P’s aus, sonst würde ich wohl noch mehr schreiben.

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ hat ja feste damit gerechnet, dass es nun zu einem großen bürokratischen Tauziehen kommt und sich mental schon auf einen tollen Nachmittag bei dem Diensstellenleiter der Familienkasse gefreut. Aber daraus scheint nichts zu werden. Also nicht sofort. Aber im Oktober sehr wahrscheinlich… Wieso im Oktober?

Naja, wir haben nun den Bescheid zum KiZ erhalten. Die Familienkasse gewährt uns den vollen Satz für 2 – in Worten zwei – Kinder. Also keine Kürzung, sondern sie zahlen einfach weiter den vollen Betrag.

*Hand vor die Stirn klopp*

Ähm? Wahrscheinlich ist das Sachbearbeiterwesen lachend vom Stuhl gefallen und dabei auf den "OK"-Knopf gekommen. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum erst ein Aufheben gemacht wird um irgendwelche unnützen Details und dann völlig gegen alle Gesetze zu diesem Thema einfach der volle Betrag weiter gezahlt wird. Wie dem auch sei. Das ist uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ nun zu blöd. Das zu viel gezahlte Geld legen wir auf ein Sparkonto und im Oktober beantragen wir Verlängerung. Mal sehen, ob sie dann irgendwas ändern oder wir vom Dienststellenleiter auf einen Kaffee eingeladen werden weil sie das Geld wieder zurück haben wollen.

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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Erlebtes, Erlebtes von unsereins me

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  1. S

    Sue

    Wir können nicht einschlafen und haben dann mal euren Blog gelesen. Nun schmunzeln wir und können erst recht nicht schlafen.

    Aber so ein Bramborium kennen wir mit unserer Familienkasse derzeit auch. Haben wir die selbe? Eventuell sogar die selbe Sachbearbeiterin? Unsere hat von uns einen ähnlichen Brief bekommen.

    Ich glaube sie braucht noch ganz dringend den Passierschein A38 .

    Alles Liebe und viele Grüße sendet Euch Sue

  2. V

    Oh man! Was für ein Irrsinn!
    Aber danke, wir haben echt herzlich gelacht.

    Wir würden uns ja eher aufregen, leider. Können wir bitte etwas abhaben von eurer Geduld und diesem herrlichen Humor?

    LG

    • u

      Neee, den brauchen wir regelmäßig selber, sonst wäre so manches nicht zum aushalten :) Da bin ich ganz ebsch ;)

      Aber ich schaue mal, ob ich wo ein ungeöffnetes Päckchen Humor finde, dass ich dir zusenden kann :D

  3. M

    Melinas

    Hahahahaha….das habe ich auch noch nie gehört, dass man für den Sarkasmus belohnt wird.
    Halt mich auf den Laufenden – da kommt totsicher noch was nach….
    Aber es war sehr erheiternd und ich kenne solche ironischen, sarkastischen "Anwandlungen" nach endlosen sinnlosen Bürokratismus…. ;)

  4. S

    Schmunzler

    Was für ein absolut köstlicher Brief. Davon schneide ich mir für meinen nächsten Beamtenirrsinn eine Scheibe von ab. Danke sehr für Sonntagmorgendliche Schmunzler :-)

  5. M

    Maryla Leopold

    Hallo Ihr,
    Ich finde es ziemlich komisch was hier passiert ist. Aber da sieht man, Beamte brauchen länger. Ich finde es klasse das du dich nicht unterbuttern lässt.

    Maryla

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