Erlebtes, Erlebtes von unsereins me

Bern.

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Vorab möchte ich mich für all die guten Wünscher per Messenger, SMS und E-Mail bedanken, die uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ bezüglich der Begutachtung erhalten hat. Danke euch allen! Sicher nicht alles von dem was gestern bei der Begutachtung gesagt und gehört wurde ist auch hier bei mir angekommen, bzw. so gespeichert worden, dass ich darauf im Moment Zugriff habe. Aber das was ich erfasst habe, möchte ich euch gerne mitteilen.

Am Vortag wurde uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ vom Betreuer bis nach Mannheim gebracht und dort hatten Ionovia, der Sohnemann, eine Freundin meiner Frau und der Betreuer einen schönen Tag im Luisenpark. So wurde ganz viel Anspannung im Vorfeld abgebaut. Eine sehr gute Entscheidung. Danach ging es für uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ weiter zu meinem leiblichen Vater. Die Nacht war eine ziemliche Katastrophe. Mehrfach wach, oftmals Dämmerzustand und ganz viel Diskussion mit einem von unsereins, der momentan zu den schwierigeren Kandidaten gehört. Am nächsten Tag dann bereits morgens früh – völlig übermüdet – in Richtung Bern.

Wie mit den Ärzten und Therapeuten besprochen wurde vorab das Notfall-Medikament eingenommen. Das war auch mehr als nur gut so. Die Hinfahrt wurde zum Großteil verschlafen. Aber ich hasse die Übelkeit, die die Melperon bei mir immer auslösen. Es ist so eine Übelkeit, wie sie von Schlafmangel ausgelöst wird. Und in diesem Fall war das doppelt schlimm. Das ein oder andere Mal dachte ich, ich muss mich übergeben.

In Bern angekommen, wurde zu der Adresse der Gutachterin gegangen. Allerdings gut 1,5 Stunden zu früh. Wer kann auch damit rechnen, dass es bei über 300 km Fahrstrecke keinen einzigen Stau gibt? Da auf das Klingeln nicht geöffnet wurde, sind uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ sowie mein Vater erst ein Brötchen essen und einen Kaffee trinken gegangen. Ja Holla die Waldfee: Wie teuer! 5,50 CHF für ein kleines Baguette-Brötchen mit Salami und 4,40 CHF für eine Tasse Kaffee! Lecker ja, aber total teuer. Da aber die Kraft nicht reichte irgendwie einen auf 'Touri' zu machen, musste die erste Gelegenheit zum Essen und Trinken her halten.

Schon kurz vor Ende der Tasse Kaffee ging der Kreislauf massiv in den Keller. Mit wirklich letzter Kraft in den Hausflur geschleppt und auf die Treppe gesetzt. Der Vater klingelte nochmal – diesmal öffnete die Gutachterin und entschuldigte sich, dass sie vorher nicht geöffnet habe – irgendwie würde ihre Klingel wohl nicht funktionieren. So konnte uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ dann aber eine Stunde früher als geplant zur Begutachtung rein. 

Als Erstes habe ich die rote und grüne Karte sowie das Anschreiben abgegeben. Sie hat es sich durchgelesen, eine Frage gestellt und das ganze mit: "Ja, danke, das ist gut." kommentiert. Tatsächlich war es nicht nötig die Karten zu verwenden. Sie hat von sich aus gemerkt, wenn es zu viel wurde und dann pausiert. Sie hat gesagt bekommen, dass ohne die Ruhigstellung durch die Medikamente sehr wahrscheinlich wäre, dass sie einen Freiflug gewinnen würde. Sie hatte damit erstaunlicherweise kein Problem und meinte nur, es wäre nett, wenn es ihr im Vorfeld mitgeteilt würde, falls es so weit zu kommen droht. 

Viele Teile des Gespräches bekomme ich gerade nicht zusammen. Aber einige 'Highlights'. So war sie wirklich vorbereitet und hatte die alten Gutachten gelesen, sich Notizen dazu gemacht und Fragen zu für sie offenen Punkten gestellt. Irgendwann im Gespräch musste dann ja über die Traumata gesprochen werden. Zur Überraschung von uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ sagte sie: "Die Informationen nehme ich aus den bisherigen Gutachten. Ich kann unter den gegebenen Umständen, nicht verantworten, dass mit Ihnen zu besprechen. Es ist keine Option, diese Dinge detailliert zu besprechen, da Sie ja nicht hier direkt zu einem Facharzt können."

Zum Ende des Gespräches habe ich sie für ihren guten Umgang und mich dafür bedankt, das sie so achtsam gearbeitet hat – da uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ das ja anders kennt. Sie meinte mit einem Lachen: "Nicht alle Gutachter arbeiten so unmenschlich schlecht wie ihr letzter." Ich habe dann noch nach ihrer Einschätzung gefragt, weil unsereins sich sonst weiter verrückt macht. Sie hat dann für Ihre eigentliche Aussage erst noch folgende Information zur Erklärung 'vorgeschoben': Wenn nur eine Dissoziative Störung oder eine Dissoziative Identitätsstörung vorliegt ist das gemäß der schweizer Regularien keine schwere Störung. Schließlich gibt es Personen, die sich sehr gut organisiert haben mit ihrer Störung und durchaus in der Lage sind ein ’normales' Leben zu führen.  Daher differenziere die Schweiz, ob noch andere Probleme außerhalb dessen, dass man 'Stimmen hört' vorliegen. Ihrer Einschätzung liegt bei bei uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ eine schwere Störung vor und sie teilt die Einschätzung aller vorherigen Gutachten. Der Grund dafür ist nicht, dass es hier keinen Integration gebe – das sei durchaus der Fall. Vielmehr liege es daran, dass ja auch Depressionen, Burnout, Panikattacken, Albträume, Flashbacks und zusätzlich körperliche Symphtome vorliegen. Auch wenn uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ therapeutisch sehr gut aufgestellt ist, und viel erreicht wurde, wird eine engmaschige therapeutische Begleitung auf Lebenszeit notwendig sein und bedingt, dass eine Arbeitsfähigkeit in keiner Form gegeben ist. Jede Besserung diene für uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ dazu, die Lebensqualität anzuheben, werde aber nicht zu einer Arbeitsfähigkeit im Sinne der schweizer Gesetzgebung führen.

Danach war dann Schluss… das Ganze hatte 2,5 Stunden gedauert. Da muss also noch wesentlich mehr gewesen sein… Aber offensichtlich ist da der interne Speicher mal wieder voll… Der Vater war bereits da um uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ abzuholen. Während der Rückfahrt fiel der Stress und die Anspannung so langsam ab – mit der Folge, dass die Verkrampfung in der linken Hand sich endlich löste und mir auffiel, dass ich die Quittung für die 15 CHF Parkgebühr vergessen habe… naja… egal… ist ja nur Geld…

Die letzte Nacht war dann eine Koma-Nacht. 4:08 Stunden Tiefschlaf und 4 Stunden leichter Schlaf. Heute dann viel Ruhe angetan und nun ist es soweit wieder OK im Innen, dass ich mich nur weiter mit dem einen schwierigen Kollegen auseinandersetzen muss… und die vielen Änderungen verarbeiten muss, die im Innen in den letzten Tagen geschehen sind.

Nun heißt es die anderen Belege zusammen zu stellen, der Gutachterin noch den Lebenslauf zu zu schicken und zu warten auf die Dinge, die da als nächstes geschehen werden. Ich denke, dass es das war, was zu tun ist…

uɴsᴇʀᴇins & ᴍᴇ

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  1. m

    melinas

    Ja super habt Ihr das geschafft!!!! Und gut, dass Ihr soviel Beistand habt. Das Ergebnis könnt ihr wohl jetzt einigermaßen ruhig abwarten!!!!
    Übrigens in der Schweiz ist auch deshalb alles teuer, weil die auch dort viel mehr verdienen.
    Liebe Grüße
    Melinas

  2. V

    Kein Tsunami also, super.
    Es freut mich sehr, dass ihr es nun überstanden habt. Und so wie es sich anhört wird das Ergebnis wahrscheinlich positiv ausfallen für euch.
    Erholt euch gut, ihr habt es euch verdient.

    • u

      Vielen vielen Dank. Schon ein Tsunami, aber er traf nicht auf bewohntes Gebiet… Im Innen ist aber einiges 'losgetreten' und 'aufgewühlt' worden, dass in den nächsten Tagen und vielleicht Wochen noch viel Kraft Kosten wird… Erholung wird es da wohl immer nur zeitweise geben..

  3. V

    Tut mir leid für euch.
    Aber zumindest war es für einen guten Zweck, nämlich für euch, also nicht um sonst.
    Liebe Grüße

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