Die ganz persönliche Vase

In dem Beitrag über die Echtheit von Innens habe ich das Beispiel der Vase aufgeführt und zusammen mit anderen Lesern noch weiter entwickelt. Dieses ‚Konzept‘ ist an sich bestimmt gar nicht neu – ich bin mir sicher, irgendwer wird das schon mal auf die ein oder andere Weise verwendet und eventuell auch ähnlich dargelegt haben. Nun ist es aber so, dass dieses Bild bei unsereins & me dafür gesorgt hat, dass noch einmal genauer hingeschaut wird… sich mit der ganz persönlichen Vase noch intensiver auseinander gesetzt wird.

Beim genauen hinschauen wurde mir einiges klar und es wurde für mich nötig, die Vase optisch darzustellen. Nun ist es garnicht so einfach gewesen, eine Vase zu finden, die hier im Innen mit „Ja, die passt“, von allen abgesegnet wurde. Aber es gelang nach längerem Suchen. Eine schlichte Vase, keine die sich in den Vordergrund drängen will, aber die sich durchaus sehen lassen kann. Für viele möglicherweise nicht gerade eine Schönheit. Aber naja… unsereins & me findet sich selbst auch nicht schön… passt also.

Die Vase sieht auf den ersten Blick ganz ok aus… So wie sie für jeden vorbeilaufenden wirkt, der nur flüchtig hinschaut.

Damit ihr sie von jeder Seite sehen könnt: Links die Vorderseite, Rechts die Rückseite.

Das ist offensichtlich aber nur der äußere Schein. Als Restaurator kann man mit der richtigen Technik und die Glasur schauen und sieht bei genauerem Betrachten unter der Glasur einige ziemlich große Risse.

Die Vase hat offensichtlich einiges abbekommen.

Da ja nun klar ist, das Die Vase stark beschädigt ist, interessiert es den ein oder anderen eventuell, wie die Vase darunter aussieht. Ich fange mal unten in der Mitte an, die Glasur zu entfernen um euch mehr zu zeigen.

Vom Boden über den Rand geht das Bruchstück mit dem ‚Stempel‘ JN

OK, das bin also ich… das ‚me‘ von unsereins & me. Ich zeige euch mal die anderen Bruchstücke, die da zusammen gesetzt wurden und nun nach außen so gut zusammen zu passen scheinen.

Was für ein Scherbenhaufen das vorher war ist dem flüchtigen Betrachter kaum klar.

Wenn man genauer hinschaut, sind einige Stücke regelrecht miteinander verzahnt. Zwischen anderen Stücken dagegen ist ’nur‘ eine Füllmasse vorhanden und gibt so den notwendigen halt. Ja, jedes dieser Stücke das hier zu sehen ist, ist ein Innen im System von unsereins & me. Und offensichtlich haben viele Stücke sich im Laufe der Lebensjahre regelrecht abgenutzt – denn ganz genau passen sie nicht mehr an die umliegenden. Eine ganze Anzahl von diesen Stücken ist aber auch sehr nahe an anderen, ohne mit ihnen ‚verzahnt‘ zu sein.

Einige Stücke sind dabei im Übrigen nicht gerade gut auf die anderen zu ’sprechen‘. Die eine Gruppe haftet nicht so gut an einer anderen und andere Stücke sind einzeln von der Füllmasse des Restaurators umgeben.

Ein genauer Blick ist hier per Klick möglich.

So ist es hier im Innen… Ein paar sind miteinander vereint (verzahnt) und sind so feste zusammen, als ob sie eine Scherbe wären. Andere sind so nahe aneinander, dass kein zusätzlicher Füllstoff nötig ist, um (Zusammen-)Halt hinzubekommen. Dann sind dort die gelb umrandeten, die untereinander gut zusammenpassen, aber sich gegenüber anderen sehr abgrenzen. Die rot umrandeten sind die besonders schwierigen… entweder sind sie so extrem in ihren Ansichten, dass sie ‚gesperrt‘ wurden – so wie die auf der Rückseite. Oder sie sind einfach sehr un-kommunikativ. Sie brauchen aber auch keine anderen um halt zu haben oder besondere Aufgaben. Sie sind da und das ist OK… aber mehr ist wohl auch nicht nötig.

Im Übrigen ist nach der Auffassung von unsereins & me etwas viel wichtiger, als der äußere Eindruck. Ja, die inneren Werte sind im Vase-Model tatsächlich in dem Hohlraum zu finden. Er scheint leer zu sein. Die meisten Menschen mögen das wohl denken, wenn sie eine Vase ohne Inhalt sehen. Doch tatsächlich ist dort etwas drin. Luft! Luft zum Leben und Atmen.

Der sogenannte ‚Kern‘ ist hier also nicht etwa eine feste Masse, sondern weist wahnsinnig viele Eigenschaften auf. So wie die reale Atem-Luft eine ganz spezifische Zusammensetzung hat, die je nach örtlicher Umgebung und aktuellen Wetterverhältnissen etwas unterschiedlich ist, so ist auch das innere der Vase ganz individuell. Doch dieser ‚Kern‘ kann so vieles!

Schon einmal versucht ein Glas im Vakuum zum Klingen zu bringen? Es ist nicht möglich. Die Luft sorgt dafür, dass der Klang übertragen wird. Die Luft wird in Schwingung gebracht und bringt so den Klang zu dir. Ohne die Luft kein Klang. So kann der Innere Kern auch den äußeren Menschen zum ‚Klingen‘ bringen. Die ‚inneren Werte‘ zeigen sich im Außen. Und gleichzeitig ist jedes einzelne Teil der Vase diesem Kern gleich nahe – kann also von diesem Kern beeinflusst werden.

So ist es auch ein Ziel, noch besser mit dem Kern von unsereins & me in Einklang zu kommen. Ein Kern mit einer ganz individuellen, ausgewogenen Zusammensetzung:

Wissen – Weitsicht – Weisheit – Macht – Güte

Und ja, auch jedes einzelne Teil der zusammengesetzten Vase hat einen Einfluss auf die Stabilität aller Teile – auf den Zusammenhalt.

Zusätzlich ist hier noch eines wichtig in meiner Wahrnehmung: Einige Teile sind mir, also ‚me‘ sehr nahe. Andere Teile sind von mir weit weg. Aber ich kann ihnen auch gar nicht nahe sein. Wenn ich das versuchen würde, würde ich entweder meinen Platz verlassen oder versuchen dieses Stück von seinem Platz weg zu bekommen. Die ganze Vase würde darunter leiden. Aber durch die Füllmasse, die mit vielen kleinen ‚Staubkörnern‘ angereichert wurde, die von den Scherben übrig geblieben sind, ist eine Verbindung da. Nicht nur über den Kern, sondern eben auch über dieses ‚Netzwerk‘ dass unsereins & me schaffen musste um zu überleben. 

Auch wenn unsereins & me nach außen gerne heile wirkt und der ein oder andere der Meinung ist, dass doch alles super wäre. Ich weiß, wie es unter der Glasur aussieht. Ich hatte die Aufgabe mit an der Restauration zu arbeiten und die Teile so zusammen zu setzen, wie sie ursprünglich waren. Und ich darf die Vase als ganzes präsentieren.

Und immer mehr wird durch dieses Bild klar: Ich bin Teil der Vase und jeder andere hier Innen ist auch Teil der Vase. Somit ist jedes der Vasen-Teile auch ein Teil von mir. Denn wir waren mal zusammen, wurden zerbrochen und haben wieder zueinander gefunden. Also ist alles was einem Teil der Vase geschehen ist, tatsächlich auch mir geschehen. Jeder Schmerz, jede Freude, jedes Weinen, jedes Lachen, jedes Bangen und jeden Hoffen. Alles das ist mein Erlebtes, Überlebtes und Gelebtes.

Ich bin eins, auch wenn es viele Scherben sind, aus dem alles wieder zusammengesetzt wurde. Denn ich war auch vorher eins. 

Und dennoch darf ich weiterhin von unsereins & me reden, denn ich weiß wohl, dass mir immer noch Erinnerungen, Fähigkeiten, Emotionen und Erlebnisse aus der Vergangenheit fremd sind.

In diesem Sinne:

Die Vase unsereins & me

Bei der gefundenen und hier als Grundlage verwendeten Vase handelt es sich übrigens um die Vase 324 der Hedwig Bollhagen Werkstätten für Keramik. Daher unterliegt dieses Bild dem Copyright der Eigentümer.

4 Gedanken zu „Die ganz persönliche Vase“

  1. Lieber me/ Du 😉
    danke für diese noch weiter entwickelte Sichtweise….
    aber eins musst Du zugeben bei diesem Bild: wenn man eine ganze ungebrochene Vase auf den Boden knallt dann ist sie stabiler als eine, die zwar wieder zusammengefügt ist, aber eben schon mal gebrochen war.
    Aber jeder Vergleich hinkt….vielleicht könnte es sein, wie es bei Brüchen von Knochen ist, dass die Bruchstellen sogar stabiler sind…
    Ich wünsch euch eine wundervolle Woche mit viel Stabilität!
    Melinas
    (PS.: vielleicht sollte ich mich ja auch Melinas und ich nennen 🙂 )

    1. Naja, über die Stabilität kann ich (noch) nichts sagen und den Vergleich zu einer unbeschädigten Vase kann ich auch nicht stellen. Ich kenne unsereins & me nicht als heile Vase – also fehlt da eine Vergleichsmöglichkeit.

      Wenn ich aber mal so an die Lieblings-Erb-Tasse einer Bekannten denke, die zig mal vom Tisch gefallen ist, bevor sie kaputt ging und die sie wieder zusammengeklebt hat… dann weiß ich, dass diese Tasse bisher selbst durch die Urenkel nicht mehr kaputt gegangen ist… Ob sie nun stabiler ist als vorher oder nicht… Keine Ahnung…aber sie ist wieder eine nutzbare Tasse und weiterhin ein Erbstück von ideellem Wert.

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