Die Frage des Seins: Real oder Schein?

Aufgrund einer Nachfrage von Melinas kam es zu einem längeren E-Mail-Austausch. Letztendlich fragte Melinas am Ende, ob ich die Informationen aus der E-Mail nicht bei ihr im Blog als Kommentar hinterlassen möchte. Letztlich empfand unsereins & me es aber für stimmiger hier einen eigenen Beittrag diesbezüglich zu veröffentlichen. Der Grundgedanke drehte sich um die Frage ob unsereins & me auch so etwas wie einen „inneren Beobachter“ kennen/haben würde. Dabei traf Melinas eine Aussage, die sie auch in Ihrem Blog darlegte und mit der unsereins & me überhaupt nicht daccord geht:

…da kam mir am Ende der Gedanke oder besser die Feststellung: Ja, wenn […] die anderen Innens alle nicht echt sind und alle Innens nur Scheinpersönlichkeiten […] und alle Innens und AnP vielleicht diese Scheinidentitäten sind […] tatsächlich alle gar nicht in diesem Leben echt sind.

Melinas Schreibfamilie

Zum Anfang in dem E-Mail-Austausch stellte ich klar, dass unsereins & me die Begrifflichkeiten „Scheinidentität“ und „Scheinpersönlichkeit“ in der Anwendung auf DIS / DSNNS zum Kotzen findet. Dabei geht es unsereins & me nicht darum Melinas abzuwerten, bloß zustellen oder gar schlecht zu machen. Letztlich ist unsereins & me sogar sehr dankbar, das Melinas sich mit der Frage und ihren eigenen Worten bei uns gemeldet haben. Aber es ist einfach die ehrliche Emotion, die hier im Innen diesbezüglich ausgelöst wird.

Nachdem dann auch heraus gestellt war, dass es dabei nicht darum geht diese Begriffe im Zusammenhang mit einer bestimmten Therapie oder religiösen Überzeugung zu sehen, konnten Melinas und unsereins & me einige sehr interessante Dinge erarbeiten und Melinas ist der Meinung ist, dass es auch für andere Leser / Betroffene hilfreich sein könnte. Und da stimme ich ihr dann absolut zu – ich denke auch dass die folgenden Texte hilfreich sind. Auch wenn unsereins & me natürlich genauso wenig wie Melinas die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und andere da auch gerne völlig anders drüber denken dürfen. Jeder darf und sollte schauen, inwieweit es mit seiner eigenen ‚Wahrheit‘ / Wahrnehmung übereinstimmt.

Scheinidentitäten

Das Wort „Scheinidentiät“ ist von der Definition (Duden / Wikipedia) her aus der Beamtensprache und bezeichnet die absichtlich erzeugte Legende. Also eine geplant angelegte falsche Identität zum Zwecke einer verdeckten Ermittlung. Das Wort „Schein“ sagt dabei aus, dass es darum geht, absichtlich den Eindruck zu erwecken, dass eine bestimmte Sache wie auch immer geartet ist. Es handelt sich also um eine bewusste, absichtliche Vorspiegelung und Täuschung anderer Personen.

Keine Person die wirklich an DIS (oder DSNNS) ‚erkrankt‘ ist, spielt die anderen Persönlichkeiten vor. Die Wechsel in der Erinnerungs-, Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit sowie den Charakterzügen sind nicht bewusst von dem Betroffenen ausgewählt und werden nicht bewusst abgerufen. Damit sind per diese Wechsel per Definition nicht absichtlich, sondern Folge der Störung natürlicher biochemischer und neuronaler Prozesse (Trauma- und dementsprechend stressbedingt). Somit sind auch die ‚Charaktere‘ oder Persönlichkeiten kein Schein, sondern in diesem Sinne ‚echt‘ oder ‚real‘ vorhanden.

Bei anderen Diagnosen mag es durchaus Scheinidentitäten in dem oben beschriebenen Sinne geben – bei Histrionikern, Narzissten und notorischen Lügnern kommt das zum Beispiel durchaus vor. Ebenso bei anderen Diagnosen wo Betroffene als Ziel haben Außenstehende gemäß dem eigenen Willen zu beeinflussen. Aber nicht bei DIS (oder DSNNS). Denn DIS / DSNNS (mit seinen Persönlichkeiten) sind von dem Betroffenen eben nicht bewusst gewählt um anderen etwas vorzuspielen, sondern sie sind ein Überlebensmechanismus.

Das ist doch nur ein Konstrukt!

unsereins & me möchte hier gerne einen Kommentar von Benita Wiese aus dem Beitrag Innens? Wer oder was aufgreifen und in angepassten Worten unsere Ansicht wiedergeben. Danke dir, Benita Wiese, für die Erlaubnis, den hervorragenden Kommentar zu nutzen und teilweise 1:1 in deinem Wortlaut zu übernehmen. 

Das System DIS / DSNNS mit seiner Aufteilung als ein Hilfskonstrukt zu bezeichnen ist absolut korrekt. Das innere Konstrukt das nötig war um der Not und Gewalt zu entkommen, besteht aus ‚Innenwesen‘ und ‚Alltagsperson(en)‘. Alle sind gleich wert(ig)! Das System ist beides – Innen-Wahrnehmung genauso wie Außendarstellung. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die gesamte Identität nur eine Hilfskonstruktion ist. Jeder Mensch entwickelt seine Identität als Hilfe um das Leben zu meistern – völlig unabhängig von einer Diagnose. Das ist in Ordnung und eine große Leistung, die Menschen eben vollbringen müssen, da sie mit dem Potential sich weiter zu entwickeln geboren werden. Das Hilfskonstrukt zu bestaunen und letztlich Wertschätzung dafür zu entwickeln ist sicher eine große Herausforderung aber unserer Meinung nach der einzige Weg eine ‚Heilung‘ für sich selbst zu erreichen.

Die Vase und die Splitter

Wenn die traumatischen Dinge nicht geschehen wären, wären die Innens nicht als einzelne Persönlichkeit(sfragmente) da sondern derjenige würde sich als eine Person wahrnehmen, die alle Charaktereigenschaften in seiner persönlichen Gänze aufweist. So ist zumindest die uns bekannte Meinung der verschiedenen Fachleute. Die einzelnen Persönlichkeiten sind kein Schein, sondern ein Teilstück, das zu einem (zerstörten) Ganzen gehört.

Stelle dir eine echte, wunderschöne Vase vor. Künstlerisch gestaltet mit vielen Steinen besetzt und aus wertvollem Glas hergestellt. Wenn diese Vase herunterfällt, sind die ganzen Splitter überall verstreut. Dennoch sind dort nur Splitter, die aus dieser Vase bestehen. Da sind nicht Dinge dabei, die die Vase vorher nicht hatte. Klar ist es nicht mehr die Vase als Ganzes, die sie ursprünglich war. Aber die einzelnen Splitter sind dennoch die Vase. So ist es auch bei einem Multiplen – egal ob nun DIS oder DSNNS. Die ursprüngliche Persönlichkeit mit all ihren Eigenschaften ist durch die Geschehnisse zersplittert. Dennoch entsprechen die einzelnen Persönlichkeiten zusammengefasst dieser ‚Ursprungspersönlichkeit‘ – nicht mehr und nicht weniger. Doch so, wie man sich an einem einzelnen Splitter eher schneidet als an der heilen Vase, so ist auch ein Persönlichkeitssplitter in seiner charakterlichen Ausprägung ’schärfer‘ als die komplette ursprünglich heile Persönlichkeit war.

Mit der Schärfe der einzelnen Splitter meint unsereins & me: Eben weil sie nicht verbunden sind mit der ganzen Vase (also anderer Teile z.B. den Gefühlen) sind sie sozusagen ’schneidend‘, ’scharfkantig‘ und verletzend für einen selbst oder andere.

Fast alle Theorien die unsereins & me bezüglich DIS/DSNNS gelesen hat, sagen grob zusammengefasst eine der beiden folgenden Sequenzen aus:

‚Ursprungspersönlichkeit‘ erlebt Traumata → Zu Beginn versucht die ‚Ursprungspersönlichkeit‘ das mit einfacher Dissoziation zu verarbeiten → Wenn die Traumata weitergehen, gibt sich die ‚Ursprungspersönlichkeit‘ auf und fängt mit einer unbelasteten Version (‚Kopie‘) der ‚Ursprungspersönlichkeit‘ neu an → Diese Kopie ist die Essenz der ‚Ursprungspersönlichkeit‘ aus der dann alle weiteren Persönlichkeiten abgespalten werden um das Überleben zu sichern und wird in den verschiedenen Theorien oftmals ‚innerer Kern‘, ‚Über-Ich‘ oder ‚göttliches Kind‘ genannt.

Auch die Bezeichnung ‚Beobachter‘ wurde in diesem Zusammenhang mal in einem Bericht in Bezug auf den ‚inneren Kern‘ gebraucht. Hier schließt sich somit die Frage, ob unsereins & me einen Beobachter kennt/hat faktisch.

Ein Splitter hat eine oder mehrere der Eigenschaften und Fähigkeiten der ursprünglichen Persönlichkeit, aus der sie ja heraus gebrochen wurde. Sie ist kein Schein. Sie ist keine von dem Betroffenen bewusst erschaffte Person, sondern ein Teilstück des gesamten und voll umfänglichen (Ursprungs-)“Ichs“, beziehungsweise von dem sogenannten Kern. Dieser ist ja die Kopie der ‚Ursprungspersönlichkeit‘, die kurz vor dem Zersplittern des Originals angefertigt wurde – vergleichbar mit einer wertvollen Vase von der ein Duplikat angefertigt wurde. Dieser Kern steht als Ganzes da – wie die angesprochene Vase – und ist somit anders, umfassender als das was die einzelnen Splitter im Moment sind.

Wo ist das Original?

Die Frage wo das Ursprungskind (Original) geblieben ist, wird in verschiedenen Ansätzen immer wieder sehr ähnlich ausgeführt. Meistens heißt es dort, dass das Ursprungskind „nicht mehr vorhanden“, „nicht mehr aktivierbar“ oder „nicht mehr aufrufbar“. Manche Artikel schreiben auch das das Ursprungskind „zerstört“ oder „gestorben“ sei. Die verschiedenen ‚Experten‘ (im Moment) offensichtlich darin, dass das Ursprungskind zersplittert ist und die Eigenschaften im ‚Kern‘ (Kopie) erhalten sind. Änderung: Die verschiedenen ‚Experten‘ sind sich scheinbar nicht einmal darin einig, ob das Ursprungskind zersplittert ist und die Eigenschaften im ‚Kern‘ (Kopie) erhalten sind oder ob es keine Kopie gibt und Ursprungskind und Kern das Gleiche sind.

Wenn man von der ‚Kopie-Theorie‘ ausgeht, ist die Kopie des Ursprungskindes der Kern und ist weiterhin vorhanden, da ja die Eigenschaften der Ursprungspersönlichkeit weiter vorhanden sind. Der Kern (die Kopie) ist die Essenz der Eigenschaften des Ursprungskindes (Original). Der Kern weißt somit die gleichen Eigenschaften auf wie das Original, ist aber ’nur‘ eine Kopie. Diese Kopie ist keine Persönlichkeit, kein ANP oder EP. Sie ist der Kern, das was auch als ‚Beobachter‘ bezeichnet wird.

Wer ist der Ursprung der Splitter?

Die Fachleute sind sich in ihren Berichten dagegen nicht einig, ob der Kern nun der Ursprung der Splitter ist oder das Ursprungskind. Für unsereins & me ist es logischer, dass das Ursprungskind der Ursprung aller Splitter ist und der Kern das Abbild der symbolischen original Vase. unsereins & me denkt aber, dass der Kern einen Einfluss darauf hat, welche Splitter wann und wie wahrgenommen werden. So wie eine Kopie einer Vase oder ein Foto davon einem selbst beim Zusammensetzen der zerstörten original Vase hilft. Man sieht dann ‚plötzlich‘: „Ah, da kommt das Blaue hin“ und sammelt alle blauen Splitter zusammen.

Ähnlich wie man es meist auch bei einem Puzzle macht, wo ja auch eine ‚Vorlage‘ in verkleinerter Form dabei ist. Ohne diese Vorlage käme man eventuell gar nicht auf die Idee die bestimmten Teile gerade an diese eine Stelle hin zu packen.

Ergänzung: Es gibt aber wie oben geschrieben auch genug therapeutische Ansätze gibt, die aussagen, dass „Kern“ und „Ursprungskind“ das Gleiche sind und somit die Splitter direkt ein Teil des Ursprungskindes sind. Ich halte es für die Frage danach, ob die Splitter Echt oder Schein sind, nicht für ‚essentiell wichtig‘, wo die Splitter nun exakt herkommen. Für den Vergleich hier habe ich die ‚Kopie-Theorie‘ gewählt, weil ich auch den „Bauplan der Vase“ (oder die Vorlage für ein Puzzle) mit einbringen wollte.

Echt oder Schein?

Ist eine Scherbe, die von einer zerbrochenen Vase stammt ’nicht echt‘? Natürlich ist sie echt! Sie ist nur keine Vase mehr. Aber der Splitter ist echt. Und diese Scherben sind kein Schein, weil sie nicht so tun, als ob sie eine Vase wären. Sie sind ein Splitter. Völlig real. Und da die Innens von den Betroffenen nicht bewusst erschafft wurden und auch nicht so tun, als ob sie jemand anderes wären (sie zeigen sich als der Splitter der sie sind), sind sie eben keine „Scheinpersönlichkeit“. Sie sind reale Splitter eines Ganzen.

Jeder dieser Splitter ist ein echter Splitter. Nein keiner der Splitter ist eine Vase – aber jeder Splitter ist Teil der Vase und somit real und echt.

Es ist dabei auch völlig egal, wann die Persönlichkeit zersplittert ist. So wie es egal ist ob eine echte Vase am Tag der Erstellung, dem Tag des Verkaufs oder irgendwann in ihrer Existenz zerbricht – so ist es grundsätzlich auch egal, ob die ‚Ursprungspersönlichkeit‘ am Tag ihrer Zeugung, ihrer Geburt oder irgendwann im Leben zerbricht. Es bleiben beim zerbrechen immer nur unterschiedliche Splitter übrig.

Kann sich ein Splitter weiterentwickeln?

Ich kann die Frage nicht final beantworten, aber unsereins & me sieht es nicht als Weiterentwicklung an, sondern eher als ‚angepasste Nutzung‘. Ich versuche es wieder anhand der Vase zu erklären. Du hebst eine Scherbe von dieser Vase auf – sie ist einfach nur eine Scherbe. Du kannst noch keinen Sinn oder Nutzen darin erkennen. Aber nach einiger Zeit der Betrachtung stellst du fest: „Die liegt recht gut in der Hand. Eventuell kann ich die benutzen um damit etwas zu schneiden.“ Du probierst es aus und stellst fest, dass die Scherbe an der einen Stelle so scharf ist, dass sie ganz klare Schnitte fuhren kann. Sie ist z.B. geeignet um klare Grenzen zu Ziehen. So kann es auch mit einem Innen gehen. Der Splitter mag auf den ersten Blick nutzlos erscheinen, aber richtig eingesetzt, kann er wichtige Funktionen übernehmen. Dabei muss man dann aber wie bei einer echten Scherbe darauf achten, sie nicht über zu beanspruchen. Sonst könnte sie stumpf werden oder gar zerbrechen und kann nicht mehr für das eingesetzt werden was sie bisher gut kann. Auch wäre es dann schwieriger sie bei dem Zusammensetzen der Vase wieder an den richtigen Platz zu bringen.

Die Entscheidung ob man gut oder böse ist, kann jeder selbst treffen. Ich schrieb ja, dass es darauf ankommt, wie man die einzelnen Splitter ‚einsetzt‘. Ein ’scharfkantiger‘ und ‚aggressiver‘ Splitter kann z.B. richtig eingesetzt ein nützlicher Verteidiger in absoluten Notfällen sein. Wenn man sich nur auf die scheinbar negativen Eigenschaften konzentriert und nur das schlechte sieht, dann macht man sich selbst zu etwas / jemandem schlechten. Wenn man dagegen auf das Gute achtsam reagiert, dann kann man Gutes hervorbringen. unsereins & me glaubt nicht daran, dass ein Mensch per se gut oder böse ist, sondern ist davon überzeugt, dass jeder der es wirklich will sich selbst entscheiden kann. Auch multiple Systeme.

Deswegen ist es unserer Meinung und Erfahrung nach so wichtig, die Teile wieder zusammen zu fügen. Wie bei einer echten Vase die zersplittert ist, gibt es drei Möglichkeiten wie man damit umgehen kann:

  1. Ich schmeiße alle Splitter weg (im übertragenen Sinne ich gebe das Leben auf)
  2. Ich lasse alles so wie es ist, weiß nicht wie die Vase mal aussah und schneide mich immer wieder mal an den Scherben (im übertragenen Sinne bekomme ich dann auch nicht die Möglichkeit zu erfahren wie die Persönlichkeit ursprünglich ungefähr war und habe eine größere Gefahr weiterhin ‚Verletzungen‘ zu erleiden)
  3. Ich füge die Teile der Vase so weit wie möglich zusammen, bekomme ein neues Bild der (eventuell antiken) Vase die zwar Macken und Fehler aufweist und nicht den ursprünglichen Glanz hat, aber bei der ich mich auch an den Scherben nicht mehr schneiden kann (im übertragenen Sinne erhält man dann eine ’neue‘ Gesamtpersönlichkeit, die ungefähr das wiedergibt, was ursprünglich da war und die Gefahr von Verletzungen ist geringer)

Bei dem Zusammensetzen der Splitter mag es so sein, dass einige sich mit anderen ‚aneinander legen lassen‘ und andere sind wie Scherben zwar zum Gesamtbild gehören, aber nicht mit anderen aneinander gelegt wurden um in die ‚Vase‘ eingesetzt zu werden. Es mag sogar Splitter geben, die so gut aneinander gepasst haben, dass sie beim Zusammensetzen der Vase vorher als ein Stück zusammengeklebt wurden.

Und mit einer neuen Bemalung entsteht ein ganz neuer ein Eindruck auf andere. Aber auch diese Bemalung ist echt.

Warum bin ich bzw. ist mein System so anders?

Nehme 10 Vasen unterschiedlicher Größe und aus unterschiedlichem Material. Werfe alle 10 Vasen mit unterschiedlich viel Schwung auf unterschiedliche Fußböden… Keine der Vasen wird in genau die gleiche Anzahl oder Form von Scherben zerbrechen. Kein Multi zerbricht in genau die gleichen Teile wie ein anderer. Keiner hatte exakt die gleichen Umstände. Keiner hat genau die gleiche ‚Ursprungspersönlichkeit‘ wie ein anderer und selbst wenn das alles gleich wäre (Z.B. bei eineiigen Zwillingen), so wäre die Scherben doch unterschiedlich – genauso, wie zwei genau gleiche Vasen auf genau den gleichen Boden fall – es mag sogar sein, dass die eine Vase kaputt geht und die andere gar nicht.

Und wie in dem Moment, wo eine Vase herunterfällt und man dann versucht die einzelnen Splitter einfach zusammen zu sammeln mit der Hand – man wird sich sehr wahrscheinlich schneiden. Überall liegen unzählige Scherben herum. Wenn man die Scherben dann gezielt auf den Tisch legt und sie vorsichtig anfasst um wieder etwas zusammen zu fügen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sich zu schneiden geringer. So auch mit den emotionalen Innens die nach Außen ’stürzen‘ – wenn man diese Splitter unkontrolliert und hektisch angeht, wird man sich schneiden und es scheinen hauptsächlich Splitter da zu sein, die ’scharfkantig‘ sind. Fängt man dann an in Ruhe und organisiert – zielgerichtet – vorzugehen, fällt auf das einige gar nicht so ’scharfkantig‘ sind und sich mit etwas Geschick durchaus wieder zusammensetzen lassen. Und dann wird die Verletzungsgefahr eben wieder weniger.

Jede Vase und jeder daraus entstehende Scherbenhaufen ist unterschiedlich. Und es geht auch nicht um die Menge der Splitter – eher darum, wo der einzelne Splitter vorher in der Vase platziert war. Stelle dir vor die Vase war an vielen Stellen rot angemalt und an einigen wenigen blau. Sie fällt herunter und zerbricht. In diesem Beispiel so, dass ein paar große rote Splitter da sind, die leicht aufzuheben sind ohne sich daran zu verletzen. Und das bisschen blau Angemalte ist so klein zersplittert, dass du dich beim aufheben andauern schneidest. Für dich gefühlt ist es in dem Moment so, als ob ganz viel Blaues da wäre und dieses Blaue dann auch noch ganz schlimm ist. Tatsächlich bestand die Vase aber zum großen Teil aus rot angemaltem. So auch mit den Innens. Nehmen wir an, die Blauen wären die extrem Emotionalen. Die Roten würden dir nicht so schlimm oder nervend vorkommen – weil sie größer und leichter zu ‚handeln‘ sind. Die insgesamt kleine Menge an Blauen ist aber so sehr zersplittert, dass du das Gefühl hast, es sind endlos viele. Von der Anzahl der Splitter mag das so wirken, aber ob das auf die ‚Gesamtpersönlichkeit‘ bezogen auch der größere Teil ist, ist damit nicht gesagt. Das sieht man erst, wenn man die Teile wieder anfängt aneinander zu fügen. Und eines ist klar: Gerade die kleinen Splitter bei einer echten Vase stellen die Herausforderung da und benötigen die meiste Ruhe und Geduld. Ich denke auch hier sind die Parallelen sehr deutlich.

Weil deine Splitter zum Beispiel gerade an den blauen Stellen gebrochen sind, ist dein System so, wie es ist. Und bei anderen ist es an anderen Stellen gebrochen und dementsprechend sind dort die roten und total sachlichen Splitter eventuell viel ’schärfer‘ wahrnehmbar.


Uih, was für ein langer Post das nun geworden ist… ich hoffe mal, dass jemand ihn bis zu Ende liest 🙂

Abschließend möchte unsereins & me nochmals Melinas danken für den Mut und Offenheit ihre Ansichten zu äußern. Melinas sorgt sowohl per Mail mit unsereins & me als auch in der Blogger-Community immer wieder für einen guten Austausch. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand Betroffenes traut auch ‚kontroverse Themen‘ anzusprechen.

Ergänzung: Zusätzlich gilt der Dank den Kommentatorinnen, die auf den ein oder anderen wichtigen Punkt hingewiesen bzw. tiefgehende Fragen gestellt haben. So konnte unsereins & me diesen Beitrag noch ‚runder‘ gestalten.

Weitere Beiträge rund um DID & DDNOS:

25 Gedanken zu „Die Frage des Seins: Real oder Schein?“

  1. Super erklärt, gerade das Beispiel mit der Vase. Bin auch genau der selben Meinung. Danke für diesen tollen Beitrag.
    Was ich aber nicht so ganz verstanden habe ist die von euch gelesene Theorie zu der Ursprungspersönlichkeit.
    Bleibt das Original irgendwo gespeichert, wenn das was splittert die Kopie der Ursprungspersönlichkeit ist? Sind also alle Splitter nur aus dem Duplikat der Vase, wo ist dann die Original Vase hin?
    Und dieser innerer Kern ist dann auch die Ursprungspersönlichkeit, das Original oder die Kopie? Und auch das selbe wie der innere Beobachter?
    Ist der innere Kern nicht auch nur einer der Splitter, wenn die Ursprungspersönlichkeit zersplittert ist?
    Und was ist der innere Kern real im System, ein ANP oder ein EP oder gar eine Mischung aus beiden?
    Ich hab irgendwo gelesen, der innere Kern bestimmt wie man letzten Endes ist z.B. gut oder böse (Ich fragte mich das, weil Mutter auch DIS hat und Täterin war, wir dagegen nicht. Wer innen entscheidet das?).
    Würde mich über ne Antwort dazu freuen.
    Danke Unsereins & me und liebe Grüße.

    1. Die Frage wo das Ursprungskind (Original) geblieben ist, wird in verschiedenen Ansätzen immer wieder sehr ähnlich ausgeführt. Meistens heißt es dort, dass das Ursprungskind „nicht mehr vorhanden“, „nicht mehr aktivierbar“ oder „nicht mehr aufrufbar“. Manche Artikel schreiben auch das das Ursprungskind „zerstört“ oder „gestorben“ sei. Einig sind sich die ‚Experten‘ (im Moment) offensichtlich darin, dass das Ursprungskind zersplittert ist und die Eigenschaften im ‚Kern‘ (Kopie) erhalten sind.

      Die Kopie des Ursprungskindes ist der Kern und ist weiterhin vorhanden, da ja die Eigenschaften der Ursprungspersönlichkeit weiter vorhanden sind. Der Kern (die Kopie) ist die Essenz der Eigenschaften des Ursprungskindes (Original). Der Kern weißt somit die gleichen Eigenschaften auf wie das Original, ist aber ’nur‘ eine Kopie. Diese Kopie ist keine Persönlichkeit, kein ANP oder EP. Sie ist der Kern, das was auch als ‚Beobachter‘ bezeichnet wird.

      Die Fachleute sind sich in ihren Berichten dagegen nicht einig, ob der Kern nun der Ursprung der Splitter ist oder das Ursprungskind. Für unsereins & me ist es logischer, dass das Ursprungsking der Ursprung aller Splitter ist und der Kern das Abbild der symbolischen original Vase. unsereins & me denkt aber, dass der Kern einen Einfluss darauf hat, welche Splitter wann und wie wahrgenommen werden. So wie eine Kopie einer Vase oder ein Foto davon einem selbst beim Zusammensetzen der zerstörten original Vase hilft. Man sieht dann ‚plötzlich‘: „ah, da kommt das Blaue hin“ und sammelt alle blauen Splitter zusammen.

      Ähnlich wie man es meist auch bei einem Puzzle macht, wo ja auch eine ‚Vorlage‘ in verkleinerter Form dabei ist. Ohne diese Vorlage käme man eventuell gar nicht auf die Idee die bestimmten Teile gerade an diese eine Stelle hin zu packen.

      Die Entscheidung ob man gut oder böse ist, kann jeder selbst treffen. Ich schrieb ja, dass es darauf ankommt, wie man die einzelnen Splitter ‚einsetzt‘. Ein ’scharfkantiger‘ und ‚aggressiver‘ Splitter kann z.B. richtig eingesetzt ein nützlicher Verteidiger in absoluten Notfällen sein. Wenn man sich nur auf die scheinbar negativen Eigenschaften konzentriert und nur das schlechte sieht, dann macht man sich selbst zu etwas / jemandem schlechten. Wenn man dagegen auf das Gute achtsam reagiert, dann kann man Gutes hervorbringen. unsereins & me glaubt nicht daran, dass ein Mensch per se gut oder böse ist, sondern ist davon überzeugt, dass jeder der es wirklich will sich selbst entscheiden kann. Auch multiple Systeme.

      Ich werde einen Teil dieser Antwort noch in den obigen Beitrag mit einbauen.

    2. Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort und deine kostbare Zeit.
      Den letzten Absatz verstehe ich aber trotzdem noch nicht .
      Kann man eine Entscheidung treffen, wenn man keine Therapie macht? Wenn man nicht mal weißt was DIS ist, und man diese hat? Wenn da Täterintrojekte sehr oft vorne sind und man davon vielleicht nicht mal weiß? Von Kontrolle mal ganz abgesehen, die gibt es ja nicht ohne Kommunikation. Jeder Anteil trifft ja die eigene Entscheidung, also hängt es vielleicht nur davon ab, welcher am meisten vorne ist, und wo seine Grenzen liegen?
      Also ich finde die bösen unter uns ja gar nicht witzig, bin aber trotzdem recht pessimistisch eingestellt, mach ich dadurch unser System böse? Auch wenn sich dieses böse nur nach innen richtet? Ich will gar nicht, dass es die gibt, aber Kontrolle gibt es leider auch nicht.
      Wirrwarr…

    3. Generell trifft man immer Entscheidungen. Auch das ganze Leben über , in dem man (noch) nichts von der DIS weiß. Würden keine Entscheidungen getroffen werden, wäre bereits sehr früh im Leben die DIS aufgefallen – möglicherweise wäre die Geschlossene dann das Zuhause… Aber das System als Ganzes (Gehirn) entscheidet z.B., sich nach Außen ’so normal und unauffällig wie möglich‘ zu verhalten. Das System funktioniert bei den meisten Betroffenen vollautomatisch über einige Jahre, teils Jahrzehnte, ohne das den Betroffenen klar ist, dass sie auf andere Art funktionieren als der große Rest der Menschheit. Erst wenn irgendein erneuter großer Auslöser auftritt, bricht die Zusammenarbeit des Systems zusammen. Aber bis dahin funktioniert das (Überlebens-)System DIS/DSNNS und trifft Entscheidungen.

      Wenn ein DIS/DSNNS Betroffener nach den ganzen Traumata der Kindheit dann z.B. eine super Jugend hat und auch danach das Leben in ruhigen und geregelten Bahnen läuft, kann es sein, dass das eigene System – mit all seinen Wechseln – nie zu einem ‚Problem‘ wird und die betroffene Person sowohl im eigenen Empfinden als auch in dem der anderen im Innen und Außen ein normales Leben führt. unsereins & me kennt Betroffene die 40, 50 und sogar 60 Jahre ihr Leben gelebt haben, ohne irgendwelche Therapien und wechsel-bedingte Probleme. Erst als dann irgend ein Super-Gau passierte, standen sie vor dem Problem, dass das System nicht mehr funktionierte.

      Sich klar zu machen, dass DIS/DSNNS kein Feind – ja, keine Krankheit – sondern ein Überlebensmechanismus ist, ist einer der Schlüssel. DIS/DSNNS ist eine Folge eines ‚übermäßig oft in Anspruch genommenen natürlichen Überlebensmechanismus‘. Rein wissenschaftlich betrachtet also keine Schädigung des Gehirns, sondern ein ‚erlerntes‘ überperfektes Nutzen eines natürlichen Vorgangs. Die Schwierigkeiten entstehen ’nur‘ dann, wenn der Mechanismus auch dann genutzt wird, wenn es keinen Grund mehr dafür gibt. Nicht umsonst wird in der DIS/DSNNS/Trauma-Therapie immer wider versucht Betroffenen aufzuzeigen, wie wichtig es ist im hier und jetzt zu sein. Denn so wie das Gehirn gelernt hat die natürliche Schutzfunktion in schlimmen Zeiten sinnvoll zu nutzen, kann es auch wieder lernen, diese Schutzfunktion nicht dauerhaft zu nutzen, obwohl sie nicht benötigt wird. Und wie ein Professor mal sagte: „DIS-Patienten sind extrem intelligent. Ein unintelligentes, nicht-funktionales Gehirn ist nicht in der Lage die Leistung aufzubringen, die für eine DIS notwendig ist.“

      Ja, unsereins & me weiß, dass dies in der Theorie ganz leicht klingt und in der Ausführung ganz schwierig erscheint. Nicht umsonst sind viele Betroffene nach ihrem ersten kompletten ‚System-Ausfall‘ über Jahre und teils Jahrzehnte nur noch am ‚hin- und her-Pingen‘. Und es ist auch klar, dass bei Betroffenen aus dem Kult / organisierten Täterkreisen oft starke ‚Programmierungen‘ aktiv sind, die das ganze zusätzlich erschweren. Aber es gibt durchaus genug Betroffene, die es erlernt haben wieder einen sinnvollen Umgang mit der Funktion der Dissoziation zu haben. Wie auch immer der im Individuellen aussieht.

    4. Danke dir von Herzen für die Antwort.

      Was ist aber mit dem Entscheiden können, wenn man direkt aus der Gewalt-Ursrungs-Familie in eine Gewalt-Ehe geht und in eine Sekte/organisierte Täterkreise, wie Mutter das erlebt hat? Sie wechselte vom Opfer in die Täter Rolle ohne je ein „normales“ Leben geführt zu haben.
      Ist die Täter Rolle ihre eigene Entscheidung oder eine Anpassung des DIS-Systems an die abverlangten Gegebenheiten?
      Würde sie sich an das Tätersein erinnern können, wenn die Gewalt- Umgebung wieder verlassen wurde?
      Und wegen DIS bedingte Symptome, die hat sie, aber sie würde nie zum Psychotherapeuten oder Psychiater gehen, die weiß nicht mal was PTBS ist, auch nach 100 mal erklären, weiß sie nicht mal, dass ich es je erklärt hatte und kennt den Begriff nicht… Sie hat sogar Flashbacks aber die „behandelt“ ihr jetztiger Mann nach seiner eigenen Aussage, „selber, sie brauche keinen Therapeut“!

      “ – möglicherweise wäre die Geschlossene dann das Zuhause… “ Das hab ich leider nicht verstanden?

      Danke euch noch mal für die Antworten, mir ist echt klar das kostet euch viel Zeit und Kraft. Bin dafür sehr dankbar.

      Ganz liebe Grüße

    5. Lass mich die Frage ob es in dem geschilderten Fall auch eine eigene Entscheidung ist, mit einem realen Beispiel beantworten:

      Zwei Brüder sind sehr unterschiedlich. Der Eine hat eine kleine Familie, ein Häuschen, ist gut im Beruf eingebunden und hat keinerlei Laster oder Süchte. Der Andere ist gerade zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er ist gewalttätig, hat Überfälle begangen, hatte noch nie einen legalen Job, ist Alkoholiker und nimmt regelmäßig harte Drogen.

      Den beiden Brüdern wurde eine Frage gestellt und beide Antworteten auf die selbe Weise.

      Die Frage lautete: „Wieso sind Sie so geworden wie Sie sind?“

      Beide Brüder antworteten: „Unser Vater war gewalttätig und kriminell. Alkohol und Drogen waren sein Alltag. Was hätte denn aus mir werden sollen???“

      Während also der Eine sich entschied nicht so werden zu wollen wie der Vater, nutzte der Andere es als Begründung/Ausrede für seine eigenen Taten.

      Egal welcher Kreislauf – aus wie auch immer gearteten schrecklichen Taten – kann durchbrochen werden, wenn die entsprechende Person das wirklich will. Es gibt massenhaft Beispiele von Betroffenen aus Sekten/Kulten/Organisierten Verbrecherbanden, die den Ausstieg geschafft haben. Das beweist, dass es möglich ist.

      Zu dem Satz, den du nicht verstanden hast:

      Wenn das System eines Multis völlig durcheinander ist, führt das häufig dazu, dass man auffällig wird. Andere erkennen dann, das derjenige ‚total durchgeknallt ist‘ und in vielen Fällen landen ‚Durchgeknallte‘ nun einmal in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Einrichtung.

    6. „Nicht umsonst sind viele Betroffene nach ihrem ersten kompletten ‚System-Ausfall‘ über Jahre und teils Jahrzehnte nur noch am ‚hin- und her-Pingen‘.“… ein wunderbarer Satz… Ja dazu sage 🙂

    7. Ja, es gibt Personen, die es raus schaffen aus dem Kult/Sekte/Gewalt-Ehen… das stimmt. Aber ein Stückweit ist das von den Umständen abhängig und nicht nur von der eigenen Entscheidung, denke ich. So hängt es von der Gruppierung ab, ob man es schaffen kann, oder nicht gleich Tod ist weil man es versucht hat. Die panische Angst kann einen durchaus an extreme Gewalt einem selbst gegenüber binden, oder? Und dann gibt es ja auch die Anteile/Programme, die immer wieder Kontakt aufnehmen, auch wenn man das nicht will. Kann man sich überhaupt gegen Programme entscheiden?
      Ich frage mich, wieso es so viele Frauen gibt, die sich von Ehemann schlagen und sonst was alles lassen, und nicht von ihm weg gehen können, obwohl sie so sehr darunter leiden? Freiwillig will sich doch keiner schlagen lassen, erst recht nicht wenn man erwachsen ist und theoretisch für sich sorgen kann. Und doch öffnen diese Frauen ihren Männern die Türen und lassen sie wieder rein, nach dem sie von der Polizei gehen gelassen wurden. Ja, selbst wenn der Schloß bereits ausgewechselt wurde. Aus Liebe? Aus Angst? Oder weil es so konditioniert ist? Was hält sie so klein?

      Und wenn ich an meine Zeit denke, ich wußte nicht dass mein Körper, also Innis solche Gewalt erleben. Obwohl ich in der Lage wäre abzuhauen so mit 16, oder 18, bin ich es nicht, weil ich keine Ahnung hatte. Mit 12 wollte ich abhauen, bin aber geblieben, weil ich nicht wußte wo ich hin soll, es gab keine Hilfe. Und auch da wußte ich nur gewisse Sachen, die zwar auch Mist waren, aber nun ja… Ohne des Wissens um die Sex. Gewalt und Verkauf (usw.) Hat man nicht so ausgeprägten Fluchtdrang und die Innis sind dazu schon gar nicht in der Lage, verängstigt wie sie sind und in der Gewalt gefangen.

      Ich habe nicht mal heute das Gefühl mich frei entscheiden zu können, weil ich noch nicht mal das essen kann, was ich gern würde, damit es mir besser geht, es wird immer sabotiert.
      Deswegen kann ich mir das kaum vorstellen, dass man es wirklich in der Hand hat sich frei zu entscheiden für gut oder böse, wenn man im Kult gefangen, halb im Opfer, halb im Täter sein lebt. Klar will man lieber die Täter Rolle statt die des Opfers wählen, wenn man vor die Wahl gestellt wird und die eigenen Täterintrojekte sich damit identifizieren, oder nicht? Na ja, ich finde beides grausam! Ob sie diese wahl hatte, oder dies für sie entschieden wurde, weiß ich auch nicht. Vielleicht hat sie es ja tatsächlich selbst gewollt, keine Ahnung.
      Ich weiß nur, das wir so eine kleine haben, die gezwungen wurde anderen Kinder Gewalt anzutun. Das war nicht ihre Wahl, sie wurde genau dazu gemacht! Sie fühlte da nichts bei, alles normal für sie, und gut. Aber andere können das Weinen von Kindern nicht ertragen, wollen helfen, weglaufen, heulen…
      Echt, ich kann den Gedanken nicht ertragen, das „ich“ anderen Kindern weh getan habe, aber davon wußte ich damals nichts, erst vor kurzem erfuhr ich das… Wie hätte ich das denn verhindern können?

      Ach ich bin vielleicht zu blöd das alles zu verstehen. Aber ich würde gerne, um Mutter verzeihen zu können, oder halt um so mehr darauf zu achten nie wieder mit ihr zu tun zu haben (für die anderen).

      Danke für deine/eure Erklärungen, wirklich. Es hilft so sehr zu begreifen. Tausend Dank dir/euch.

    8. Es geht bei den ‚freien‘ Entscheidungen natürlich 1. nicht um Dinge die zu einer Zeit geschehen sind, wo man sich noch nicht gegen den Willen anderer durchsetzen konnte (Kindheit & Jugend) 2. nicht darum, dass diese Entscheidungen leicht und problemlos umzusetzen wären oder 3. nicht durch Äußere Umstände begünstigt/erschwert werden könnten.

      Aber sieh mal:

      Selbst du konntest es und hast dich anders entschieden. Und du bist eine Betroffene der (mindestens) zweiten Generation! Das heißt dir wurde es von einer Person ‚anerzogen‘, die selber auch in dem Schema drinsteckt. Und ich garantiere dir, dass mir klar ist, dass es für dich nicht leicht war und dass du auch heute weiterhin am kämpfen bist. Aber gerade weil du eine Entscheidung zur Veränderung getroffen hast, kämpft du. Hättest du entschieden alles genauso wie deine Mutter zu machen, würdest du das tun. Auch die Aussage: „Ich kann nicht anders“, ist tatsächlich eine Entscheidung, denn ‚können‘ ist vom ‚wollen‘ abhängig.

      Auch du hattest sicher nicht die perfekten Umstände, als du dich entschieden hast anders zu handeln.

      Und ja, man kann auch Entscheidungen in Bezug auf Programme/Programmierungen treffen. Ja, das ist sicherlich schwieriger mit solchen Automatismen Änderungen vorzunehmen. Aber es ist eben nicht unmöglich oder nur von unbeeinflussbaren äußeren Umständen abhängig. Es ist tatsächlich immer vom Willen der Betroffenen abhängig. Wenn der nicht vorhanden ist, geht gar nichts. Und ja, man kann auch Willen erlernen.

      Und einmal als Denkanstoß: Jetzt, heute ist der Körper erwachsen und dein Gehirn hat die Leistungsfähigkeit komplizierte Denkprozesse durchzuführen. Du kannst es nutzen um die Entscheidung zum Selbstschutz vorzunehmen. Denn sowohl geistig als auch körperlich bist du heute dazu in der Lage.

      Gib also nicht auf!

    9. Hmm, ich weiß nicht ob ich das so entschieden habe früher, oder ob es sich so ergeben hat, dass ich/wir nicht zum Täter wurden. Meine Umstände waren aber total anders, als die von Mutter oder Schwester. Es war für mich echt einfacher, es gab einen regelrechten Bruch durch den Umzug nach Deutschland.
      Es gab hier zwar immer noch Missbrauch von dem ich nichts wusste, aber nicht mehr rittuell. Ich konnte mich neu entwickeln, die Rebelin entstand, die sich bestens zu wehren wusste, wenn sie da war. Mutter tauschte die Täter Rolle gegen Opfer, war von mir abhängig, weil ich übersetzen musste. Ich/wir wurden zu jemand anderen neuen, etwas was nie zuvor möglich war.
      Wegen der amnetischen Barriere kann ich natürlich nicht meine Hand ins Feuer legen, dass nicht wer aus uns irgendwem vielleicht doch was getan hat. Klar will ich das nicht, aber eben ich und nicht unbedingt die Täterintrojekte in uns. Ich wußte ja auch nichts von denen…
      Ich kapier das alles nicht, bin zu blöd dazu, glaub ich. Weil nur weil ich etwas will (oder nicht) heißt es noch lange nicht, dass die anderen genau so denken. Reicht mein wollen aus? Für alle in uns?
      Ich habe hier heute Möglichkeiten mir helfen zu lassen, Mutter hatte diese nicht damals. Ob es ihr möglich war auszubrechen weiß ich nicht, da waren so viele überall involviert.
      Aber zumindest Zuhause hätte sie lieb sein können vielleicht?
      Und meine Schwester gehört leider zu den Frauen die sich haben ewig schlagen lassen durch den Mann. Sie hatte nicht die Möglichkeit wie ich, sich neu zu entwickeln. Ich glaube nicht dass sie zum Täter wurde, aber ihren Kindern geht es nicht so gut, schätze wegen dem Vater. Sie hat ihre Kinder aber vor Mutter beschützt. Ob sie es auch vor dem Vater konnte weiß ich nicht. Sein Alkoholismus kann ja für arge Depressionen bei Kindern reichen. Sie schaffte es von ihm weg zu kommen am Ende, aber ein Kind blieb noch lange bei ihm (die ist sehr depressiv, will aber nicht zu Psychologen), wollte nicht zu ihr ziehen. Die andere zog mit 16 in eine eigene Wohnung.
      Ich ließ mich nur ein mal von meinem Ex schlagen. Psychisch hatte er viel anrichten durfen, aber Liebe hin Liebe her, und ich hab ihn echt sehr geliebt, doch DAS ließ ich nicht mit mir machen. Nur war ich Finanz unabhängig von ihm und dank der Rebelin oft echt stark.
      Meine Schwester hat so eine leider gar nicht, und war von ihm abhängig, weil sie nicht viel verdiente…

      Deswegen denke ich, die Umstände sind entscheidend, aber vielleicht bringe ich das auch durcheinander. Denke nur, das Angst einen lehmt, man kann dann nicht klar denken. Und das altbekannte gibt eine (Schein-)Sicherheit, man will sie nicht verlassen.
      Aber vielleicht ist es trotzdem was anderes sich gegen das Opfer sein zu entscheiden, als gegen das Täter sein. Und dann bleibt da noch das Nicht-Sehen wollen oder können im Bezug auf die Taten des Vaters, falls es welche gab. Wenn es Innens gibt die schon früher immer zusehen mussten wie anderen Dinge angetan werden, und still schweigen musste, so tun musste, als sei alles ok. Und wenn man nichts von anderen in sich weiß, nicht mal dass es so etwas gibt. Und die amnetische Barriere zu diesem Innie da ist… Man weiß es also wirklich nicht, ob etwas passiert. Ist man dann Mitschuld, kann man sich dagegen entschieden? Ohne Therapie, ohne von DIS zu wissen?

      Vielleicht will ich Mutter entschuldigen können. Vielleicht gar meine Schwester, falls da was passiert sein sollte mit ihren Kindern. Vielleicht muss ich auch für mich klären, ob ich mir verzeihen dürfte, falls Innis ohne meines Wissens zu Tätern geworden sind, weil ich sonst echt nur noch tot sein wollen würde, falls dies passiert ist und unentschuldbar wäre.
      Und ich bin mir nicht so sicher ob es sich für mich zufrieden stellend klären lässt.
      „Das wollen kann man lernen“ – auch ohne Hilfe von Irgendwem oder Irgendetwas?
      Vielleicht will ich auch einfach nicht daran glauben, dass ein Mensch, eine Mutter sich absichtlich und freiwillig dazu entscheiden kann sein eigenes Kind zu missbrauchen. Kann es nur mit ihrem eigenen Traumata erklären. Aber Kain hat auch entschieden Abel zu töten, ohne vorheriges Trauma. Doch ist es in meinen Augen eben ein Unterschied ob ich alle Handlungen des Körpers kontrollieren kann, oder wegen der DIS eben nicht, oder?

      Tut mir ehrlich leid dich/euch damit zu belästigen. Weiß auch nicht wieso ich so drin gefangen bin und ne für mich nachvollziehbare Antwort brauche, sorry.
      Und danke nochmals für deine Zeit und Mühe.

    10. Als Erstes, Du belästigst unsereins & me nicht!

      Klar sind die Umstände ein Faktor, aber sie alleine sind nicht dafür zuständig, ob sich im Leben etwas ändert. Was nützen einem die perfektesten Umstände, wenn man sie nicht nutzen will?

      Du hast Kain und Abel angeführt, eine biblische Geschichte. Da dies ein dir wichtiges Thema ist, wie ich weiß, gehe doch einen Schritt weiter zurück. Adam und Eva hatten demnach perfekte Umstände und haben sich dennoch entschieden alles Gute weg zu schmeißen für nur einen Bissen in irgendeine Frucht. Dabei hatten sie hunderte von Früchten zur Auswahl, die Problemlos gewesen wären. Und wenn wir bei biblischer Geschichte sind: Nimm das Beispiel von Lot und seinen Töchtern. Sie lebten in einer Stadt, deren Name noch heute Synonym für Abartigkeit verstanden wird. Und sie entschieden sich, nicht den gleichen Weg zu gehen wie alle ihre Nachbarn. Interessanterweise entschieden sich die selben Töchter, die nicht so leben wollten, später dazu Inzest zu begehen. Wie es in der Bibel heißt ganz absichtlich und mit für sie selbst relevanten Begründungen.

      Aber auch außerhalb der Bibel gibt es genug Personen, die entweder als böse und schlecht in die Geschichte eingingen, obwohl sie eine gute Kindheit hatten als auch solche, die eine sehr schlechte Kindheit hatten und sich zu sehr positiven Menschen weiter entwickelt haben.

      Da gab es Könige, die ihre Kinder töteten; Arme Eltern die ihre Kinder aßen und arme Eltern, die für ihre Kinder ihr Leben ließen; Reiche, die die Armen gut behandelten; Arme, die sich über Armut beschwerten und die dann reiche Kinder töteten; Personen, die selbst nicht reich waren aber Medikamente entwickelten ohne Dollar-Zeichen in den Augen zu haben; Reiche, die ihren Stand festigen wollten und Massenvernichtungswaffen erfanden…

      Egal wie gut oder schlecht etwas im Leben läuft und egal wie viel Probleme man dadurch hat: Es ist die Entscheidung und der Wille des Einzelnen ob sich etwas ändert oder nicht. Hier ausgenommen sind Personen, die von der geistigen Reife dazu nicht in der Lage sind.

      Klar ist es für Menschen mit DIS/DSNNS oder anderen gesundheitlichen Problemen schwieriger sich aus dem – ohne dagegenhalten automatisch ergebenden – Kreislauf hinaus zu bewegen, als die eventuell bei ‚gesunden‘ Menschen der Fall ist.

      Aber sei mal ehrlich – wie viele gesunde Menschen aus gutem Elternhaus kennst du, die dennoch das sind, was man umgangssprachlich als ‚A****‘ bezeichnet? Und wie viele ‚kranke‘ und sozial-schwache kennst du, die liebevoll und mitfühlend gegenüber anderen sind? unsereins & me kennt von beiden Sorten genügend Menschen quer aus allen möglichen Kulturen… Und es gibt sogar Personen, die aus Slums heraus gekommen sind, heute ein Leben in Wohlstand führen und die anderen nicht vergessen haben… und solche die ihre Herkunft leugnen.

      Es gibt hunderte von Analysen verschiedenster ‚Fachleute‘ die alle zum gleichen Schluss kommen: „Ja, die Herkunft, Erziehung und die Menschen um uns herum beeinflussen unser Denken und Handeln. Aber die letzte Entscheidung trifft immer der einzelne Mensch selbst.“

      Wenn Gutachter bei Straftätern mit der Aussage kommen: „Der Täter hatte eine schlechte Kindheit“, ist dies zwar eine Erklärung für die Taten, aber nie eine absolute Entschuldigung. Die Gerichte urteilen dann unter Berücksichtigung des Umstandes, dass dieser Täter es schwerer hatte eine andere Entscheidung vorzunehmen. Die Strafe wird dann milder ausfallen oder es kommt zur Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Aber sie sagen nie: „Ach so, na ja, dann kann der da ja nichts für. Dann lassen wir den mal frei und er kann weiter machen. Hiermit bekommt der Angeklagte einen Freibrief für seine bisherigen und zukünftigen Taten.“

      Klar kann man sich immer selbst versuchen ein „…aber…“ dazu zu legen. Es ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass die Geschichte der Menschheit – auch in der heutigen Zeit – voll von Beweisen ist, die zeigen, dass Menschen anders gehandelt haben, als das, was ihnen in ihrer Kindheit beigebracht wurde.

    11. Okay. Also ist es unentschuldbar.
      Klar müssen Täter Maßnahmen bekommen, damit sie andere nicht weiter schädigen. Das erscheint mir logisch.
      Heißt im Klartext, meine Mutter hat sich selbst dazu entschlossen Täterin zu sein?
      Jemandes Tränen liefen. Brachten Verwirrung und Unverständnis… Als hätte mir jemand in den Kopf gesch*… Verstehen – Fehlanzeige! Aber wieso?
      Und bin ich böse? Hier glauben das ja welche. Aber es sind kleine Innis, die das glauben. Und welche die gemein zu uns sind… Ich hasse das Böse zutiefst…

      Danke dir/euch. Muss darüber nachdenken, wenn ich wieder klar bin.
      Alles Liebe euch

  2. Ja es ist ein langer Post, aber ein sehr Informativer und Interessanter.
    Ich habe ja das Glück, diese Informationen auch mündlich zu bekommen, aber sie Nachlesen zu können ist immer wieder spannend.
    Danke dir, dass du so viel Zeit investierst, um all die Informationen zusammen zu stellen.

  3. Ui, mir ist gerade klar geworden wieviele Fragen ich da gestellt habe 😉 und wieviele wichtige Antworten Du da gegeben hast und wie großzügig Du Deine Zeit dafür investiert hast.
    Du hast alles wunderbar in diesem Text untergebracht und dafür danke ich Dir sehr. Auch dafür, dass ich ihn auf meiner Website verlinken darf.
    Nur eines ist mir beim Wiederlesen grad noch klar geworden – und ich füge es hier ergänzend dazu: (Du siehst meine Klara Gründlich ist sehr genau 😉 )
    Deine Definition vom Duden ist gar nicht so schlecht bezüglich der Scheinpersönlichkeiten. Natürlich sind unsere Innens NICHT absichtlich täuschend. Aber dass diese Frage und die Zweifel überhaupt aufkommen liegt m.e. an zwei Fakten: einige Innens „erscheinen“ über langen Zeitraum so als wären sie die Alleinigen (Alltagspersonen oder einige EPs, die übernehmen) und andere wieder täuschen uns (indem sie uns glauben machen wollen – aus guten Gründen natürlich – dass da gar nichts wäre oder vernebeln und verwischen „absichtlich“ – so war das bei einer 7jährigen bei mir, die immer verfolgt wurde und panisch flüchtete). So drängt sich die Frage nach der Echtheit im Sein förmlich auf.
    Du hast das alles so wunderbar zusammen gefasst und dafür danke ich Dir von ganzem Herzen!!!!! Du hast mit der umfangreichen Beantwortung dieser brennenden Fragen in meinem System für Beruhigung und mehr Verstehen gesorgt!

    1. Die Erklärung ist nachvollziehbar.

      unsereins & me denkt, dass diese Zweifel ein generelles Problem bei dissoziativen Störungen sind. Es ist mir keine(r) mit DIS / DSNNS bekannt, der nicht andauernd am zweifeln ist/war.

  4. Ich finde es gut das ihr euch so gut austauscht, auch diesen Post finde ich gut, leider nur zuviel für uns zu lesen auf einmal. Werde versuchen es in Etappen zu lesen.

    Maryla

  5. Hallo 🙂
    wir lesen hier seit kurzer Zeit mit. Euer Beitrag hat hier ganz viel Zustimmung und Verstandenwerden ausgelöst und irgendwie auch nochmal so nachvollziehbar gemacht.
    Das war für uns grade nochmal so ein bisschen ein Aha-Erlebnis und so ein: Ja, ist doch total klar, dass das so ist.
    (das fühlt sich für uns total stimmig an, wie ihr das hier schreibt).
    Danke für den Artikel!

    Alles liebe
    drachenkinder

  6. Spannender Artikel… doch… hm… es denkt in mir…
    Habe noch nie etwas davon gehört/gelesen, dass es eine „Kopie“ gibt… meine Überlegungen dazu sind, dass es so etwas wie einen „inneren Kern“, ein „göttliches Kind“ gibt, was ursprünglich als Essenz da war, VOR dem Splittern… und dass dieser Kern wegweisend ist… eher emotional… hin zu Heilung, Richtung Ganz-werden… wie eine Quelle, an die ich mich „anschließe“, die es immer wieder zu suchen lohnt um daraus Kraft, Zuversicht, Intuition, Hoffnung zu tanken… die mich Verbundenheit fühlen lässt… um die Splitter zusammenzufügen… dass dieser Kern „der Beobachter“ sein soll, geht für mich gar nicht, weil beobachtend, fühle ich mich sooo leer, weit weg, wie eine Hülle, viel wissend und mitbekommend, doch nicht mehr mit einem „Ursprung“ verbunden… offen bleibt für mich (in meinen Gedanken): Was/wer/wie ist diese Beobachtersicht?!?… und ne „Kopie“ brauche ich in mir nicht für meine Gedanken 🙂

    1. Danke dir für deinen Kommentar!

      Stimmt, unsereins & me hat auch schon in mehreren Theorien gelesen, die aussagen, dass „Kern“ und „Ursprungskind“ das Gleiche sein könnten. Für den Vergleich hier habe ich das nicht angeführt, weil ich auch den „Bauplan“ (oder die Vorlage für ein Puzzle) mit einbringen wollte. Aber ich denke, es ist sinnvoll dass oben auch noch mal etwas zu ergänzen.

      Generell sind ja alle Ansätze der Fachleute ’nur‘ Theorien und ‚Hilfen‘ um individuell / besser auf den Patienten / Klienten / Betroffenen eingehen zu können.

      Und nicht jedes dieser ‚Hilfskontrukte‘ ist für jeden Betroffenen passend oder stimmig. Daher halte ich es für absolut OK, dass du es für dich nicht so benötigst 🙂

  7. Eben erst bin ich erst auf den Dialog zum Thema „wer ist eigentlich verantwortlich fürs Tätersein“ gekommen bei @vergißmeinnicht….Entweder hat da ein anderer von uns das gelesen ….jeden Fall nicht meines Wissens….aber sehr interessant und ziemlich deckungsgleich mit dem Beitrag von Sofie: „die Geschichte der Täter“.
    Doch ich glaub es immer noch nicht, dass man als Täter IMMER die Verantwortung trägt, selbst wenn man Innens hat, die von den eigenen Taten nichts wissen, weil keine Erinnerung da ist. Und ich glaube auch nicht, dass alle Täter die Chance haben kein Täter zu werden. M.e. hängt das von vielen Umständen ab(z.B. welches Umfeld, welch Intelligenzgrad, welcher Gewaltdruck von Außen, welche Außenbedingungen grad als Weichenstellung da sind, welche Zerstörung bereits in der Seele ist…und und und) Ich sag das nicht um meine eigenen Taten zu schützen…zumindest sind mir nur nicht so schlimme Taten aus der Kindheit bekannt – also kein Mißbrauch an anderen (hoffentlich). Ich denke dabei nur an meine Mutter und meinen verrückten Stiefvater, die eindeutig Täter waren – an mir – und mir extrem geschadet haben durch die Traumafolgen – mir Jahrzehnte geklaut haben mit ihren Taten. Dennoch, wenn ich mir die Umstände anschau, ich glaube nicht, dass sie wirklich eine Wahl hatten, denn so wie hier ja die Bibel mehrmals zitiert wurde, würde ich eher mit Jesus-Worten: Sie wussten nicht was sie tun – argumentieren.

    1. @Melinas
      An diesen Bibeltext musste ich auch neulich denken…
      Ich fühle wie du, mir fällt es sehr schwer zu glauben, dass es bei DIS eine bewußte Entscheidung geben kann, da jeder Anteil seine eigene trifft. Ja und selbst das es tatsächlich eine Entscheidung eines Täterintrojektes ist und nicht die automatische Folgerung aus der Abspaltung heraus.

      Nun wurde schon viel drüber diskutiert… Vielleicht muss es jeder wirklich für sich selbst annehmen, wie er es für richtig hält. Alles sind doch Meinungen und keine Richtig oder Falsch Aussagen. Wir sind eben keine Richter und können nicht ins Herz sehen. Und es gibt ja auch nicht nur Schwarz oder Weiß…

      Wir sollten unsere eigene Innenwelt verstehen lernen und nicht die von anderen. Egal ob Täter oder Opfer, egal ob mit ähnlichen Erlebnissen oder anderen, niemand ist gleich, daher werden wir nie alles nachvollziehen können, was andere tun oder denken. Aber das ist für unsere Heilung nur bedingt wichtig. Ich muß leider sagen, dass selbst diese Überlegungen uns von uns selbst ablenken und daher eben nicht der Heilung dienlich sind. Denn im Grunde ist es egal, ob sie mit Absicht und selbst beschlossen zu Tätern wurden, oder ob es ungewollt war. UNS wurde es so oder so angetan und wir müssen damit klar kommen und Wege zur Heilung finden. Trauma ist Trauma, ob Absicht oder Zufall. Ach wenn man mit Zufall besser zurecht käme, weil man von den eigenen Eltern Absicht nicht wahr haben will. Wir müssen unsere Trümmer wieder aufbauen egal ob die Bombe mit Absicht oder durch Zufall auf uns fiel…

      Auf der anderen Seite: sicher wird jemand hier das Thema immer wieder angehen, denn ne zufrieden stellende Antwort haben wir bisher nicht bekommen. Wie würde diese lauten? – Mutter wollte das nicht, sie liebt uns, es ist eigentlich gar nicht wirklich passiert, es war nur ein böser Traum?
      Vielleicht brauchen auch gewisse Anteile in uns eine Entschuldigung dafür, dass es hier welche gibt, die dieselbe Neigung haben. Nicht, dass etwas solches je an Menschen verübt wurde (im Erwachsenen Alter). Die Neigung allein ist unaushaltbar für sie, sie haben selbst zu sehr gelitten wegen so etwas! Eine Entschuldigung für die Unkontrollierbarkeit von Dingen, die uns nicht gefallen, wie Selbstverletzung in diesem Bereich z.B. Weil die Schuld, die man fühlt einen glauben lässt, ein Monster zu sein.
      LG

  8. Hallo Vergissmeinnicht,
    ja dieses Thema lässt uns nicht so schnell los….;-) es begleitet mich nun schon eine ganze Weile.
    Es ist verrückt, aber heute in meinem Kurs „Mystik“ war heute auch wieder das Thema Verantwortung und wir haben eine wunderbare Diskussion dazu gehabt.
    Am Ende wurde noch der Gedanke formuliert, den ich schon 1000 Mal selbst gesagt habe, dass wir doch alle als Baby ein unbeschriebenes Blatt waren und kein Baby böse geboren wurde.
    Auch lass ich mich von den Themen führen, die mich so wie seit unserer Diskussion auf Sofies Beitrag zu den Tätern, begleitet haben und jetzt mich über Solveig 2 Worte „Posttraumatisches Wachstum“ zu dem Thema Resilienz und Refraiming gebracht haben.
    Ich denke dass man ohne die nächsthöhere Ebene einzubeziehen auch in der Frage Verantwortung der Täter – nicht wirklich weiter kommt. Wir sehen als Menschen nur einen kleinen Ausschnitt, was in unserem Kosmos alles am Wirken ist. Wer an Reinkarnation glaubt, weiß darum, dass nicht alles in diesem Leben allein bewertet wird. Wer sich ausführlicher damit beschäftigt beginnt zu begreifen, dass wir alle schuldig sind oder keiner. Es gibt ein Ausgleichsgesetz (ich vermeide bewusst das Wort Karma) von Ursache und Wirkung, aber es ist m.e. nicht nur auf unseren kleinen Ausschnitt unseres einen Leben hier im materiellen zu betrachten. Der Glaube, welcher auch immer ist so denke ich – auch sehr daran beteiligt – wie wir Täter betrachten.Liebe Grüße an Dich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung gemäß DSGVO (Pflichtfeld)