Aktueller Stand 01/2019

Tatsächlich arbeite ich therapeutisch immer ziemlich viel. Ich habe im Laufe der Jahre so vieles an 'Handwerkszeug' bekommen, dass mir hilft diese Arbeiten durchzuführen und auch durchführen zu wollen. Die letzten Wochen Monate ging es immer mehr um die Integration und darum (nix darüber, Dürüm oder Döner – Ionovia ist schuld an dieser Wortfolge; die hat unsereins & me korrigiert), wie weit diese gehen kann. Und immer dann, wenn ich dachte: "Jedzd isses färrdisch", ging es irgendwie weiter.

Mittlerweile bin ich bei dem Stand angekommen: "Es kumt wis kumt"…

Aber auch wenn unsereins & me mittlerweile versucht ergebnissoffen zu sein und nicht mehr kategorisch alles ausschließt, was im Moment nicht 'vorstellbar' oder 'gewünscht' ist, gibt es an gewissen Stellen ganz persönliche Gründe die am Vorwärts-kommen hindern. Allerdings muss ich mir dabei auch die Frage stellen, inwieweit dieses Vorwärts-kommen jetzt in diesem Augenblick unbedingt nötig wäre. Beziehungsweise mich fragen , ob der jetzige Stand schädlich oder wenig hilfreich ist.

So auch in der jetzigen Situation wo ich nur noch zwei andere im Innen weiß. Kribalg ist der älteste Beschützer hier und hat hervorragende 'Antennen' für jegliche Art von Gefahr. Natürlich könnte ich nun einfach sagen: "Quark, Beschützer sind nicht notwendig. Die Täter sind keine Gefahr mehr und unsereins & me ist körperlich in der Lage sich zu wehren." Auch bei bugi und seiner sachlich-analytischen Art wäre es möglich mir klar zu machen: "Ich kann auch analytisch denken und sachlich argumentieren – ist ja schließlich eh alles ein Gehirn und sie sind Teile von mir."

Doch tatsächlich gibt es für mich Gründe dies nicht zu tun, es nicht zu forcieren – ja, es nicht einmal anzubieten. Ich bin der festen Überzeugung, dass DIS nicht heilbar im eigentlichen Sinne ist. Wie ich schon oft ausführte sehe ich es so, dass unter bestimmten Umständen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder in die alten Denk- und Verhaltensmuster zurück gefallen wird. Das bedeutet, dass möglicherweise bei extremen Belastungen, sehr wahrscheinlich aber spätestens bei einem erneuten traumatischen Erlebnis, es erneut zu Dissoziationen bis hin zum Aufspalten der Persönlichkeit kommen kann.

Wie gehe ich also mit diesem durchaus realen Risiko um? Denn leider wird die Welt nicht mit einem Rundum-Wattepack auf mich warten…

Kribalg ist keiner der nach außen stürmt und daher ist es nicht störend, wenn diese 'Alarmanlage' so selbst-bestimmt aktiv ist. Warum also sollte ich diese Alarmanlage nicht in der bewussten Adoptionsentscheidung erhalten?

Und bugi… Ich stelle mir gerade vor, mein Gehirn 'brennt' mal wieder durch und ich dissoziiere… Im Falle dessen, dass keine Sicherung da ist, würde möglicherweise so stark dissoziiert und letztendlich abgespalten werden, dass ich mir nicht sicher sein könnte, danach wieder so da zu sein, wie ich jetzt bin. Es wäre für mich und meine Familie ziemlich blöd, wenn z.B. die Erinnerungen an sie oder die Emotionen ihnen gegenüber nicht mehr abrufbar wären. Wenn nun aber bugi als Sicherung aktiviert bleibt, dann kann ich mir ziemlich sicher sein, dass er in seiner sachlich-analytischen für eine gewisse Zeit das Tagesgeschehen übernimmt und mich dann ’neu startet'. Es gibt mir im Moment ein extra Maß an Sicherheit. Ich arbeite weiter daran, es als nicht tragisch anzusehen, dass diese Menge an Informationen bereit steht aber ich kann in der bewussten Adpotionsentscheidung auch hier sagen: "Bleibt als eigenständiger Teil von mir erhalten und muss nicht explizit angenommen werden."

4 Gedanken zu „Aktueller Stand 01/2019“

  1. Ich finde es schon suuuper spannend, dass diese Adoptions-idee dich-euch soooo begleitet. Das kommt aus dem Buch vom Inneren Kind, oder? Ich meine, du schriebst das irgendwo… Klingt total nach nem roten Faden… Und das über Jahre… Oder wirkt es nur so? Oder könntet ihr schon sagen, dass das wirklich, klar neben anderen Sachen, eine ganz ganz wesentliche Arbeit war-ist… Für wirklich viele Jahre… Und wesentliche Schritte…

    1. Ja, das war und ist weiterhin hier einer der roten Fäden. Traumatherapie, Verhaltenstherapie, Konfrontationstherapie, Körpertherapie und verschiedenes andere hat sich in Intervallen abgewechselt oder musste nur in gewissen Blöcken gemacht werden… aber die Adoption jedes einzelnen Teils jedes mal mit der Unterscheidung "Annehmen (völlige Fusion – Anfangs nicht vorstellbar)", "Freilassen (war auch Anfangs vorstellbar) ", "Festhalten (als selbstständigen Teil annehmen – war Anfangs das Hauptziel)" und "Entfernen / Aufgeben (war die schwierigste Entscheidung)" ist in der ganzen Zeit immer wieder Kernarbeit gewesen.

    2. Danke… total interessant. Weil ich mit Adoption immer verbinden würde "annehmen"… da würde ich auch gerne drauf hinarbeiten. Annehmen, als Teil von "mir"… auch wenn dies "mir" erst entstehen darf-muss. Die anderen drei Möglichkeiten bringe ich überhaupt nicht mit Adoption in Verbindung… nachvollziehen kann ich total, dass das Anfangsziel erst einmal war: Festhalten, im Sinne von als selbstständigen Teil annehmen. Das finde ich auch als erstes für mich-uns im Moment das Ziel, doch ich glaube ich denke das "Annehmen" immer schon mit… zu Freilassen und Entfernen kann ich mir emotional grad noch nichts vorstellen… gab es diese 4er-Differenzierung von Anfang an? Und es war schon immer eine Wahl, was getan werden könnte?… wenn auch unvorstellbar… oder entwickelten sich die Möglichkeiten erst nach und nach?…

    3. Nein, diese Differenzierung gab es absolut nicht! Eigentlich war am Anfang _null_ Vorstellung da, was überhaupt gehen könnte. Im Laufe der Zeit kam an das Adoptionsthema auf und dort dann erstmal nur der Punkt "Festhalten". Danach kam das Thema "Entfernen" auf und da wurde sich kräftig gegen gesträubt. Also wurde in Richtung "Annehmen" gedacht. Auch das war dann eine ganze Zeit ein No-Go. Irgendwann kam ich an den Punkt, dass ich merkte, ich stehe mir und dem Innen total auf den Füßen und war bereit, dass zu ändern. Nach der ersten "Annahme (Fusion)" wurden die anderen Möglichkeiten greifbarer und generell vorstellbar – auch wenn es sich einige Zeit nicht nach einer Wahl anfühlte.

      "Loslassen" und "Entfernen / Aufgeben" im Sinne der Adoption möchte ich gerne mit einem Vergleich etwas klarer machen. Auch wenn der Vergleich natürlich nicht 1:1 umgelegt werden kann.

      Jemand adoptiert ein reales Kind. Es wird erwachsen, ist in der Lage auf eigenen Füßen zu stehen und verlässt das Heim weil es das möchte. Es ist eine Absprache zwischen Adoptiveltern und dem Kind und das ganze geschieht herzlich und friedlich. Ja zum Teil freudig, weil das Kind nun frei ist seinen Weg zu gehen, zum Teil traurig, weil es nun nicht mehr zuhause ist. Die Adoptiveltern geben ihr Kind so quasi frei – wollen es nicht zwingen Zuhause wohnen zu bleiben. Das wäre das "Freilassen".

      Selbe Ausgangssituation, aber das Verhältnis zwischen den Adoptiveltern und dem Adoptivkind ist sehr angespannt. Und eventuell entscheiden die Eltern, dass das Kind nun wo es erwachsen ist, das Haus verlassen muss. Zum Beispiel weil es immer wieder zum Streit kommt und man einfach nicht mehr zusammenarbeiten kann. Die Adoption wird deswegen nicht aufgehoben aber das Kind ist nicht mehr Zuhause und eventuell ist es sogar so, dass sich nie wieder ein gutes Verhältnis – möglicherweise sogar nie wieder ein Kontakt – ergibt. Das ist in dem Bild also "Entfernen" oder "Aufgeben".

      Dieses Prinzip kann man auch auf die beiden anderen Punkte anwenden.

      "Festhalten" wäre demnach dass das Adoptiv-Kind zuhause wohnen bleibt Gleichzeitig ist es gut in den Familien-Alltag eingebunden, fühlt sich aber nicht 'gezwungen'. Es ist nicht schlecht, so eine enge Bindung zu dem Adoptiv-Kind zu haben, aber jede Familie muss für sich entscheiden, ob es der gewünschte Dauerzustand ist, dass alle zusammen wohnen.

      "Annehmen" im Sinne der Fusion gibt es im Vergleich der realen Adoption natürlich nicht so. Aber eventuell kann man es so sehen, dass das Kind wie beim "Festhalten" in die Familie eingebunden ist und zusätzlich niemand in der Familie oder Verwandschaft auf die Idee käme es als adoptiertes Kind anzusehen. Es ist einfach Teil der Familie und die Vergangenheit ist dabei völlig uninteressant – ja eventuell sogar wirklich 'vergessen'. Alle Teile der Familie haben beschlossen dauerhaft zusammen zu bleiben und zu wohnen.

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